Ein Regenbogen im Regal: Warum ich unsere Bücher neuerdings nach Farben sortiere

Ich habe mich inspirieren lassen. Auf Instagram und Pinterest habe ich einen Blick in viele Wohnzimmer werfen dürfen, in denen Bücher nach Farbe sortiert sind. Wie so ein Regenbogen im Holzrahmen sahen die Regale der Influencer aus – ich fand sie wunderschön. Als ich mich neulich darüber geärgert habe, wie unordentlich unser eigenes Regal ist – kreuz und quer standen die Bücher, schief, manche lagen auf anderen –, da habe ich beschlossen: Ich will, dass unser Regal auch regenbogenschön aussieht. Und dann machte ich mich an die Arbeit …

Vorneweg: Mein Mann und ich, wir sind Buchautoren. Lesen ist uns wichtig. Dass sich früher Menschen leere Papphüllen gekauft haben, die wie Buchrücken aussahen, und diese als möchtegern-intellektuelle Deko ins Regal gestellt haben – darüber konnte ich herzlich lachen. Wir hatten aber auch nie das Problem, die Regale nicht vollzukriegen, im Gegenteil: Wir haben so viele Bücher, dass wir auch regelmäßig im Bücherregal ausmisten und die Schätzchen verschenken, verkaufen und in Bücherschränke stellen.

Kapstadt-Reiseführer zwischen Kinderknigge und Rezepten

Als ich nun den Trend aufgespürt habe, Bücher farblich zu sortieren, hab ich mir zugegebenerweise erstmal an den Kopf gelangt: Wie sollen die Damen und Herren denn noch finden, was sie suchen, wenn der Reiseführer Kapstadt plötzlich zwischen Kinderknigge und Plätzchenrezepten steht? Das Neue Testament neben „Gartenjahr für Einsteiger“? Nur weil sich die Bände buchrückenfarblich ähneln? Aber je öfter ich solche Regale sah, desto mehr fand ich: Schön sieht das schon aus – als hätten die Menschen einen Regenbogen im Regal. Ich überlegte: In der Tat suche ich nicht so oft Bücher im Regal. Die neuen, die in Kürze gelesen werden wollen, landen erstmal auf dem Nachttischkästchen. Die, die gelesen sind, stehen nur rum. Bislang eher wenig dekorativ. Wenn man nun also die Wahl hat, ob ein Regal, das selten durchforstet wird, eher ästhetisch oder eher unästhetisch, dafür aber nach Themen und Namen geordnet aussehen soll – dann hat es unterm Strich mehr Nutzen fürs tägliche Wohlbefinden, etwas Schönes fürs Auge zu schaffen, oder? Und bei uns muss sich ja niemand Fremdes im Regal zurechtfinden, wie in der Buchhandlung oder der Bibliothek. So dachte ich, und so arrangierte ich die Bücher um.

Und dann kam der Mann nach Hause, dem ich ein Mitspracherecht einräumen sollte. Er hatte auf dem Heimweg schon auf Instagram gesehen, dass ich farblich dekoriert hatte, und weil es gegen Ende der Faschingszeit war, dachte er zunächst an einen Faschingsscherz. Und dann war er entsetzt. Er sagte, wenn mir die Bücher nicht gefallen und ich sie nicht nutze, könnten wir sie ja in Kisten verpackt in den Keller stellen – und uns stattdessen echte Deko kaufen anstatt die Werke von Autoren zu solcher zu degradieren. Erstaunt sah er aber, dass ich auf Instagram mehr Zuspruch als Häme für meine Ordnung erhielt.

Ist es wenig intellektuell, Bücher nach Farben zu sortieren?

Er blieb dennoch dabei: Es sei wenig intellektuell, unter der Würde von Autoren, sein Regal derart zu sortieren. „Kaufst du dann in Kürze ein Buch, nur weil es einen orangefarbenen Buchrücken hat – nur weil es dem Farbverlauf gut stehen würde?“, fragte er. Ich wies das empört von mir, dachte aber insgeheim darüber nach, dass mein Regal-Ensemble ja schon schöner aussehen würde, wenn etwas mehr Türkis …

„Wir könnten auch nach Größe sortieren“, schlug er scheinheilig vor. Doch: Was für ein absurder Vorschlag: Wie soll man da noch finden, was man sucht? Und es würde völlig abschüssig aussehen, als würde es mit den Büchern bergauf oder bergab gehen. Ein Freund, der in der Bücherfrage zu „Team Harry“ zu gehören scheint, schlug als Kompromisslösung vor, dass wir die Bücher so ordnen könnten, dass der Anfangsbuchstabe der Titel eine versteckte Botschaft ergibt.

Jedem Hohn zum Trotz merke ich: Nach Farbe zu ordnen, das funktioniert jedenfalls als Ordnungssystem. Ich gehe davon aus, dass Marie Kondo diesen Trend ebenfalls bald als tolle Methode, immer gut aufzuräumen, vorschlagen wird. Denn: Wir, die wir so oft theoretisch nach Genre und Autor sortieren, und dann doch ein Buch dazwischen quetschen, weil es gerade reinpasst, haben endlich mal ein Regal, das sich sehen lässt. Ich bin viel mehr dahinter, neue Bücher richtig einzuordnen, weil noch viel klarer ist als durch die Einteilung in Genres, wo es hingehört. Ich habe ein Glücksgefühl, wenn sich die Farbverläufe auf raffinierte und dekorative Weise ändern.

Mein Mann? Protestiert jedenfalls nicht mehr und scheint sich an die neue Ästhetik im Wohnzimmer gewöhnt zu haben. In jedem Fall scheint er zu bequem zu sein, um die Buch-Ordnung wieder in seinem Sinne herzustellen. Vielleicht wartet er aber auch nur bis zum nächsten Karneval damit.

Ihr Lieben, wie ist es bei Euch? Wir sortiert ihr die Bücher? Nach Autor, Genre, Farben, oder habt Ihr nur eins daheim? 😉

2 Kommentare bei „Ein Regenbogen im Regal: Warum ich unsere Bücher neuerdings nach Farben sortiere“

  1. Ich mag es wenn es ordentlich aussieht, deshalb sortiere ich nach Größe.

  2. […] Um „alles“ zu schaffen, was dann noch anfällt – einzukaufen, zu kochen, die Kinder zu holen und in der Weltgeschichte herumzuchauffieren oder alternativ mit ihnen zu spielen und den Haushalt zu erledigen –, bräuchte der Tag allerdings weitere 30 Stunden. Ein bisschen Sport, Zeit mit dem Ehemann und Entspannung beim Lesen oder Fernsehschauen wollen nämlich auch noch untergebracht sein. Da ich aber keine 30 oder mehr Stunden Zeit zur Verfügung habe, schaffe ich leider doch nicht „alles“. Oft fällt bei mir der Haushalt hinten runter. Denn, und das ist gut für die Arbeit und schlecht für die Ordnung: Ich kann mich sehr gut auch an den unordentlichen Schreibtisch setzen und Texte schreiben. Gern auch mit Blick auf den unaufgeräumten Frühstückstisch. Ich schaffe „das alles“ also nur, weil ich nicht „alles“ schaffe. (Eins hab ich aber doch geschafft, hihi: Unser Bücherregal hab ich nach Farben sortiert). […]

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