Einladung zum Fest: „Ihr wisst aber, dass wir ohne Kinder feiern wollen?“

„Du, Ihr wisst, dass wir ohne Kinder feiern wollen?“
Meine Freundin Isabell (Name geändert) ist auf eine Hochzeit eingeladen, sie dachte, mit Mann und Kindern – obwohl zugegebenermaßen nur ihr Name auf dem Brief steht, und der ihres Ehemanns. Enge Freunde heiraten, die Braut ist hochschwanger. Isabell selbst hat zwei Kinder: ein Grundschulkind und ein 6 Monate altes Baby, das gerade wegen einer Operation im Krankenhaus war. Alles verlief gut – aber vorsichtig ist Isabell dennoch. Und frustriert, allerdings wegen der Hochzeit: „Wie, Ihr feiert ohne Kinder? Und was soll ich mit meinen beiden machen?“

Sie hat – wie wir – keine Großeltern oder andere Verwandte in der Stadt, die die Kinder gut kennen und auf sie aufpassen könnten. Für einen Babysitter findet sie den sechs Monate alten Maximilian zu klein. Und überhaupt – ist so eine Hochzeit kein Familienfest? Gerade, wenn Braut und Bräutigam selbst in wenigen Wochen ein Kind haben werden? Isabell versteht die Welt nicht mehr, und ihr bleibt nichts übrig als abzusagen. Sie ist enttäuscht, sie wäre gern dabei gewesen. „Wir können keine Ausnahme machen, denn wenn eure Kinder dabei sind, wollen die anderen Gäste die ihren auch mitbringen“, sagt die künftige Braut noch, und bittet um Verständnis.

Mein Mann und ich, wir haben auch schon die ein oder andere Einladungen bekommen, auf der „ohne Kinder“ stand. In der Regel mussten wir absagen: Früher, weil die Kinder uns ebenfalls zu klein für eine Betreuung durch einen Babysitter erschienen. Und heute, weil sich die Kinder zwar gern von der Babysitterin betreuen, aber nicht ins Bett bringen lassen. Sie sind hellwach, bis wir wieder daheim sind – auch wenn es spät geworden ist. Das heißt für uns: Richtig lange feiern können wir nicht ohne sie, und manchmal lohnt sich das alles nicht für uns. Schlimm finden wir das nicht: Die Kinder gehören nun mal zu uns, was bedeutet, dass reine Erwachsenenabende in dieser Lebensphase eine Rarität bleiben. Geärgert habe ich mich über solche Ohne-Kinder-Einladungen dann, wenn ich der Meinung war, dass Kinder nicht gestört hätten, etwa bei einem Abendessen oder einer Einweihungsparty.

Stehlen Kinder der Braut die Show?

„Ich will auf meiner Feier im Mittelpunkt stehen“, argumentiert indes die Braut, Isabells Freundin, und macht deutlich, dass sie sehr enttäuscht wäre, wenn Isabell nicht käme. Isabell antwortet, Kinder würden einer Braut doch nicht die Show stehlen – im Gegenteil. Wenn Kinder auf einer Hochzeit zu Gast sind, huldigen sie gemeinhin der Braut, sie werfen Blumen und verehren sie wie eine Prinzessin.

Natürlich steht außer Frage, dass die Gastgeber bestimmen, wen sie einladen und wen nicht. Aber von befreundeten Eltern, die sich – warum auch immer – nicht von ihren Kindern trennen können, kann niemand erwarten, dass sie einer solchen Einladung folgen, finde ich. Eine zufriedenstellende Lösung? Gibt es hier wohl nicht. Was bleibt, ist der kleine, fiese Wunsch, dass Braut und Bräutigam in Kürze auch vor dem Problem stehen, wenn sie auf eine Erwachsenen-Veranstaltung gehen wollen und das Baby ihnen einen Strich durch die Rechnung macht.

Wie steht Ihr zu „Einladungen ohne Eure Kinder“? Findet Ihr es okay, dass Erwachsene auch mal unter sich feiern wollen, oder nervt es Euch, weil Eure Kinder zu Euch dazugehören?

