Die Vereinbarkeitslüge: „Wie schaffst du das alles?“

„Wie schaffst du das alles?“ Das fragen mich die Leute oft, wenn sie mitbekommen, was ich beruflich mache: meine Blogbeiträge, die ich auch auf Facebook teile, die Werbung für das Buch, das ich gerade veröffentlicht habe („Fettnäpfchenführer Bayern“), die Zeitschriftenartikel. Das sieht nach viel aus, aber ich investiere in meine Arbeit wohl auch nicht mehr Zeit als andere arbeitende Mütter, deren Jobs nicht so öffentlich nachvollziehbar sind. Die Altenpflegerin, die ihre Schichten immer mit ihrem Ehemann abklären muss, die Lehrerin, die über ihre Arbeit nichts postet – sie alle haben wohl, wie ich, mindestens 4, 5, 6 Stunden am Tag konzentriert zu tun, vielleicht auch mehr.

„Alles“ geht nicht

Um „alles“ zu schaffen, was dann noch anfällt – einzukaufen, zu kochen, die Kinder zu holen und in der Weltgeschichte herumzuchauffieren oder alternativ mit ihnen zu spielen und den Haushalt zu erledigen –, bräuchte der Tag allerdings weitere 30 Stunden. Ein bisschen Sport, Zeit mit dem Ehemann und Entspannung beim Lesen oder Fernsehschauen wollen nämlich auch noch untergebracht sein. Da ich aber keine 30 oder mehr Stunden Zeit zur Verfügung habe, schaffe ich leider doch nicht „alles“. Oft fällt bei mir der Haushalt hinten runter. Denn, und das ist gut für die Arbeit und schlecht für die Ordnung: Ich kann mich sehr gut auch an den unordentlichen Schreibtisch setzen und Texte schreiben. Gern auch mit Blick auf den unaufgeräumten Frühstückstisch. Ich schaffe „das alles“ also nur, weil ich nicht „alles“ schaffe. (Eins hab ich aber doch geschafft, hihi: Unser Bücherregal hab ich nach Farben sortiert).

Durch das Chaos in den Garten


Ich bin überzeugt davon, dass frau nicht gleichermaßen perfekte Hausfrau, gute Arbeiterin, fürsorgliche Mutter und liebende Ehefrau sein kann. Jede setzt ihre Prioritäten, und meine liegen im Zweifel bei der Familie und bei der Arbeit.
Unsere Putzhilfe rettet mich, einmal pro Woche zumindest. Und manchmal schaffe ich mit den Kindern Ordnung: Staubsaugen ist jedenfalls so etwas wie ein Hobby für die beiden. Mein Mann? Der tut auch, was er kann.
Natürlich bekomme ich spätestens, wenn sich spontan Besuch ankündigt, Panik und versuche, doch noch schnell aufzuräumen. Manchmal lotse ich die Besucher aber statt ins unaufgeräumte Wohnzimmer gleich in den Garten, wo ich dann manchmal gefragt werde: „Wie schaffst du das alles?“

Wie ist es bei Euch? Was schafft Ihr alles nicht?

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