„Meine Kinder dekorieren nicht wie Interiorblogger“: Autorin Nathalie Klüver über unperfekt perfekte Weihnachtszeit

Warum ihr euch Nathalie Klüvers Buch „Die Kunst, eine un(perfekte) Mutter zu sein“ nicht zu Weihnachten wünschen sollt? Weil ich es euch bereits für jetzt ans Herz lege, ihr solltet am besten sofort, zu Beginn der Adventszeit, darin schmökern: damit sie herrlich entspannt wird und nicht so stressig wie in den vergangenen Jahren. Nathalie Klüver, die Autorin und Bloggerin auf „Ganz normale Mama“ sowie Dreifachmama, versucht uns aufzuzeigen, wo und wir ein wenig die Luft rausnehmen könnten. Denn: Unperfekt lebt es sich besser, wie sie betont. Wie Weihnachten dennoch perfekt schön, aber nicht perfekt stressig wird – das verrät sie im Interview. Als Weihnachtsgeschenk? Könnt Ihr (Achtung, Werbung: Kauflink!) das wunderbare Buch immer noch Euren Freundinnen besorgen, Ihr lest es ja bereits jetzt, richtig?

Mama und die Matschhose: Nathalie, in deinem Buch beschreibst du, dass es sich mit weniger Perfektionsanspruch besser lebt, so als Mutter. Kann dein Rat, weniger perfekt sein zu wollen, auch Weihnachten klappen – dann, wenn jeder eine wunderschön dekorierte Wohnung, die besten Geschenke, das beste Festessen zaubern will? Ich glaube, ich wäre selbst enttäuscht, wenn es statt der Festtagsgans nur Würstchen mit Backofenpommes geben würde…

Nathalie Klüver: Es müssen ja nicht gleich Pommes sein (wobei die sicher bei deinen Kindern ein Lächeln aufs Gesicht zaubern würden … obwohl, meine Kinder haben Heiligabend eh keine Zeit zum Essen ). Aber man kann sich den Stress ja schon reduzieren, indem man eine vorbereitete Gans vom Schlachter kauft, die man nur noch in den Ofen schieben muss. Oder indem man die Gäste bittet, etwas mitzubringen. Der eine den Nachtisch, der andere die Gans, so dass am Ende nur noch die Knödel überbleiben. Bei der Dekoration muss man mit Kindern eh die eigenen Ansprüche herunterfahren. Meine Kinder lieben es zu dekorieren und zu basteln – aber nicht immer ist das Ergebnis so, wie es bei den Interiorbloggern oder in den Wohnzeitschriften aussieht… Unser Tannenbaum hatte leichte Schlagseite, weil die Deko sehr linkslastig hing. Zu guter Letzt schleppte mein Großer noch die Wickelunterlage des Babys an und platzierte sie im unteren Drittel und der Mittlere legte sein Spielzeugwohnmobil auf die Zweige. Unser Baum war auf jeden Fall ein Unikat! Dasselbe gilt fürs Plätzchenbacken oder Fensterdekorieren. Unsere Plätzchen bestehen aus zehn Zentimeter Streuseln. Na und? Meinen Kindern schmeckt’s. Und das ist das Wichtigste! Der Vorteil, wenn man sich frei macht von Perfektionismus und die Kinder machen lässt – man kann sich selbst zurücklehnen und die Kinder erledigen die Arbeit.


Gerade die Adventszeit empfinde ich als stressig. Mein Mann und ich geben uns die Klinke in die Hand, weil jeder auf einer anderen Weihnachtsfeier herumtanzt, die Kinder sind überreizt, weil viel zu viele Termine auch für sie anstehen und sie höchst ungeduldig auf Weihnachten warten. Wie kann ich hier ein bisschen Stress rausnehmen?

Nathalie Klüver: Weniger ist mehr. Muss jede Weihnachtsfeier sein? Gehe ich nur dahin, weil ich muss oder will ich da hin? Ist ersteres der Fall, dann hat man einfach keine Zeit und spart sich die Veranstaltung. Ohne schlechtes Gewissen. Ich bin ja eh kein großer Fan von zu vielen Terminen und gerade in der Weihnachtszeit reduziere ich Termine, wo ich kann. Also nur das Nötigste und das dann aber auch mit Genuss! Alles, was man an Terminen verschieben kann wie U-Untersuchungen oder auch berufliche Termine, verschiebe ich in den ruhigeren Januar. Man kann auch mit dem Turnen oder der Musikstunde mal ein oder zwei Mal pausieren, um Luft rauszunehmen. Außerdem finde ich es immer wichtig, dass man mindestens einen freien Nachmittag in der Woche hat, an dem die Kinder einfach spielen können oder Freunde treffen können. Das sollte man auch im Advent durchziehen. Und an den Wochenenden einen Tag, an dem die ganze Familie zusammen ist – ohne Verpflichtungen! Für mich ist Advent immer die gemütlichste Zeit im Jahr, in der wir viel zusammen backen, gemütlich aus Weihnachtsbüchern vorlesen und aus dem Alltag ganz viel Tempo rausnehmen. So liebe ich die Adventszeit. Ich muss aber auch gestehen: Außer zu der Adventsfeier im Kindergarten habe ich keine Weihnachtsfeier, zu der ich gehen muss.

