Plötzlich Promi: Wie mir auf einmal zig Autogrammanfragen ins Haus flatterten und ich mich zu Tode darüber erschreckte

Es beginnt mit einem einzelnen Brief, vier Tage vor Weihnachten. Als Absender steht auf dem Umschlag der Name eines mir unbekannten Herrn aus Ravensburg, in seinem Brief steht nur: „Liebe Nadine Luck, schicken Sie mir zwei Autogrammkarten? Dickes Bussi! Ihr XY.“ Ein frankierter Rückumschlag ist auch dabei. Ich google nach dem Herrn, suche ihn im Telefonbuch – doch vergebens, weder Suchmaschine noch Telefonbuch spucken was über ihn aus. Was soll das denn? Ich finde es gruselig. Ist das ein Lebenszeichen eines Verflossenen, der ein bisschen Psychoterror machen will, in der sentimentalen Zeit vor Weihnachten? Ein wie auch immer gearteter Irrläufer? Autogrammkarten habe ich jedenfalls keine.

Tags darauf bin ich mit den Kindern in einem Café, als ich eine Whatsapp meines Mannes bekomme. „Du hast wieder Autogrammpost“, schreibt er. Ich bin hochalarmiert und fühle mich sogar hier, im Kindercafé, beobachtet und verfolgt. Ich fahre sofort heim. Dieses Mal kommt der Brief aus Frankfurt, ein frankierter Rückumschlag ist auch wieder dabei. Der Brief ist nochmals von einem Mann, der nicht im Internet auffindbar ist. Warum schreiben die Herren mir? Sie sind ja wohl kaum derart glühende Fans von „Mama und die Matschhose“, oder doch? Ist das Post aus der Vergangenheit? Oder finden mich die Herren als Buchautorin gut – allerdings: Seit Jahren ist kein Buch mehr von mir erschienen; aktuell schreibe ich allerdings an einem neuen, das jedoch erst im April erscheint, meinen „Fettnäpfchenführer Bayern“. Dieser kann aber jetzt, Monate vorher, auch nicht der Grund für diese Anfragen sein, oder?  Überhaupt: dass gleich zwei Briefe innerhalb von zwei Tagen im Briefkasten waren, finde ich dubios. Weil die DSGVO will, dass auf meinem Blog eine Postadresse angegeben ist, bin ich natürlich auffindbar – aber wer will meine Unterschrift haben, und warum? Ich eliminiere aufgrund dieser ungewünschten Post sofort meine Privatadresse aus dem Blog und ersetze sie durch die Büroadresse meines Agenten, über den ich ja auch erreichbar bin. Sowas will ich nicht mehr erleben.

Autogrammsammler: Wer sind meine „Fans“?

Tat ich aber. Nochmal einen Tag später. Dieses Mal steht der Mann, der anfragt, im Telefonbuch. Als ich mit Herzklopfen anrufe, geht niemand ran. Den zweiten Anrufversuch überlasse ich Harry, denn sollte ich echt irgendwie gestalkt werden, will ich nicht auch noch mit dem Kerl sprechen müssen. Doch: Ein Kind ist am Apparat. Auf die Frage, ob der Papa daheim sei, sagt es: „Nein, vielleicht morgen“. Auf die Frage, ob der Papa Autogramme sammle, antwortet es: „Ja.“ Woher er die Adressen bekommen würde – das weiß das Kind allerdings nicht. Überhaupt klingt es ein bisschen verwirrt, sagt Harry, und für mich daher wenig glaubwürdig. 

Endlich, zwei Briefe später, ist ein Autogrammsammler dabei, dessen Frau ich auf Facebook ausfindig machen kann, über den Nachnamen und den Ort. Die frage ich, woher ihr Mann meine Adresse hat. Sie schreibt, vermutlich aus der „Autogramm-Post“, einer Fachzeitschrift für Autogrammsammler. Das ist ja mal ein Hinweis: Auch ich vermute inzwischen, mit zwei Handvoll Autogrammen im Briefkasten, dass ich auf irgendeiner Liste gelandet bin. Nicht alle Herren schreiben so spröde und geben null Informationen über sich selbst preis. Ein Herr schreibt, er habe schon 26.000 Autgramme aus aller Welt daheim – nur eins fehle ich ihm noch: meins. Aber das ist ja auch kein Wunder, denn, siehe oben: Eine Autogrammkarte habe ich nicht.

Ich google nach der Redaktion der „Autogramm-Post“, was gar nicht so einfach ist, denn: eine eigene Homepage hat das Blatt nicht.

