„Hauptsache, nicht mehr allein zu Hause sitzen!“: „WOW MOM“-Autorin Lisa Harmann über die Freundschaften unter Müttern

Dass die Autorinnen Lisa Harmann und Katharina Nachtsheim Wow-Ladies sind, können wir tagtäglich auf ihrem wunderbaren BlogStadt, Land, Mamanachlesen. Das pralle Leben findet dort statt, mit seinen Höhen und Tiefen, mit Humor, Schmerz, mit erprobten Tipps und tollen Reportagen. Für alle, die von den beiden nicht genug – und vielleicht auch gerade ein Baby – kriegen, gibt es übrigens und tollerweise noch mehr Lesefutter: Lisa und Katharina haben das Buch „WOW MOM – der Mama-Mutmacher fürs erste Jahr mit Kind“ mit viel Trost, Witz, Know-how und ehrlichem Gefühl geschrieben, damit bei der Lektüre der Druck aus der Mutterschaft genommen und klar wird: Du bist die beste Mama für dein Kind!

Es ist ein wunderbares Buch, dass ich Euch genau wie den Blog wärmstens empfehlen kann, und wer immer noch nicht überzeugt ist, sollte wissen: Da ist Glitzer auf dem Cover! <3 (#Werbung: Kaufen könnt Ihr es beim Buchhändler um die Ecke oder auf Amazon.)

Ich freu mich sehr, dass ich Lisa über ein Thema interviewen durfte, das im Buch großen Raum erhielt – und das ich als Neu-Mutter selbst nicht so leicht fand: die Sache mit den Freundschaften. Denn irgendwie ist plötzlich alles anders damit, wenn ein Baby im Raum ist. Lest gern weiter:

Mama und die Matschhose: Lisa, nach der Lektüre Eures Buches bin ich überzeugt davon, dass sich frisch gebackene Mütter vor allem mit zwei Sachen ausstatten müssen: mit Eurem Buch und mit anderen Müttern, die ihnen guttun, also mit Frauen wie Euch. Weil es Euch leider nicht einfach um die Ecke gibt, müssen sich die Mütter allerdings andere coole Freundinnen suchen. Bloß, wie finden sie die? Ich …

Lisa Harmann: … also sorry, dass ich hier direkt mal einhaken muss, aber dadurch, dass wir nicht bei allen Mamas um die Ecke wohnen können, gibt es ja Bloggerinnen wie dich mit „Mama und die Matschhose“ und uns mit „Stadt Land Mama“, damit wir zumindest digital ein bisschen das sprichwörtliche afrikanische Dorf ersetzen können, dass es angeblich braucht, um ein Kind großzuziehen… aber kommen wir zu deinen Fragen… 😉

Mama und die Matschhose: … genau! Also, da kriegt man ein Kind und hat 24 Stunden am Tag jemanden um sich herum, den man heiß und innig liebt. Trotzdem fühlt sich die frisch gebackene Mutter oft einsam und allein gelassen. Was ist da schiefgelaufen?

Lisa Harmann: Da ist gar nichts schiefgelaufen. Es ist nur einfach so, dass wir durch die Geburt wie eine Rakete aus unserer gewohnten Welt hinausgeschossen werden. Ich dachte immer: Ha! Veränderung! Die Wohnung bleibt die gleiche, der Mann, das Auto … Aber das war ein Trugschluss. ALLES in deinem Leben wird plötzlich umgekrempelt. Dein Mann ist plötzlich Vater, deine Wohnung ein Stillkissen- und Spieleparadies, dein Auto wird vermutlich ein Kombi oder dein Fahrrad hat plötzlich ne Kiste vorne dran oder einen Anhänger hinten. Alles ist im Umbruch in deinem Leben, während da draußen alles so weiterläuft, als wäre nichts Weltbewegendes geschehen. Die KollegInnen gehen weiterarbeiten, die Freunde weiter feiern, aber du, du hast plötzlich Verantwortung. Mehr als je zuvor. Dazu aber weniger Geld, mehr Sorgen und keinen mehr, der dir Danke sagt oder ne Gehaltserhöhung für all die Überstunden, die du tags und nachts leistest. Das ist der Wahnsinn! Und das Ding ist ja heute: Wir kriegen nicht mehr alle im selben Alter Kinder und könnten uns austauschen. Ich war 23, als ich zum ersten Mal schwanger wurde. Meinst du, da hätte jemand mitgemacht? Ich musste mir erstmal andere Leute suchen, die Zeit für mich und mein Baby hatten. Ja, auch wenn ich dafür in albernen Kursen als Elefant durch Räume mit gläsernem Schaufester stampfen musste. Hauptsache, nicht mehr allein zu Hause sitzen!  (Der Laden mit dem Babykurs hieß auch noch Popelbühne. Kein Witz! Ich werde das nie vergessen!)

Stadtmama Katharina

Mama und die Matschhose: Warum will es als frisch gebackene Mutter oft nicht mehr so recht mit den bisherigen Freunden klappen?