Was mich auch stresst: Die Verwandtentouren. Unsere Verwandten leben alle mindestens 300 Kilometer weg, alle wollen uns an Weihnachten sehen. Ich will den Kindern keine Großeltern vorenthalten – und andererseits haben wir Erwachsene keine Lust, die Festtage im Auto zu verbringen. So richtig gesellschaftlich akzeptiert finde ich es nicht, „Nein“ zur Einladung der Verwandten zu sagen. Wie siehst du das?

Nathalie Klüver: Man könnte als Gegenzug den Verwandten vorschlagen, dass man die Besuche auf die gesamten Weihnachtsferien aufteilt und so etwas später kommt. Die meisten sind wahrscheinlich auch froh, wenn die Weihnachtsfeiertage etwas entzerrt werden! Wir verbringen die Weihnachtsfeiertage und diese schöne entspannte Zeit zwischen den Jahren komplett ohne Verwandtenbesuche, dafür dann bis Mittag im Schlafanzug – super gemütlich. Die Kinder haben so Zeit, alle ihre Geschenke auszuprobieren. Bis vor ein paar Jahren sind wir immer noch zu meiner Großmutter gefahren, bis ich merkte, dass es für sie auch anstrengend ist, an zwei Tagen alle ihre fünf Kinder und elf Enkel zu sehen. Sie hatte für keinen richtig Zeit und Muße – weil alles so geballt war, und war erleichtert, dass wir dann ein paar Wochen später kommen und dafür dann in Ruhe und ohne Stress.

Thema Geschenke. Da bleibt oft alles an mir als Mama hängen, ich bin einfach näher dran an den Kindern als der voll berufstätige Papa, und auch an den Nachbarn und an den gemeinsamen Freunden. Geschenke für alle zu besorgen, ist aber ein heftiges Unterfangen. Gibt es einen Tipp, wie ich das Einkaufen möglichst entspannt angehen kann?

Nathalie Klüver: Ich bin ein totaler Last Minute Typ, ganz furchtbar. Und ich gestehe: Ich bin absolut unkreativ bei Geschenken! Ganz schrecklich ideenlos. Bei den Kindern ist es noch einfach, die lasse ich rechtzeitig den Wunschzettel schreiben. Aber ansonsten bin ich nicht gut im Schenken. Im Einpacken noch viel weniger. Am besten sind gute Wunschzettel von den Kindern. Und im November schon damit anfangen. Nehme ich mir immer vor, klappt nie. Um meiner Ideenlosigkeit vorzubeugen, habe ich aber angefangen, auf dem Handy eine Liste zu führen, wenn mir im Laufe des Jahres Ideen kommen und dann weiß ich zumindest, was ich besorgen kann. Das erleichtert vieles! Und außerdem: Ich habe mich von dem Druck freigemacht, dass es unbedingt DAS tolle kreative Supergeschenk sein muss für Lehrerin, Erzieherin, Nachbarin und Co. Es geht doch viel mehr um eine Aufmerksamkeit, um ein „danke“ oder „ich hab an dich gedacht“. Und das geht doch auch mit einer Packung Marzipan oder einem schönen Buch! Und ohne diesen Druck „es muss das perfekte Geschenk sein“ fällt einem das Einkaufen gleich viel leichter.

Ein Kommentar bei „„Meine Kinder dekorieren nicht wie Interiorblogger“: Autorin Nathalie Klüver über unperfekt perfekte Weihnachtszeit“

  1. Da musst du mal unsere Plätzchen ansehen. Die wurden von Junior verziert und sehen sehr bunt und wüst aus. Aber es hat Spaß gemacht gemeinsam zu backen und sie schmecken himmlisch. Allein das reicht uns! Unperfekt sein heißt leben! Schließlich ist unser Zuhause ja kein Museum, sondern der Platz, wo wir leben.
    LG Anke

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