Meine Fan-Adresse in der „goldenen Ausgabe“ der Autogramm-Post

Auf Autogrammclub.de aber erhalte ich den Hinweis, dass es ein Fachmagazin gebe. „Getestete Autogrammadressen“ seien in diesem Heft (- hahaha). Ich maile der Redaktion, und bekomme postwendend Antwort vom Chefredakteur. „Sie haben Post von Autogrammsammlern bekommen?“, schreibt er. „Das freut uns.“ „Autogramm-Post“ sei seit gut 25 Jahren und insgesamt 100 Ausgaben das auflagenstärkste Magazin für den Autogrammsammler, in vier Ausgaben pro Jahr erfahre dieser darin alles, was zum Hobby gehöre. Meine Adresse sei in der gold glänzenden Jubiläumsausgabe 100 drin. Was für eine zweifelhafte Ehre für mich, die ich mich eher als 4-D-Promi denn als VIP auf dem Wiener Opernball sehe. (Mein Mann sieht das übrigens anders, er ließ Werbepostkarten für meine Bücher drucken, die auch als Autogrammkarten verwendbar sind.)

„Aber warum ich?“, frage ich den Chefredakteur nochmal, der irgendwie nicht glauben mag, dass ich sonst eigentlich nicht von Wildfremden auf der Straße angesprochen werde, in die nächste Silbereisenshow eingeladen oder wenigstens auf Platz 9 der Spiegel-Bestsellerliste zu finden bin. Bevor er des Rätsels Lösung herausgibt, will er noch wissen,  wie viele Briefe ich bisher von seinen Lesern bekommen hätte, ob eher drei bis vier oder 300 bis 400. Die Wahrheit liegt dazwischen, schreibe ich (- bei so zehn Briefen; Euch kann ich es ja verraten).

Maite Kelly und ich feiern gemeinsam

Nach und nach rückt der Herr nun mit der Sprache raus. Im Heft gebe es einen Geburtstagskalender mit je zwei Geburtstagskindern pro Tag – damit Fans zum Ehrentag gratulieren und halt eine weiteres Autogramm anfragen können. Ich – jetzt ein kleiner Exkurs – habe einen eigenen Wikipedia-Eintrag als Journalistin und Autorin – und bin mit meinem Geburtstag (4. Dezember) tatsächlich recht prominent im virtuellen Wikipedia-Kalender eingetragen. Das liegt wohl auch daran, dass viele Prominente bezüglich ihres Geburtstags oft nur das Jahr, nicht aber den konkreten Tag angeben, wie mir der Herr Chefredakteur erklärt, und natürlich auch nicht ihre Adressen – daher sei es gar nicht so einfach, für jeden Tag zwei tolle Promis mit Autogrammadresse zu finden. Meine Adresse hat er nun wegen des Blog-Impressums finden können. Ganz einfach. Ich bin nun tatsächlich ein bisschen gerührt: Charly Hübner und die große Maite Kelly sind auch Geburtstagskinder des 4. Dezembers. Aber meine Adresse hat es ins Heft geschafft… Wenn das so weitergeht, bin ich bald im Dschungel!

Ich bin ein Star, darf ich jetzt rein?

Ich freue mich nun sehr darüber, dass diese Autogrammanfragen keine irrsinnige Aktion meines Verflossenen waren, der, wie ich beruhigenderweise in den Weihnachtsferien erfahren habe, auch endlich wieder unter der Haube ist. Schade ist, dass die Menschen mir nicht wegen der anstehenden Buchveröffentlichung schreiben – aber wenn ich viel Glück habe, wird mein „Fettnäpfchenführer Bayern“ vielleicht ein Bestseller, dann krieg ich vielleicht auch wegen des Buchs noch ein paar Anfragen.  

Falls Ihr mehr von „Mama und die Matschhose“ mitbekommen wollt,  folgt mir gern auf Facebook, Instagram oder/und Pinterest! Ich freu mich! Aber bitte: Keine komischen Autogrammwünsche schicken! 😉

6 Kommentare bei „Plötzlich Promi: Wie mir auf einmal zig Autogrammanfragen ins Haus flatterten und ich mich zu Tode darüber erschreckte“

  1. Coole Sache! Witzig was es manchmal so gibt

  2. 😀 na sowas, so schafft man es also in die Jubiläumsausgabe der Autogrammsammler! Ich hab mit meiner Mutter zusammen auch eine kleine Sammlung. Also wenn ich Dich mal wieder in der Stadt erwische, hast Du hoffentlich ne Karte für mich dabei! 😉
    Wir haben die meisten Autogramme nämlich persönlich gesammelt. Kommt wohl auf die Art des Sammelns an.

    1. Ja, wenn ich mal einen Prominenten nach einem Konzert oder so erwische, „sammle“ ich natürlich auch. Dass ich auch mal „gejagt“ werde, das hätte ich jedenfalls nicht gedacht, hihi.

  3. Na das nenne ich mal eine Überraschung….

  4. Das ist ja mal eine wirklich kurriose Geschichte. Ich weiß nicht, was mir da durch den Kopf gegangen wäre, wenn ich plötzlich Fanpost von fremenden Männern bekommen hätte. Aber sehr gut recherchiert. Und jetzt weiß ich auch, dass es ein Heft gibt für das Sammeln von Autogrammkarten. Was es nicht alles gibt.
    LG Anke

  5. Ist ja lustig, so schnell wird man zum Star 😁

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