Endlich wieder Spieleabend, oder: Bin ich schon bereit dazu, gegen die Kinder zu verlieren?

Für uns beginnt eine neue Zeitrechnung: Die Kinder sind alt genug, um bei vielen Gesellschaftsspielen die Regeln einzuhalten. Das heißt für uns: Wir müssen künftig nicht mehr auf Spieleabende, die uns in der kinderlosen Zeit so viel Spaß gemacht haben, verzichten. Doch eine Frage muss ich mir stellen: Bin ich schon bereit dazu, gegen die Kinder zu verlieren?

Hach, was war das schön früher! Damals, als Freunde abends zu Besuch kamen, eine Pizza Tonno für alle sowie Spiele unterm Arm – meist die „Siedler von Catan“ und „Risiko“. Bei letzterem haben wir fleißig Länder erobert und es lief, was bei Kriegsspielen nicht weiter verwunderlich ist, leicht aus dem Ruder. Vor allem, wenn wir mit unseren Freunden Lioba und Johannes (Namen geändert!) gespielt haben. Während andere Pärchen beim Spielen oft nicht allzu grausam zueinander waren und sich letztlich schonen, wenn es ums pure Überleben auf dem Spielfeld ging, ging es bei Lioba und Johannes jedes Mal Auge um Auge, Zahn und Zahn. Ihr Kampf auf unserem Küchentisch ging so weit, dass sie oft am Tag nach dem Spieleabend kein Wort mehr miteinander gesprochen haben. Ich gebe zu, für uns, ihre Mitspieler, war das alles ziemlich großes Popcorn-Kino. Inzwischen aber sind die beiden frisch geschieden – und nein, das ist nicht lustig, vor allem, weil es nun wohl nie wieder Spieleabende mit ihnen gemeinsam geben wird. Wir waren allerdings schon eine Weile vor ihrer Trennung aus der samstäglichen Abendrunde herausgefallen: Wir haben Kinder bekommen, die irgendwann richtig wild darauf waren, die Kegel und Würfel und Armeen vom Spieletisch zu werfen. Sprich: Als meine Süßen nicht mehr in der Babywiege neben dem Spieletisch geblieben sind, mussten wir der Spielerunde fernbleiben und passen.

Coming soon: Der Spieleabend mit der ganzen Familie

Inzwischen aber scheint es, als würden wir nicht mehr allzu lange auf erneute Spieleabende warten müssen. Für „Risiko“ und „Siedler“ sind unsere Kinder zwar noch zu jung – wobei, es gibt eine Kinder-Edition von Siedler, die zumindest ein Gefühl des „echten“ Spiels vermittelt; das mögen wir alle schon sehr gern. Und es gibt viele andere Spiele, die Kindern und Eltern gleichermaßen Spaß machen. Simone von „Simone spielt“ hat etwa in einem Gastbeitrag auf meiner Seite einige Spiele aufgeschrieben, die sich besonders gut für Erstklässler und deren Familien eignen – die lieben wir auch alle sehr, besonders „Leo muss zum Friseur“ und „Schnappt Hubi“. Auf ihrem Blog findet Ihr regelmäßig viele weitere Spieleempfehlungen – der ist also eine große Leseempfehlung von mir! Das Vergleichsportal Idealo hat außerdem Listen der beliebtesten und meistgekauften Spiele gemacht, untergliedert in verschiedene Altersgruppen. Die Spiele reichen von Kakerlakak über Looping Louie hin zu Mister Pups – das sind Spiele, die uns auch allesamt Spaß machen, allerdings mit viel Getöse daherkommen 😉. Auf der Idealo-Seite werden zudem Experten zitiert, die auf die positiven Auswirkungen von Gesellschaftsspielen zu sprechen kommen: wir Spieler trainieren Geschicklichkeit, Geduld, vorausschauendes Planen etc. – Faktoren also, die auch für die kindliche Entwicklung eine Rolle spielen. Dass Spiele auch beziehungsgefährdend sein können, wie bei unseren Freunden, wurde allerdings nicht erwähnt 😉.

