Auf der Deutschen Spielzeugstraße zum größten Teddy der Welt: Ein Ausflug nach Sonneberg in Thüringen

Ich muss zugeben, dass Sonneberg bis vor kurzem für mich nur die Endstation des Franken-Thüringen-Express war. Vom Zugfahren kannte ich also den Ortsnamen – eine andere Verbindung hatte ich bislang nicht zur Thüringer Stadt. Es gab allerdings eine Zeit, in der Sonneberg weltberühmt war und in der es fast jeder kannte: Im 19. Jahrhundert galt es international als Spielwarenhauptstadt und belieferte Kunden aus aller Welt. Noch vor rund 100 Jahren stammte jedes fünfte weltweit verkaufte Spielzeug aus Sonneberg. An den prachtvollen Häusern, die es in manchen Straßen des heute recht beschaulichen Örtchens gibt, erkennt man noch den Wohlstand jener Tage.

Und auch, wenn heute nicht mehr so viele Teddy- und Puppenfirmen wie damals in Sonneberg produzieren – der Spieltrieb des Örtchens ist ungebrochen… Wie Ihr vielleicht mitbekommen habt, haben wir kürzlich einen Teil der Deutschen Spielzeugstraße bereist, eine insgesamt 300 Kilometer lange Ferienstraße durch Franken und Thüringen, die Orte und Landschaften voll mit Attraktionen, Institutionen und Unternehmen, die sich dem Spielzeug widmen, verbindet. Über unseren Ausflug nach Rödental und Neustadt bei Coburg hatten wir bereits berichtet; heute verraten wir Euch, wie es uns in Sonneberg gefallen hat. Eins vorweg: Es lohnt sich sehr, den Franken-Thüringen-Express bis zur Endstation zu fahren …

Sonneberg: Von Tedis und Teddys

In Sonneberg angekommen, verlaufen wir uns jedoch erst mal. Zu „Martin Bären“ wollten wir, der berühmten Teddybärmanufaktur mit Teddymuseum. Erst mal standen wir allerdings vor dem falschen Tedi.

Dabei ist der richtige kaum zu übersehen: Durch die Fenster von „Martin Bären“ an der Sonneberger Bahnhofstraße erblicken wir nämlich gleich den weltgrößten Teddybär, der im Stehen 5,60 Meter und im Sitzen 3,40 Meter misst. Der Vater der aktuellen Geschäftsführerin – Rainer Martin – hatte ihn produziert.

Jetzt leitet Sina Martin „Martin Bären“ – in fünfter Generation. 1924 wurde die Firma gegründet. Sina Martin führt uns durch den Laden, und eigentlich ist für uns bereits das Sweatshirt der 29-Jährigen mit der Aufschrift „Mama Bear“ ein Ereignis, aber längst nicht das einzige: Bären jeder Couleur und jeden Charakters gibt es hier zu finden, und jeder wird, wie in der guten, alten Zeit, in liebevoller Handarbeit und aus bestem Material gefertigt. Klar ist da beinahe jeder ein Unikat, und das ist Sina Martin auch wichtig: „Jeder Teddy hat eine eigene Persönlichkeit – wie bei uns Menschen auch“, sagt sie.

Wir besichtigen schließlich das Museum im ersten Stock und sehen, wie sich Teddys von früher bis heute entwickelt haben: Früher hatten die Bären eher ernste Gesichter, ihr Fell war naturfarben, sie hatten große Köpfe. Heute strahlen die Bären in jeder nur denkbaren Farbe, haben Sommersprossen, Hüte – und was auch immer sich die Teddymacher von „Martin Bären“ überlegen. Im Museum gibt es ein Weihnachtszimmer, eine Bärenmafia beim Kartenspielen, zu der man sich setzen kann – es gibt jedenfalls irre viel zu entdecken, sogar den kleinsten Teddy der Welt sehen wir durch eine Lupe! „Martin Bären“ hat seine Kunden überall in der Welt, begehrt sind die Sammlerstücke, die oft als Unikat und maximal in einer Stückzahl von 30 daherkommen.

Bevor wir uns von Sina Martin verabschieden, dürfen die Kinder eigene Teddys stopfen, was ihnen irre viel Spaß macht: Denn so einen selbstgestopften Teddy zu besitzen, das ist schon was Besonderes.

Deutsches Spielzeugmuseum: Gulliver und die Beasts

Foto: Thomas Wolf, © Deutsches Spielzeugmuseum

Danach geht es ins Deutsche Spielzeugmuseum mit Spielzeug von der Antike bis zur Moderne: Ein tönernes Räderpferd und eine ratternde Dampfmaschine treffen hier auf komplexe Kugelbahnen und etwa auf die von uns heißgeliebten kuriosen Kuschel-Beasts von sigikid. Herzstück aber sind zwei ältere Exponate. Wir bestaunen etwa den Riesen „Gulliver“ aus den Jahren 1843/44, der an Haaren und Beinen mit Schnüren gefesselt im Lande Lilliput liegt. Kleine Kerlchen, die übrigens aus Brotteig gefertigt sind, schießen Pfeile in die Kleidung des Riesen. Gulliver hatte auf der Weltausstellung 1851 in London großes Aufsehen erregt. Auf der Weltausstellung 1910 in Brüssel sorgte indes die „Thüringer Kirmes“ für Furore, eine Schaugruppe mit 67 lebensecht wirkenden Figuren.

