Petition: Warum Mama Dominique Franzen dafür kämpft, dass Kinder nicht zu früh eingeschult werden

Bayerische Eltern kämpfen derzeit wie die Löwen dafür, dass ihre Kinder nicht allzu zu früh zur Schule müssen. Mit einer an den bayerischen Landtag adressierten Petition sollen Kultusminister Bernd Sibler und Landtagspräsidentin Barbara Stamm (beide CSU) dazu bewegt werden, den Stichtag für die Einschulung zu verschieben. Konkret fordert Bankbetriebswirtin Dominique Franzen aus München, Initiatorin der Petition, den Stichtag vom 30. September auf den 30. Juni vorzuverlegen – auch im Interesse ihres eigenen Sohnes, der noch mit fünf Jahren in die Schule müsste. Eine vergleichbare Petition in Niedersachsen war erfolgreich. Ich habe mit Dominique Franzen gesprochen:

Warum engagierst du dich politisch für die deiner Meinung nach zu frühe Einschulung im Freistaat?

Dominique Franzen: Viele Studien, Psychologen und auch Pädagogen warnen vor einer frühen Einschulung. Jedes 7. Kind, das zu früh eingeschult wird muss bereits in der Grundschule eine Klasse wiederholen. Bei verfrüht eingeschulten Kindern wird viel häufiger ADHS diagnostiziert als bei später eingeschulten Kindern. Oft zeigt sich der Unterschied auch erst, wenn es um den Übertritt in die weiterführenden Schulen geht.
Ich finde eine Einschulung mit 5 Jahren oder knapp 6 Jahren einfach zu früh für die Kinder. Die Kinder sind vielleicht kognitiv schulfähig aber auf die sozial-emotionalen Fähigkeiten wird nicht geachtet. Ich habe selbst einen Sohn, der am 29. September geboren wurde und somit mit 5 in die Schule müsste. Mein Mann und ich sind selbst September-Kinder. Damals galt bundesweit der 30. Juni als Stichtag und wir sind mit 6 und knapp 7 Jahren in die Schule gekommen. Das Alter war in unseren Augen genau richtig. Ich habe im Freundeskreis Kinder, die mit knapp 6 Jahren eingeschult wurden und sehe, mit welchen Problemen die Kinder kämpfen – und das schon in der 1. Klasse. Die Kinder haben eine lange Schullaufbahn vor sich und die sollte mit Freude und nicht mit Überforderung starten. Ich finde nicht in Ordnung, dass ein Amtsarzt und die Schule, die mein Kind nur kurz gesehen haben, darüber entscheiden, ob es eingeschult werden soll und man als Eltern völlig entmündigt wird. Oft geht es auch gar nicht ums Kind, sondern darum, dass Klassen gefüllt werden müssen.

„Man sollte sich nicht alles von der Politik vorschreiben lassen“

Natürlich hätte ich es mir einfach machen können und einfach um die Rückstellung meines eigenen Kindes kämpfen können. Ich finde aber auch, man sollte sich nicht alles von der Politik vorschreiben lassen. Viele kritisieren diese Vorgaben, aber wenn keiner etwas macht, wird sich auch nie etwas ändern. Die Elterninitiative aus Niedersachsen, welche mich schon sehr unterstützt hat, war für mich Vorbild. Diese haben es auch geschafft, durch eine Petition den Stichtag vom 30. September auf den 30. Juni wieder zurück zu verlegen. Dies hoffe ich nun auch für Bayern zu erreichen.

Wenn du Erfolg hast mit der Petition: Glaubst du nicht, dass du Kindern, die etwa im Juli Geburtstag haben und fit für die Schule sind, die Chance nimmst, rechtzeitig durchzustarten?

Dominique Franzen: Ich möchte keinem Kind, welches fit genug für die Schule ist, diese Chance nehmen – auch gerade wenn die Eltern der Meinung sind, dass das Kind schulfähig ist. Ganz sicher gibt es Kinder, die in diesem Alter reif genug für die Schule sind. Oft ist jedoch eine frühere Einschulung einfacher genehmigen zu lassen als eine Rückstellung. Am besten wäre bei einer Änderung des Stichtages die Möglichkeit eines Einschulungskorridors. Hierbei könnten die Eltern der Kinder, die zwischen dem 1. Juli und 30. September geboren wurden, selber entscheiden, ob ihr Kind schulfähig ist oder ihm ein Jahr im Kindergarten noch gut tun würde.