Lisa Harmann: „Ruf an, wenn du Zeit hast“. Kennst du diesen Ausspruch? Hahaha, lach ich da als Mutter und denk mir: „Also nie“. Mit Baby wird unser Lebensrhythmus erstmal ein anderer. Wir lassen bei uns im Buch auch eine Freundin von Katharina zu Wort kommen, die nun auch selbst Kinder hat und sich bei ihr entschuldigt, dass sie als Kinderlose ab und zu um 21 Uhr anrief und fragte, ob sie SPONTAN mit rauskäme. Tja, als stillende Mutter ist das mit dem Rausgehen halt erstmal schwierig. Und dann sind die Themen ja plötzlich ganz andere. Wenn deine Mädels über die letzten Partyabende oder Betriebsausflüge sprechen, kannst du natürlich von durchwachten Nächten durch Blähungen erzählen, aber… ist dann halt langweilig 😉 Ganz so schlimm ist es in Wahrheit natürlich nicht. Die Patentante meines ersten Kindes ist bis heute kinderlos und wir sind nach wie vor richtig eng. Das hat damit zu tun, dass ich mich für ihr wildes Schauspielleben interessierte, für mich ist das fast wie eine Daily Soap. Und sie interessiert sich wiederum dafür, wie sich das Töchterchen macht und wie zum Teufel das funktionieren kann, mit ein und derselben Person so lang zusammen zu sein. Unsere Leben sind unterschiedlich, aber wir haben nie das Interesse aneinander verloren. That´s the key.

WOW MOM-Lisa: „Mehr Egoismus, bitte!“

Mama und die Matschhose: Wie finde ich neue?

Lisa Harmann: „Wenn du eine Mutter siehst, bei der du denkst, sie könnte so eine Freundin werden (eine auf Wellenlänge, die dich sein lässt, wie du bist, Anm. d. Red.), sprich sie unbedingt gleich an. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das manchmal peinlich werden und nach hinten losgehen kann. Aber es lohnt sich trotzdem. Denn hinter denen, die verstört auf deine Witze oder deine Ehrlichkeit reagieren, steht meistens eine Frau mit großem Herz und winkt. Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass du mindestens eine dieser Frauen triffst und mindestens einmal für andere genau diese Frau bist.“ Das schreibt Rike Drust, Autorin von „Muttergefühle.Gesamtausgabe“, in ihrem Gastbeitrag bei uns im Buch. Ich habe dem kaum etwas hinzuzufügen. Ich persönlich habe mich in lauter Babykursen angemeldet. Da sind Freundschaften entstanden, die zum Teil noch bis heute halten. Wer so viel zusammen durchmacht… ,-)

Landmama Lisa

Mama und die Matschhose: Als ich andere Mütter kennengelernt habe, war ich manchmal mehr als skeptisch, ob unsere Gemeinsamkeiten aus mehr Dingen bestehen als das gleichaltrige Kind und koffeinfreiem Cappuccino. Ist es okay, sich Gleichgesinnte nur für die Babyphase anzulachen und danach wieder getrennte Wege zu gehen?

Lisa Harmann: Aber selbstverständlich! Ich nenne sie LebensabschnittspartnerInnen. Das machen wir doch in allen anderen Lebensphasen auch so. In der Schule mit der Klasse, in der Uni mit den Kommilitonen, im Job mit den KollegInnen. Bis heute kommen bei mir immer wieder neue Freunde hinzu und schlafen einige andere Freundschaften wieder ein. Das macht doch das Leben auch spannend und bereichert uns! Manche bleiben für immer, andere tun uns einfach phasenweise gut. Ist doch toll!

Mama und die Matschhose: Ihr propagiert auch, dass wir Mütter auch über das Smartphone Kontakte halten und knüpfen können, gern auch während des Stillens – setzt Ihr da das richtige Signal?

Lisa Harmann: Ha! Du meinst den Gastbeitrag von Nora Imlau, in dem sie differenziert erklärt, wie gut es ihr getan hat, nach einem intensiven Tag mit dem Kind während des Stillens Kontakt zur Außenwelt aufzunehmen, sich auszutauschen, Fragen zu stellen oder anderen welche zu beantworten. Ein bisschen Me-Time für die Mama im turbulenten Alltag mit dem Baby. Du sprichst vom „richtigen“ Signal. Wir glauben aber: Es gibt kein richtig oder falsch im Leben mit Kind. Wir geben alle unser Bestes und sind dabei einfach gut genug. Und wenn es der Mama guttut, kurz Kontakt zu ihren Freunden aufzunehmen, wenn das Kind gerade beschäftigt ist: wunderbar. Unbedingt tun! Denn wir dürfen uns in dem Geben fürs Kind niemals selbst vergessen. Ich bemühe da immer gern das Bild der Stewardess, die uns im Flugzeug für den Fall eines Druckabfalls einnordet, uns erstmal um uns selbst zu kümmern – und erst dann um die Kinder. Mehr Egoismus also, bitte!

Mama und die Matschhose: Glaubt Ihr, die alten Freundschaften haben noch eine Chance, wenn sich der Kosmos von Müttern wieder vergrößert und sie anderes im Kopf haben als Pastinakenbrei, Bernsteinketten gegen das Zahnen und Still-Outfits?

Lisa Harmann: Selbstverständlich. Wir geben ja unser Gehirn nicht an der Kreißsaaltür ab! Wir existieren doch auch in der Mutterschaft noch als die Frauen, die wir vorher waren! Vielleicht ruhen einige Interessenten oder Ferundschaften aufgrund des akuten Zeit- und Schlafmangels eine Zeit lang – aber keine Sorge, die kommen wieder. Vielleicht sogar in einer bis dahin ungekannten Heftigkeit. Da kommt dann das große Nachholen! Da sollte sich jede Mama drauf freuen. Zurück zum Ich nach der intensiven Baby- und Kleinkindphase. Lasst euch überraschen, das wird eine spannende Phase. Vielleicht sollten wir dazu mal den Nachfolger von WOW MOM schreiben.

Mama und die Matschhose: Ich würde mich darüber freuen! Vielen lieben Dank für das Gespräch, Lisa, und viel Erfolg mit dem Buch!

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