Mein Liebling der Woche. Nicht: Der Falschparker auf dem Eltern-Kind-Parkplatz

Gestern wieder. Wir waren auf dem Weg zum Schwimmbad. Bei den Eltern-Kind-Parkplätzen dachte ich: „Wie cool, einer ist frei“. Das sah so aus, ich fuhr zur vermeintlichen Lücke. Doch siehe da: Ganz frech hatte einer sein Motorrad dort geparkt. Mitten in der Lücke  – so, dass sich garantiert kein Auto dazustellen konnte, und schon gar keins, aus dem Kinder aussteigen wollen. Und das, obwohl es auch eigene Motorradstellplätze gibt direkt am Bad, die allesamt frei waren. Ich finde: Dieses Parkmanöver ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten. Ich fuhr mit den Kindern zu einem entlegeneren Parkplatz, und stapfte wütend mit ihnen und einem Kubikmeter Schwimmflügeln, Handtüchern und Schwimmnudeln zur Kasse. Dort ließ ich den Motorradfahrer ausrufen. Es hat geklappt, er musste antanzen und sein Gefährt wegfahren. Die Dame an der Kasse war auch sauer. Ich hoffe sogar, er kriegt Hausverbot.

Vor einigen Monaten hatte ich ein ähnlich „lustiges“ Erlebnis. Ich parkte mit beiden Kindern im Auto auf einem der wenigen Eltern-Kind-Parkplätze vor dem Supermarkt. Neben mir stieg ein Herr in den besten Jahren in seinen SUV, ebenfalls auf einem Eltern-Kind-Parkplatz. Klar, ein Geländewagen braucht auch entsprechend Platz. Ich schaute genauer hin, weil ich ja niemanden zu Unrecht verurteilen will. Aber: Im Auto lagen zwei Bierflaschen und ein Leberkäsbrötchen. Kein Kinderautositz, keine Lillifeehefte, vollgebröselte Polster oder andere Indizien, die ihn als Parkberechtigten legitimieren könnten. „Wissen Sie eigentlich, dass das ein Eltern-Kind-Parkplatz ist?“, fragte ich den Herrn, um Contenance bemüht. Er antwortete, leicht errötend, und deutete auf den Supermarkt: „Äh, die sind noch drin.“ Er meinte damit offenbar seine Frau und seine fünf Kinder, doch ich war mir sicher: Das war eine glatte Lüge, und fragte frech: „Wo drin? Im Kofferraum?“ Dann schlug der Herr seine Tür zu und fuhr eilig los. Seine Familie, die „noch drin“ war? Die war offenbar vergessen.

SUV-fahrende Männer namens Günther

Herrje. Es nervt jedenfalls, wenn allzu bequeme Motorrad- und Sonstwasfahrer die Eltern-Kind-Plätze blockieren, vor allem, wenn schätzungsweise 300 weitere freie Parkplätze zu haben sind, die halt aber entlegener liegen. Lieber Günther, falls du noch nie darüber nachgedacht hast: Es hat seinen Sinn, dass Eltern mit kleinen Kindern – ähnlich wie körperlich eingeschränkte Menschen – in der Nähe des Eingangsbereichs parken dürfen, auf extra breiten Parkplätzen. So wird uns das Ein- und Aussteigen erleichtert. Du willst auch nicht, dass wir in engen Parklücken Kratzer in deinen Autolack machen, weil es tatsächlich ziemlich mühselig ist, unsere Kinder auf schmalen Parkplätzen auf dem Kindersitz zu platzieren. Warum ich den Herrn Günther nenne? Ach, das ist lustig: Auf Facebook kursierte neulich ein Bild in diversen Elterngruppen, auf dem der Spruch „Nutzer von Mutter-Kind-Parkplätzen sind im Schnitt 48,2 Jahre alt, fahren einen BMW, haben eine Halbglatze und heißen Günther“ zu lesen war.

Ich bin dafür: Hausverbot für Falsch-Parker!

„Mein“ Günther von neulich vor dem Supermarkt wirkte wenigstens verschämt und reagierte mit einer Notlüge. Aber ich las in einer Facebookgruppe von einer Mutter, der ein Parkplatz-Klauer erwiderte, sie würde die „paar Schritte mehr“ doch gut verkraften. Diese Mutter trug eine Autoschale mit Baby und hatte ein zwei- und ein dreijähriges Kind dabei. Eine andere Mutter erzählte, sie habe einen Böse-Parker vor einem Elektronikhandel ausfindig gemacht und beim Ladeninhaber angeschwärzt. Der hatte daraufhin Hausverbot gegen den Übeltäter verhängt. Strafe muss sein. Das ist vielleicht auch die einzige Maßnahme, die den Günthers dieser Welt weh tut.