In manchen Bundesländern ist der Stichtag für die verpflichtende Einschulung der 30. Juni, etwa in Hessen. Das heißt: Wer bis dahin sechs Jahre alt wird, kommt nach den Sommerferien in die Schule. In anderen Bundesländern, etwa in Berlin, müssen alle Kinder zur Schule gehen, die bis zum 31. Dezember des Jahres sechs werden. Hast du eine Erklärung dafür, warum die verschiedenen Bundesländer den Schulstart derart unterschiedlich handhaben?

Dominique Franzen: Das ist eine gute Frage. Früher war der Einschulungsstichtag bundesweit gleich. Es war der 30. Juni, bis der Stichtag zur Ländersache wurde. Ich bin eigentlich ein Verfechter solcher einheitlicher bundesweiten Regelungen, gerade was das Schulsystem betrifft. Ein Kind aus Hessen oder Sachsen ist doch nicht anders als ein Kind in Bayern oder Berlin?  Alle sollten die gleichen Chancen und Möglichkeiten haben.
Meines Wissens zufolge wollte die Politik den geburtenschwächeren Jahren und somit der Gefahr halb leerer Klassenzimmer entgegen wirken. Weiterhin möchte sie die Menschen früher in die Erwerbstätigkeit bringen. Ich denke, der Stichtag ist auch abhängig davon, welche Parteien damals in den einzelnen Bundesländern regiert haben und auch heute noch regieren. Die Parteien haben zu diesem Thema und auch gerade zu unserem ganzen Schulsystem die unterschiedlichsten Meinungen. Es gibt durchaus Parteien und Politiker, die mein Vorhaben sehr unterstützen und dies auch gern ändern würden.

Dein eigener Sohn hat am 29. September Geburtstag und wird, obwohl er laut Geburtstermin erst im Oktober geboren wäre, in Bayern bereits mit fünf Jahren eingeschult. Glaubst du nicht, dass die Erzieher und Lehrer kulant wären, wenn du erklären würdest, ihn erst ein Jahr später einschulen zu wollen?

Dominique Franzen: Hätte mein Sohn nicht früher geholt werden müssen, wäre dieses Thema gar nicht relevant für uns geworden und er wäre ganz normal ein Jahr später eingeschult worden. Mein Sohn ist recht weit. Oft wird er älter geschätzt aufgrund seiner Größe und seiner sprachlichen Fähigkeiten. Die Rückmeldungen, die ich bisher bekommen habe, gehen in die Richtung, dass alle sagen, dass es bei ihm schwer mit einer Rückstellung wird. Jedoch wird nur gesehen, was er bereits alles kann. Das heißt aber nicht, dass er schon sozial soweit ist oder dass er sich überhaupt schon so lange konzentrieren kann. Auch die vielen Rückmeldungen, die ich zur Petition erhalte, zeigen mir, wie schwer es ist, ein Kind zurückstellen zu lassen bzw. dass es oft auch unmöglich ist.

Danke für das Gespräch, Dominique. Wer sich für die Petition interessiert oder sie sogar unterstützen möchte: Das ist hier möglich. Sie läuft noch bis 6. Dezember.

Ein Kommentar bei „Petition: Warum Mama Dominique Franzen dafür kämpft, dass Kinder nicht zu früh eingeschult werden“

  1. Oh ja den Stichtag 31.09 finde ich auch nicht gut. Der sollte vorverlegt werden. Zumindest auf Ende Juli damit kein Kind mit noch 5 Jahren eingeschult werden muss.
    Meine Kleine ist ein Oktoberkind, wir haben keine Probleme, aber ihre Freundin ist im September geboren. 3 Wochen älter und sie soll ein Jahr eher in die Schule mit noch 5 Jahren. Sie sind immer die jüngsten in der Klasse und ich glaube auch, das man es irgendwann merkt. Ich werde mich auf alle Fälle eintragen.

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