Für immer Spieleabend: Mein Sohn ist ein Vollblutzocker

Mit dem Opa klappt das Spielen auch gut!

Eins habe ich in der Euphorie wegen der Spielfreude, die auch meine Kinder befällt, nicht bedacht: dass es mir sogar zu viel werden könnte. Doch: Mein Sohn hat sich zum Vollblutzocker entwickelt. Er könnte den ganzen Tag lang spielen, ein Spiel nach dem anderen. Und das nicht nur zu Hause: Auch im Kindergarten bequatscht er die Erzieherin jeden Tag, bis sie mit ihm spielt. Sie sagte neulich, sie habe keine Zeit für das neue Kind der Gruppe gehabt, weil er spielenspielenspielen mag. Mittags, wenn ich ihn abhole, sitzt er ebenfalls immer am Spieletisch und geht nur mit, wenn ich ihm verspreche, dass wir daheim auch was spielen. Manchmal sind wir so weit, dass ich ihn überreden muss, doch mal fernzusehen, weil ich das nicht kann: dauernd spielen.

Aber ich will mich nicht beschweren. Spielen ist so toll für die Entwicklung, macht geduldig, schlau – sicher auch schön. Und die Abende, an denen wir sogar gemeinsam als Familie „Risiko“ und „Siedler“ zocken können, sind nicht mehr fern. Ich hoffe, es wird keine Beziehungskrise innerhalb der Familie geben, wenn ich gegen die Kinder verlieren werde, aber versprechen kann ich das nicht.

Falls Ihr übrigens gut vorbereitet sein wollt aufs Spielen mit Euren Kindern – hier mein Bullshitbingo für Gesellschaftsspiele.

Und Ihr: Seid Ihr auch eine Spiel-Familie?

4 Kommentare bei „Endlich wieder Spieleabend, oder: Bin ich schon bereit dazu, gegen die Kinder zu verlieren?“

  1. Liebe NAdine,
    wir spielen auch sehr gerne Spiele jeglicher Art.
    Unser Joschua spielt dabei schon fleißig mit.
    Bei unserem Benajmin klappt das mit dem Spielen noch nicht so ganz.
    Unser Lieblingsspiele sind im übrigen die Siedler von Catan, Uno, Skipbo, Lighthouse Run und diverse andere Spiele welche Joschua alle gut mitspielen kann und wir auch Spaß daran haben.
    Liebe Grüße Marie

  2. Liebe Nadine,
    ach, ich mag Dich und Deinen Blog einfach! Irgendwie wusste ich schon, als wir uns auf der Spielwarenmesse kennengelernt haben, dass wir einen besonderen Draht zueinander haben. Ausserdem freue ich mich jedes Mal, wenn ich von Dir einen „Spiele-Beitrag“ lese… Lass uns weitere Familien mit dem Spielfieber anstecken!
    Meine Jungs haben auch so angefangen, heute sind sie 12 und 14 jahre.. und sie spielen immer noch leidenschaftlich gerne mit uns Brettspiele (ist doch besser als irgendwo online Daddeln, oder???). Und ja, natürlich verlieren auch wir gegen unsere Söhne. Nicht immer, aber immer öfter. Na und?

    Verspielte Grüßle,
    Simone

    1. Liebe Simone, Du hast uns tatsächlich die besten Spieletipps überhaupt gegeben, alle Deine Tipps funktionieren hier bestens! Danke dafür – und für den guten Draht, den wir haben. Wir lassen ihn einfach weiter glühen, ja? Ganz liebe Grüße, Nadine

  3. Hallo Nadine,
    wir haben viele Spiele, aber irgendwie spielen sie immer das Gleiche. So ne richtige Zockerfamilie sind wir nicht, aber ab und zu spielen wir schon gerne.
    LG Nicole

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