Kirmes im Spielzeugmuseum

Foto: Thomas Wolf, © Deutsches Spielzeugmuseum

37 Sonneberger Firmen waren damals an der Realisierung des fast lebensgroßen wimmeligen Szene beteiligt, es ging darum, für Spielzeug aus Sonneberg zu werben. Auch wir können uns an diesem herrlich nostalgischen Volksfesttreiben mit großem Dampfkarussell, Schießbude und Fachwerkhäusern nicht sattsehen und wundern uns in keiner Weise, dass 1910 die Welt der Spielzeughändler aus dem Häuschen war.

Nach den Museumsbesuchen brauchen wir Entspannung, und die finden wir nur wenige Schritte von unserem Hotel entfernt, im Sonneberger Sonnebad. Wir gehen ohne große Erwartungen hin, wollen nur ein wenig Planschen – aber wow! Was für ein cooles Hallenbad! Große Klasse! Es gibt eine Riesenrutsche, einen Strömungskanal, einen Indoor-Kletterspielplatz, eine kleine Rutsche, viele Schwimmbecken, überall Schwimmnudeln, so dass wir keine Spiel-Accessoires mitzubringen brauchten. Und weil die Wege im Schwimmbad kurz sind, ist sogar ein Ausflug in die Sauna für mich drin. Ich darf einen Eis-Aufguss erleben, den heißesten Aufguss der Sauna. Cool war er, beziehungsweise: unterm Strich doch eher hot. Wisst Ihr aber, was das Allertollste war? Dass die Kinder im Sonneberger Schwimmbad mit dem Bobby Car die Riesenrutsche runterfahren dürfen. Voll toll! Schaut mal. Großes Kino!

Spielzeughotel: Die schönste Haltestelle des Franken-Thüringen-Express

Nach dem Abendessen geht es ins Hotel, und das ist das letzte, aber nicht minder tolle Highlight unseres ersten Tags in Sonneberg: Wir logieren nämlich im sogenannten Spielzeughotel, und staunen über unser tolles Themenzimmer, das einem nostalgischen Eisenbahnabteil nachempfunden ist. Unser Schlafwagen ist mit einem Boxspringbett ausgestattet, mit schicken anderen Möbeln – und wir fühlen uns ein bisschen wie im Orient-Express (nur ohne Mord. Oh Gott, wir lesen zu viele Krimis!). Die Wände in den Fluren vor unserem Zimmer sind ebenfalls im Eisenbahn-Look gestaltet – und statt an einer Rezeption scheinen wir an einem Bahnhof mit Bahnhofsuhr, mit Zugführer-Teddys und Getränke-Servicewagen zu stehen. Schaut Euch die Bilder an, sie sagen ohnehin alles.

Vom Lachs-Frühstück zum Aquarium

Auch das Frühstück am nächstem Morgen ist übrigens vom Feinsten, mit Lachs, Eiern – und was das Herz sonst noch begehrt. Wir sind also gut gestärkt für einen weiteren Tag in Sonneberg und besichtigen die Stadt mit Hilfe eines Audio-Guides, den die Tourismusinfo hier anbietet. So können wir in unserem eigenen Tempo von Ort zu Ort gehen, und die Führung ist tatsächlich toll und kindgerecht gestaltet. Leider macht uns der Sohn dennoch einen Strich durch die Rechnung, er will nicht mehr weiterlaufen, was wir Erwachsenen und die Schwester sehr schade finden. Es gibt aber genügend Alternativprogramm: Wir statten dem Meeresaquarium einen Besuch ab, dem Nautiland, das in ein zentral gelegenes Haus eingebaut ist. Wir haben zunächst das Gefühl, uns in einem Privathaus zu befinden – doch statt netten menschlichen Bewohnern sind in den Zimmern 100 verschiedene Arten tropischer Fische, Seepferdchen, 7 Hai-Arten, 22 verschiedene Reptilen inklusive Panzerechsen, tropische Insekten und exotische Säugetiere. Wir sind schwer begeistert von dieser Vielfalt, die in den vergleichsweise kleinen Räumen zu finden ist, und verbringen hier viel Zeit, um die faszinierenden Tiere zu beobachten. Weil uns das großen Spaß macht, legen wir noch tierisch etwas drauf und machen uns auf den Weg zum  Sonneberger Tiergarten. Schon allein der Weg dorthin zeigt uns, in welch landschaftlich reizvoller Gegend am Randes des Thüringer Waldes das Städtchen liegt. Viele Wanderungen starten am Parkplatz des Tierparks, in dem überwiegend heimische Tiere leben. Wir sehen Frettchen, Schneeeulen, Schweine, Pfauen – und staunen immer mehr, was das beschauliche Sonneberg alles zu bieten hat.

Schweren Herzens fahren wir wieder ins nicht mal eine Stunde entfernte Bamberg zurück. Starke Urlaubsgefühle hat uns der Thüringer Ort beschert – und daher kommen wir sicherlich bald zurück, der Franken-Thüringen-Express wird es möglich machen. 

Wart Ihr schon mal in Sonneberg?

Zu dieser Recherchereise waren wir von der Deutschen Spielzeugstraße eingeladen. Danke dafür!

2 Kommentare bei „Auf der Deutschen Spielzeugstraße zum größten Teddy der Welt: Ein Ausflug nach Sonneberg in Thüringen“

  1. Hallo,
    ich war dort noch nie. Hört sich aber toll an, vor allem für Kinder. Die Wasserrutsche ist ja ein Highlight. Das wäre was für meine Große und die Teddys was für die Kleine 🙂
    LG Nicole

  2. Bis vor kurzem habe ich überhaupt nicht gewusst, dass es die Spielzeugstraße überhaupt gibt. Und dass, obwohl man gleich um die Ecke wohnt. Aber da sieht man mal wieder, dass es vor der eigenen Haustür noch viel zu entdecken gibt.
    LG Anke

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