9 Kommentare bei „Einladung zum Fest: „Ihr wisst aber, dass wir ohne Kinder feiern wollen?““

  1. Huhu,
    Ich finde es in Ordnung, wenn die Gründe nachvollziehbar sind. Auf unserer Hochzeit waren Kinder eingeladen, schließlich gehören meine Cousins und Cousinen für mich zu meinem Leben dazu.
    Freunde heiraten nun ohne Kinder. Hintergrund ist, dass sie viele Kinder im Freundeskreis haben (etwa 25) und sie einfach keine bezahlbare Location finden, die beides erfüllt: genug Platz für Gäste mit Kindern und sie muss dem Brautpaar gefallen.
    Ich kann das total verstehen und bin dankbar, dass sie es mir schon zur „Save the date“-Phase gesagt hat. Wir haben also meine Mama als Babysitter und können dann in Ruhe im Oktober feiern. Nur meine Maus (dann fast 3) ist enttäuscht, dass sie nicht mit zur Hochzeit darf ^^
    Aber vielleicht ist die nächste dann ja wieder mit Kind.
    Viele Grüße
    Julia

    1. Liebe Julia, es ist natürlich in Ordnung – der Gastgeber entscheidet, wer eingeladen wird und wer nicht. Wenn dann aber gute Freunde fehlen, weil die Kinder nicht mitdürfen (und nicht anderweitig betreut werden können) – dann darf sich niemand beschweren. Liebe Grüße! Nadine

  2. Wir haben auch Hochzeit mit Kindern gefeiert: Verwandte waren einen wichtigen Bestandteil meines Lebens. Allerdings habe ich Verständnis für junge Leute, die sagen, sie selbst seien noch nicht in dieser Lebensphase und möchten mit Familien, Freunden und Kumpeln feiern, ohne dass die Eltern- meist eben die Mütter- immer mit Beaufsichtigung beschäftigt seien und eigentlich auch somit nicht 100% dabei seien. Es bestünde noch die Möglichkeit, eine Babysitterin für die Hochzeitgesellschaft zu engagieren, allerdings ist es auch keine Garantie, dass die Eltern entspannt feiern können. Das hat leider der Fall Maelys letztes Jahr in Frankreich gezeigt: Der Pädophil hat gewartet, dass die Babysitterin ihren Dienst beendet und hat sich Vertrauen bei einer Mädchen erschliechen. Es kann jede treffen, an der falsche Stelle in dem falschen Augenblick zu sein: Das Mädchen hat die Feierlaune ihrer Eltern mit dem Leben bezahlt. Kinder sind – seien wir mal ehrlich- in dem Fall eine Spaßbremse, weil man immer suchen muss, wo sie sich augenblicklich befinden, mit wem und was.
    Ich persönnlich konnte mich nicht von meinen 3 Kindern trennen, wir mussten Einladungen dankend ablehnen. Es ist wirklich anstrengend, standig hinter den Kindern her zu sein, um sicher zu sein, dass sie wohlauf sind, da die Aufsichtspflicht weiterhin besteht, auch wenn es sich um „Familienfeier“ händelt, Ich verzichte lieber auf diesen Stress.
    Jetzt sind die Kinder Heranwachsen und ich muss sagen, ich geniesse diese kinderlosen Einladungen: ich möchte mich nicht mit Kinderkram, Kinderlärm und sonstiges beschäftigen, davon hatte ich ja zu Hause genug;-)
    Es kommt noch die Zeit, wo Eltern feiern können und den Abend wirklich als Erwachsenen und nicht als Eltern geniessen können.

    1. Eine sehr sympathische und realistische Sicht der Dinge hast Du, finde ich. Es sind nun mal ein paar Jahre im Leben einer Familie, in der Eltern nicht unbeschwert feiern gehen können – weil sie entweder auf die anwesenden Kinder aufpassen müssen oder weil sie sich Gedanken um ihre Betreuung machen. Mir ist es lieber, ein Gastgeber stellt es mir frei, ob ich mit oder ohne Kinder kommen mag. Aber sie partout auszuklammern – das funktioniert halt nicht unbedingt.

