Die wundervollsten Kinderbücher dieser Saison: Literatur-Tipps für unter den Weihnachtsbaum

Verschenkt Ihr auch so gerne Kinderbücher? Ich schon, ich liebe es, in Büchern zu schmökern und zu überlegen, welche davon meine Kinder begeistern könnten. Als Geschenktipps für Weihnachten habe ich die Neuerscheinungen der letzten Zeit zusammengetragen, die uns richtig, richtig gut gefallen – allesamt wunderbare, von uns persönlich geprüfte Bücher, die unbedingt unter den Weihnachtsbaum gehören. Hier sind unsere Empfehlungen für Kinder von 3 bis (ungefähr) 8:

Ab vier Jahren: „Karl & Knäcke lernen räubern“

Karl und Knäcke wären gern die wildesten Räuber der Stadt – nur, bisher chillten sie immer nur tatenlos auf ihrem Sofa. Das muss sich ändern! Sie beschlossen, nun wirklich mit dem Räubern anzufangen. Nacht für Nacht schlichen sie sich von nun an in andere Häuser. Dort testeten sie erstmal nur alles aus: die Musikinstrumente im Haus der Dirigentin, die Computerspiele beim Computer-Service, die Turngeräte bei der Sportlehrerin. Im Laufe des Abends landeten sie schließlich in den Küchen ihrer vermeintlichen Opfer, um zu kochen und zu essen – doch richtig geräubert, das haben sie nicht. Sind sie eigentlich doch zu etwas anderem berufen?

„Karl & Knäcke lernen räubern“ macht viel Spaß. Es ist witzig, gemeinsam mit ihnen in fremden Wohnungen zu stöbern. Dass die ulkigen Gesellen gerne Räuber sein würden, irritiert meinen fast 5-jährigen Sohn zwar ein bisschen, aber witzig findet er es schon, dass ihnen das nicht so richtig gelingen mag. Das Buch ist mit vielen Details und fantastischem Humor gespickt und sehr stylisch illustriert. Großes Kino.
Kirsten Reinhardt, Marie Geißler: Karl & Knäcke lernen räubern. Carlsen Verlag, 40 Seiten, 12 Euro.

Ab sechs Jahren: Zippel, das wirklich wahre Schlossgespenst“

Wer sagt, dass Schlossgespenster nur in riesigen Burgschlössern leben? Zippel jedenfalls ist ein Schlossgespenst, das im Türschloss der Altbauwohnung von Pauls Familie wohnt. Das entdeckt Paul eines Tages, als er alleine von der Schule heimkommt. Er und das Gespenst erschrecken zunächst gleichermaßen voreinander – freunden sich aber ganz schnell an. Als die Eltern abends weg sind, zeigt Paul seinem Gespensterfreund die Spielzeug-Eisenbahn, die Zippel gleich zur Geisterbahn macht. Noch besser aber ist, dass Zippel Paul bei den Problemen mit den Mitschülern hilft. Ach, es könnte alles so schön sein zwischen den beiden, wäre da nicht der Plan der Eltern, das Schloss, Zippels Zuhause, auszuwechseln…

Mit Zippel hat Alex Rühle aber etwas vorgelegt. Es ist das erste Kinderbuch des  Kulturredakteurs der Süddeutschen Zeitung – und es ist unheimlich wunderbar! Mit viel Fantasie und beeindruckend anschaulich versetzt sich der Autor in die oft prekäre Lage des Schlossgespenst – etwa wenn er beschreibt, wie Zippel schimpft, wenn jemand den Schlüssel in sein Schloss-Zuhause steckt und dabei mit einer Stange in seiner Wohnung herumbohrt. Es gibt viele lustige Missverständnisse zwischen dem Geist und dem Jungen, über die auch ich als erwachsene Vorleserin herrlich schmunzeln kann. Meine Kinder lachen lauthals darüber. Ich bin sicher, dass Zippel das Zeug zum Kinderbuch-Klassiker hat, liebevoll, originell und witzig wie er ist. Dass Axel „Grüffelo“ Scheffler das Buch originell wie liebevoll illustriert hat, macht es noch wertvoller. Eine ganz dicke Kaufempfehlung für Kinder ab sechs!
Alex Rühle: Zippel, das wirklich wahre Schlossgespenst. dtv junior, 144 Seiten, 12,95 Euro.

