„Runder Tisch Influencer“: Als Familienbloggerin im Kanzleramt

„Influencer bist du? Das heißt, du wurdest gerade gegen Grippe geimpft?“, fragte Staatsministerin Dorothee Bär zu Beginn der Veranstaltung, und fuhr gleich fort: „Diesen Witz haben Sie alle bestimmt schon dreißig Mal gehört. Ich auch.“ Alle im Konferenzraum im ersten Stock des Bundeskanzleramts nicken. Uns Blogger und Influencer mit der Grippe zu verwechseln – das gefällt besonders denen, die genervt sind von den Werbebotschaften, die viele von uns ständig ins Netz aussenden.

Am Dienstag hatte sich eine Gruppe von Bloggern und Influencern auf Einladung der Staatsministerin an den „Runden Tisch Influencer“ gesetzt – im Bundeskanzleramt, in das wir erst nach Einlasskontrollen durch die Bundespolizei gehen konnten. Die Fraktion der Familienblogger wurde neben mir auch von Alu (Große Köpfe) von Blogfamilia vertreten.

Ein wahrlich aufregender Ort für ein Influencertreffen war das. Dabei ging es sehr sachlich zu: Immerhin ging es um nichts weniger, als existenzbedrohende Probleme in unserer Arbeit aufzuzeigen Um die komplexen Anforderungen, um Werbung korrekt als solche zu kennzeichnen – denn ansonsten drohen mit hohen Kosten verbundene Abmahnungen. Leider sollten wir auch Werbung, die mit gesundem Menschenverstand betrachtet keine ist, als solche kennzeichnen: etwa die Markierung von Freunden, die ebenfalls als Blogger arbeiten, oder auch Buchtipps, die wir aus freien Stücken und ohne Gegenleistung geben.

Ein Leitfaden für Influencer – der die Abmahnanwälte nicht interessiert…

Staatsministerin Doro Bär, Staatssekretär Gerd Billen

Mit uns Influencern diskutierten neben Dorothee Bär auch weitere Vertreter der Bundesregierung wie Staatssekretär Gerd Billen aus dem Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz, Stefan Schnorr, Leiter der Abteilung Digital- und Innovationspolitik im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, sowie Cornelia Holsten, die Direktorin der Bremischen Landesmedienanstalt. Holsten machte uns darauf aufmerksam, dass viele unserer Werbekennzeichnungen rein medienrechtlich betrachtet weggelassen werden könnten, denn: Freunde sind keine Werbung. Und auch ein Buchtipp aus eigener Motivation ist keine Werbung. Die Medienanstalten haben hierzu einen Leitfaden (#Werbung, haha) herausgegeben, den sich jeder Blogger mal zu Gemüte führen sollte. Wettbewerbsrechtlich sieht die Sache anders aus: So lange sogenannten Abmahnanwälten gesetzlich kein Riegel vorgeschoben wird, drohen bei fehlender Kennzeichnung Abmahnungen – wir Influencer seien besser beraten, wenn wir auch in diesen kuriosen Fällen (Markierung von Freunden, Orten und Tipps ohne Gegenleistung) markieren. Selbst Dorothee Bär kennt die Absurdität dieser Angelegenheit: Als sie kürzlich etwa ihre Kollegen Ursula von der Leyen und Heiko Maas auf Instagram verlinkt hatte, wurde sie ebenfalls darauf hingewiesen, dass das ja Werbung sei.

Für mich ist es vor allem merkwürdig, dass diese strengen Regeln gelten, wenn ich blogge oder auf Instagram poste – wenn ich stattdessen als Journalistin einen Buchtipp in einer Zeitschrift veröffentliche, wird mir nicht unterstellt, dass ich werbe – da muss ich nicht kennzeichnen.

Unsere Forderung: Gesetze für die Neuzeit!

Befriedigend ist es nicht für uns Influencer, mit dem Gefühl zu gehen, dass wir weiterhin „vorsichtshalber“ alles kennzeichnen sollen. Das gilt übrigens auch für alle anderen im Internet Aktiven: denn hierbei zählt, worüber jemand schreibt und nicht, welche Reichweite er hat.

Damit dieser unglückliche Zustand kein dauerhafter bleibt, müssen Gesetze geändert werden. Denn auch Dorothee Bär findet: „Die Gesetze sind nicht auf die Jahre 2018, 2019 und 2020 angepasst.“ Das System lerne aber. Die anwesenden Politiker jedenfalls waren höchst interessiert an unseren konkreten Beispielen, sie wollen weiter Fälle sammeln – und hoffentlich bald in ihre Entscheidungsgremien mitbringen. Für uns Blogger und Influencer ist es in jedem Fall ein tolles Signal, auch im Bundeskanzleramt gesehen zu werden. Auch wenn es ein eher untypisches Influencertreffen war – das Selfie mit der Staatsministerin am Ende der Veranstaltung war obligatorisch. Danke, Dorothee Bär, für die Einladung! Und hoffentlich hat sich beim Händeschütteln zum Abschied niemand mit der Influenza infiziert.

Familienblogger im Kanzleramt: Alu von „Große Köpfe“ und ich

3 Kommentare bei „„Runder Tisch Influencer“: Als Familienbloggerin im Kanzleramt“

  1. Ich mag Dein Kleid total gerne! Verrätst du die Marke?
    (Den Artikel fand ich übrigens auch spannend ;-))

    1. 🙂 – ich liebe es auch! Danke! Du, das Kleid ist von Boden, ich hab es letzten Winter gekauft! Liebe Grüße!

  2. Den runden Tisch finde ich super. Ist ein Anfang in die richtige Richtung, damit sich in Sachen Abmahnen und Werbekennzeichnung endlich etwas tut und es klare Regeln für alle gibt. Wie du schon richtig sagst, kann es nicht sein, dass ich als Werbung kennzeichnen muss, nur wenn ich einen Freund verlinke. Das ist Irrsinn. Also warten wir mal ab, was die Damen und Herren in Berlin sich so einfallen lassen, damit das Bloggen wieder Spaß macht.
    LG Anke

Schreibe einen Kommentar