  3. Ich stehe zwiegespalten zu dem Thema. Auf einer Hochzeit hätte ich meine Kinder auch gern dabei, aber wir hatten auch im Bekanntenkreis schon häufiger das Thema, dass es auch Abende ohne Kinder geben „darf“. Eine Hochzeit, die den ganzen Tag geht, da finde ich es schön, wenn Kinder dabei sind. Eine Abendveranstaltung sehe ich da aus einer anderen Sicht. Abends bei Geburtstagsfeiern etc. darf es ruhig auch mal nur die Erwachsenen geben.

  4. Wir sind auch demnächst wieder auf der Hochzeit einer Freundin von mir eingeladen. Natürlich mit Kind. Ich finde, Kinder gehören einfach zur Familie und wenn nur die halbe Familie eingeladen wird, ist das doch blöd. Das hat dann immer einen Beigeschmack von „nicht erwünscht“. Im Freundeskreis hatten wir allerdings auch einmal den Fall, dass Kinder bitte daheim bleiben sollten. Der Braut würde es nicht gefallen, wenn an der festlich gedeckten Tafel überall Kinderstühle das Bild stören würden. Sowas verstehe ich gar nicht. Sobald die Leute einmal alle sitzen, ist das Gesamtbild und die Deko doch eh zum größten Teil ge- bzw. zerstört. Albern. Wir waren auch mal zu einem 40. Geburtstag eingeladen. Auch da war die Einladung ausdrücklich ohne Kinder. Damals hatten wir allerdings noch keine Kind. Da gab es auch Murren im Vorfeld und ein paar Gäste waren beleidigt. Aber der Hammer war: Der Jubilar und seine Frau hatten die eigenen Kinder auf der Feier dabei. Ihr könnt euch vorstellen, was da für eine Stimmung war.
    LG Anke

  5. Also ehrlich gesagt hatten wir so eine Einladung noch nie und wenn wir auf eine Geburtstagsfeier oder ähnliches am Abend eingeladen sind, haben wir immer die Oma. Von daher habe ich mir darüber noch nie Gedanken gemacht. Es ist wirklich schwer hier zu urteilen, denn ich kann ehrlich gesagt beide verstehen, irgendwie. Allerdings ist eine Hochzeit für mich auch eher ein Familienfest, kommt aber darauf an, wie die Eheleute feiern. Ich persönlich könnte es noch eher verstehen, wenn sie gesagt hätten, die abendliche Party mit Tanz bitte ohne Kinder. Dann hätte deine Freundin zumindest die Hochzeit miterleben können und auf den Partyteil verzichten müssen. Das würde ich eine gute Alternative finden.
    LG Nicole

  6. Für mich wird hier deutlich, wie sehr Kinder zum eigenen Leben gehören. Auf Verständnis ist wohl eher von Eltern zu hoffen, als von Werdenden oder Kinderlosen. Vielen Eltern geht ja erst mit der Elternschaft ein gewisser Egoismus abhanden 😉 Eine Mutter hätte sich vielleicht nicht beschwert, das die Freundin bei ihren Kindern bleiben will. Unterschiedliche Realitäten…

  7. Ich bin Mutter von zwei erwachsenen Kindern und habe Verständnis dafür, wenn es mal Einladungen gibt, die ohne Kinder stattfinden sollen. Ausnahme: Die „ausgesperrten“ Kinder sind noch sehr klein oder haben eine Behinderung oder Erkrankung, weswegen man sie nicht einem Babysitter oder Verwandten überlassen möchte. Es geht ja nicht darum, dass das von Kindern getrennte Feiern der Normalzustand ist, sondern eine Ausnahme. Speziell in deinem Fall mit eurem operierten Baby finde ich es allerdings nicht in Ordnung, euch mit der „keine Kinder“-Bedingung in ein Dilemma zu bringen. Eine Vorgabe muss nicht zum unumstößlichen Dogma erhoben werden.

Schreibe einen Kommentar