Jedenfalls sind Eltern-Kind-Parkplätze in Deutschland anders als Behindertenparkplätze verkehrsrechtlich nicht geregelt. Sie sind nur auf Privatgelände errichtet. Wenn der Betreiber als Hausherr aber einen eingerichtet hat, bittet er darum, die Plätze für junge Familien freizuhalten. Keiner kriegt ein Bußgeld oder eine Strafanzeige bei Missachtung dieser Bitte, doch der Hausherr muss die rücksichtslosen Menschen nicht auf dem Parkplatz dulden, falls er das mitkriegt.

Nix für ungut!

Hallo, Günther, falls du das hier liest: Ich für meinen Teil wünsche mir, dass ich dir mal den letzten Parkplatz irgendwo wegschnappe, wenn du es eilig hast. Man sieht sich schließlich immer zweimal im Leben!
Und falls ich dich mit einer unbegründeten Anschuldigung wirklich so erschreckt haben sollte, dass du sofort allein abgedüst bist und Frau und Kinder im Supermarkt am Stadtrand zurückgelassen hast, entschuldige ich mich hiermit aufrichtig. Nix für ungut, Günther!

 

11 Kommentare bei „Mein Liebling der Woche. Nicht: Der Falschparker auf dem Eltern-Kind-Parkplatz“

  1. Liebe Nadine,
    solche Falschparker finde ich auch sehr anstrengend. Mein Mann weist die Leute häufig darauf hin, wenn sie wieder die Familienplätze zuparken. Manche sehen die Ausschilderung nicht (die bei unserem Supermarkt wirklich zu verbessern wäre), anderen ist es einfach egal. Da will man ihnen eigentlich nur richtig viele schlechte Dinge an den Hals wünschen. Oder wenigstens ein schreiendes Baby und genervtes Kleinkind bei der Parkplatzsuche auf dem Rücksitz.
    Wobei mich der Gedanke wirklich erheitert, dass nun Günthers Familie mit den Einkäufen suchend auf dem Parkplatz stehen…
    Liebe Grüße,
    Franziska

    1. 🙂 Man wünscht der Familie ja nix Schlechtes :-D, aber Günther scheint nun echt verunsichert zu sein 😀

  2. Hallo ,ohja kommt mir sehr bekannt vor und das leider bei beiden Eltern- kind ind behinderten parkplatz. Ich bzw.der Laden Inhaber haben schon so manchen“Günter“ abschleppen lassen ( ist deren recht auch bei eltern kind Parkplätzen 😉) … Liebe Grüße Vanessa

    1. Das find ich ziemlich gut! <3

  3. Viel ärgerlicher als zugeparkte Eltern-Kind-Parkplätze (z.B. von Handwerkern mit Mini-LKW, dem Zwei-Sitzer-Cabrio älterer Herrschaften…), sind belegte Behindertenparkplätze. Menschen, die einen entsprechenden Ausweis haben, sind auch auf diese Parkplätze angewiesen. Leider gibt es auch Eltern, die mangels (freiem) Eltern-Kind-Parkplatz auf diesen Parkplätzen stehen. Und wenn man dann auch noch so „frech“ ist und darauf hinweist, dass dies spezielle Parkplätze sind, wird man blöd angemacht. Mein Mann (zweifacher Vater und Rollifahrer) erlebt solche Situationen fast täglich, egal ob auf dem Eltern-Kind-Parkplatz oder dem Behindertenparkplatz. Schade, dass viele erst an sich selbst denken und keine Rücksicht auf die Bedürfnisse anderer nehmen. Ich hoffe, dass unsere Kinder einmal mehr Respekt zeigen.

    1. Das ist natürlich genauso wenig in Ordnung.

  4. Ich weise die Leute auch immer darauf hin. Hat mir schon zwei Kratzer im Lack eingebracht. Aber egal. Finde das so ätzend. Hier bei unserem Supermarkt hab ich das auch schon dem Inhaber gesagt, der meinte aber nur, er könne da ja nichts machen. Feigling!

    1. Ja, Feigling. Ein Inhaber hat natürlich Hausrecht…

  5. Hach ja, die guten alten Falschparker… Bei mir sind es meistens Rentner. Zu einem hab ich letztens gesagt, wie toll ich es von der Reproduktionsmedizin finde, dass Kinder auch noch in dem Alter möglich seien und wie gerne ich das Baby mal sehen würde…. Leider gibt es kein Anrecht auf so einen Parkplatz, anders als bei Parkplätzen für Behinderte. Da bleibt oftmals nur Ruhe bewahren, ansprechen und auf die Problematik aufmerksam machen.

  6. Vor Ikea war es letztens eine alleinstehende Mini-Fahrerin… Sind also nicht immer nur Günther 😉
    Geht gar nicht sowas…

    1. Das stimmt. Und oft sind es auch Muttis, die „vergessen“, dass ihre Kinder heute ja gar nicht hinten sitzen…

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