Ab vier Jahren: „Jeppe & Oswald. Ein Wichtel zieht ein“

Wichtel? Sind das nicht diese kleinen, zwergenhaften Wesen aus dem Norden, die heimlich Haus und Hof und Tiere versorgen und an Weihnachten Geschenke bringen? Genau! Bis ein Wichtel allerdings als solcher arbeiten darf, muss er erst die Wichtelprüfung bestehen – und die ist gar nicht einfach, vor allem für einen schlechten Schüler wie Jeppe, von dem das niegelnagelneue Buch „Jeppe & Oswald“ von Dully & Dax handelt. Nach dem ganzen Theoriekram im Unterricht geht es für ihn jedenfalls darum, ein altes Ferienhaus herrichten zu müssen, um die Schule abschließen zu können. Doof nur, dass darin Hamster Oswald lebt, der Jeppes Wichtel-Bemühungen gar nicht lustig findet und alles unternimmt, um ihn aus seinem Heim zu vertreiben: Wann auch immer Jeppe in dem baufälligen Holzhaus etwas reparieren oder verschönern möchte, sabotiert Hamster Oswald die Aktion … Als das Häuschen jedoch zum Abriss freigegeben wird, merken Wichtel und Hamster, dass sie nicht nur zusammenhelfen müssen, sondern dass sie sich gar nicht so übel finden…

Das Buch ist warmherzig und witzig geschrieben – und spannend ist es noch dazu. Denn: Wie entwickelt sich die Beziehung zwischen Jeppe und Oswald? Werden sie das Haus retten können – und wird Jeppe die Prüfung bestehen? „Dully & Dax“ ist das erste richtig lange Buch von Jeppe und Oswald. „Jeppe & Oswald“ ist das erste richtig lange Buch des bewährten Duos Dully & Dax – ein herrliches Vorleseabenteuer für Kinder ab vier Jahren mit liebevollen, atmosphärischen und witzigen Illustrationen. Und ich – ich will jetzt auch so einen wunderbaren Hauswichtel wie Jeppe haben.
Dully & Dax: Jeppe & Oswald. Ein Wichtel zieht ein. Ellermann, 128 Seiten, 13 Euro.

Ab drei Jahren: „Die kleine Hummel Bommel und die Zeit“

Hummel Bommel widmet sich immer den großen Themen der Menschheit „Die kleine Hummel Bommel sucht das Glück“ heißt eins der Bücher aus der zauberhaften Kinderbuchreihe von Britta Sabag und Maite Kelly und Joelle Tourlonias, ein anderes „Die kleine Hummel Bommel und die Liebe“. Auch einen Weihnachtsband gibt es. Im neuesten Band ist „Die kleine Hummel Bommel und die Zeit“ dran. Die Autorinnen sind aber nicht überfordert mit diesem großen Thema, sondern handelt sie wunderbar kindgerecht ab. Warum kommt der kleinen Hummel Bommel die Zeit nur so lang vor, in der sie am Bahnhof auf die Ankunft von Oma Hummel warten muss? Und wieso kommt sie Marie Marienkäfer so kurz vor, wenn sie an ihre Kinder denkt, die teilweise schon aus dem Haus sind? Wie kann sie bei Eintagsfliegen, die nicht viel Zeit haben, nur so besonders sein? Und besonders wertvoll ist sie auch, als Oma endlich da ist – da will die kleine Hummel nämlich nichts mehr verpassen. „Die kleine Hummel Bommel und die Zeit“ ist einmal mehr ein zauberhaft illustriertes Buch für Kinder ab drei Jahren, die gerne darüber nachdenken wollen, wie sie die Zeit am liebsten verbringen.
Britta Sabbag, Maite Kelly, Joëlle Tourlonias: Die kleine Hummel Bommel und die Zeit. ars edition, 32 Seiten, 15 Euro.

Ab sechs Jahren: YoYo und Motte. Land aus Eis“

YoYo, ein kleines Mädchen, und Motte, ein neugieriger Nachtfalter, sind die Helden einer Kinderbuchreihe – und mit einem roten Zauberballon als Transportmittel in der ganzen Welt unterwegs, um spannende Abenteuer zu erleben. Im neuesten Band „YoYo und Motte. Land aus Eis“ reisen sie auf eine Insel mitten in einem Ozean, auf der eine Pinguinkolonie festsitzt. Eine Eisscholle hatte sie dorthin getrieben. So weit, so gut, bloß: Die Sonne, die über der Insel kräftig scheint, lässt die Scholle schmelzen, und so müssen die Pinguine schnellstmöglich zurück in ihr Land aus Eis …

Wir, die wir schon in Südafrika waren, erkennen in dem Buch die weltberühmte Pinguinkolonie von Simon’s Town wieder – dort leben Pinguine, die irgendwie dort gestrandet sind und es sich heimisch gemacht haben. Es ist toll, dass Autorin Nadine Altenbach eine kindgerechte Geschichte dazu geschrieben hat, die auch Kindern, die Südafrika nicht kennen, diese ungewöhnliche Pinguingeschichte näherbringt. Die zauberhaften Illustrationen von Carolin Winterbauer lassen fantastische Tierwelten im Buch lebendig werden, es ist so toll anzusehen, wie hier eine Walfamilie ihre Fontänen in die Lüfte spritzt und zu beobachten, was sonst noch alles so kreucht und fleucht. Eins will der Leser bei all der schönen Naturbeobachtung aber wissen: Werden YoYo und Motte die Pinguine sicher in ihr Land aus Eis zurückbringen können?

Zum Buch gibt es übrigens ein eigenes Kinderyoga-Konzept, das zum Download bestimmt ist. Wilde Tiere und mutige Helden animieren hierbei zu neuen Bewegungsformen. Die Yogastunden greifen einzelne Kapitel aus dem Buch auf und zeigen darauf abgestimmte Yogaübungen. Witzig, oder?
Nadine Altenbach & Carolin Winterbauer: YoYo und Motte, Land aus Eis, Altenbach & Winterbauer GbR, 88 Seiten, 10,90 Euro.

Ab sieben Jahren: Leonie Looping. Ein elfenstarker Winter“

Es ist ein viel zu warmer Wintertag. Ob die Menschen vergessen haben, ihre Herdplatten auszumachen, und ob es deshalb so warm ist? Die Schmetterlingselfen Mücke und Luna, die auf Oma Annis Balkon wohnen, wundern sich – und auch das siebenjährige Mädchen Leonie Looping, das sich ebenfalls in eine Schmetterlingselfe verwandelt kann, staunt über das Wetter. Weil es die Spatzen von den Dächern pfeifen, dass der Winter in diesem Jahr ausfallen soll, werden die Tiere leichtsinnig: das Eichhörnchen joggt sich den Winterspeck von den Rippen, die Mäusefamilie macht eine Party und futtert die Wintervorräte weg, die ja keiner braucht, wenn der Winter ohnehin nicht kommt. Und dann schneit es plötzlich doch, über Nacht, und es wird bitterkalt… Auch in „Leonie Looping – Ein elfenstarker Winter“ greifen Autorin Cally Stronk und Illustratorin Constanze von Kitzing wie in den Vorgängerbänden ein wichtiges Thema aus der Natur auf und schaffen es auf altersgerechte Art und Weise, Kindern ab sieben Jahren auf den Zauber, aber auch auf die Probleme der Natur aufmerksam zu machen. „Mama, kann es wirklich sein, dass der Winter ausfällt?“, fragen die Kinder beim Lesen, und „Mama, kann es wirklich sein, dass die Tiere verhungern, wenn es zu kalt ist draußen?“. Und dann sprechen wir darüber. Der Text ist einfach geschrieben – und somit also perfekt für Leseanfänger; an vielen Stellen ist er sehr witzig. Die Illustrationen sind zauberhaft, und das Cover glitzert sogar! Toll, dass es schon sechs Bände von Leonie Looping gibt: Wir hoffen dennoch auf mehr und mehr davon!
Cally Stronk, Constanze von Kitzing: Leonie Looping, Band 6: Ein elfenstarker Winter. Ravensburger, 8,99 Euro, 98 Seiten.

Ab sechs Jahren: Snuffi Hartenstein“

Hattet Ihr auch einen unsichtbaren Freund, haben Eure Kinder einen? Also, ich gestehe: Ich hatte mal ein unsichtbares Pferd besessen, das damals immer bei mir war und das ich sehr liebte. Der Junge Niko und sein unsichtbarer Freund „Snuffi Hartenstein“ sind in Paul Maars gleichnamigem Buch ein gutes Team bis, ja, bis ein echter Junge an die Stelle Snuffis tritt – und der Hund vergessen war. Wohin so ein unsichtbarer Freund (traurig) abtaucht, wenn er nicht mehr gebraucht wird, und wie es mit ihm weitergeht, erzählt Paul Maar auf rührende Weise. Ich war sehr gespannt auf dieses Buch – ich hatte die große Ehre, Paul Maar im vergangenen Jahr in Bamberg zu interviewen; damals hatte er mir bereits von der Snuffi-Idee erzählt. Sie jetzt so süß und ein bisschen schräg umgesetzt zu sehen – das ist eine große Freude. Dass meine Kinder bei der gemeinsamen Bettlektüre erfahren, was passieren kann, wenn Freundschaften zerbrechen – das finden sie zuerst traurig, und dann doch wieder schön: denn zum Glück entstehen immer neue Wege, Bekanntschaften und letztlich auch wieder Freundschaften.
Paul Maar: Snuffi Hartenstein. Oetinger Verlag, 80 Seiten, 10 Euro.

Ein Kommentar bei „Die wundervollsten Kinderbücher dieser Saison: Literatur-Tipps für unter den Weihnachtsbaum“

  1. Hallo Nadine,
    Leonie Looping wäre genau das richtige für meine Tochter. Muss ich mal gucken, wenn sie mit ihren vielen Büchern fertig ist. Sie liest sehr viel und bei ihr stapeln sich die Bücher. Zur Zeit verschlingt sie die Teile des magischen Ponys aus dem arsEdition Verlag.
    LG Nicole

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