Liebe geht durch den Saumagen: Familienwochenende im Dahner Felsenland (Pfalz)

Vorbei an Weinbergen führt die Autobahn durch viele Tunnel, bis wir eine zauberhafte Landschaft aus bewaldeten Bergen und bizarren Felsen erreichen. Einige dieser Felsen aus Buntsandstein sind sogar noch schöner als andere: und zwar die, auf denen eine Burg steht. Das Dahner Felsenland ist unser Ziel, in der Südpfalz an der Grenze zu Frankreich. Wir verbringen hier ein Wochenende und freuen uns darauf, sagenumwobene Burgen, die bizarren Felsformationen und noch ein paar weitere Attraktionen zu sehen. Die Pfalz, das lernen wir gleich, ist nicht nur ein tolles Urlaubsgebiet für Wanderer und Radler, sondern auch für unternehmungslustige Familien.

Burg Altdahn: Familienausflug on the rocks

Gleich nach unserer Ankunft wollen wir noch etwas erleben: Wir fahren bergauf zum Parkplatz der Burg Altdahn oberhalb von Dahn und gehen von dort zehn Minuten weiter hoch, bis wir an der weitläufigen Ruine stehen. Beeindruckend mächtig steht sie da! Wir dürfen hier ohne jegliche Führung herumlaufen, auf Türme klettern, Geheimgänge durch die Burg entdecken und auf die spektakuläre Landschaft hinabblicken. Wie riesig diese Anlage ist, wie viele Leute damals wohl da wohnten, als sie Anfang des 13. Jahrhunderts errichtet wurde! Während meine Tochter neugierig nach Eroberungen und Zerstörungen fragt, erlebt mein Sohn seine eigenen Abenteuer und jagt den zahllosen Eidechsen hinterher.


Familienabenteuer Rheinland-Pfalz

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Die Stationen, die wir auf unserer Reise erlebt haben, können übrigens auch im Zuge des „Familienabenteuer Rheinland-Pfalz“ durchlaufen werden! Wer sich dazu vor seiner Reise auf familienabenteuer.gastlandschaften.de registriert, kann sich mit der ganzen Familie auf eine interaktive Entdeckungsreise durch die Regionen in Rheinland-Pfalz begeben. An vielen geeigneten Stationen wie Burgen und anderen Sehenswürdigkeiten erwarten euch spannende Aufgaben und Rätsel. Alles was ihr dafür braucht, sind ein  Smartphone und natürlich jede Menge Ritter-Power!



Mein erstes Mal … Pfälzer Saumagen

Abendessenszeit! Ein paar Kilometer weiter gelangen wir zur idyllischen, mitten im Wald gelegenen PWV-Hütte „im Schneiderfeld“ bei Dahn, die mit einfachen Pfälzer Spezialitäten und einem tollen Spielplatz auf uns wartet. Hier erlebe ich eine Premiere … Ich bestelle mir eine Pfälzer Spezialität, von der ich schon oft gehört habe – und doch nicht genau wusste, was das eigentlich ist. Ich lasse mich also auf ein Blind Date mit Pfälzer Saumagen ein, das Lieblingsgericht unseres inzwischen verstorbenen Einheitskanzlers. Ehrlich gesagt hatte ich nun eher eine kulinarische Mutprobe erwartet, aber ich muss sagen: Es war lecker! Sogar schweinslecker! Mir blieb zwar nicht richtig viel davon, denn die Kinder mochten ihn sogar auch lieber als ihre Würstchen. Wir haben nun jedenfalls größtes Verständnis dafür, dass diese Mixtur aus Schweinefleisch, Brät und Kartoffeln die Leib- und Saumagenspeise von Helmut Kohl war.

Wetter- und eroberungssicher: Eisenerzgrube Nothweiler, Burg Berwartstein

Am nächsten Tag haben wir Pech mit dem Wetter. Es regnet, allerdings breiten sich die Bäume im Waldstück, durch das wir zur nächsten Sehenswürdigkeit, dem Erzstollen Nothweiler, gehen, einigermaßen schützend über uns aus. Der Stollen selbst ist ebenfalls nichts für Warmduscher: Nur 9 Grad misst es darin, konstant das ganze Jahr hindurch. Wir ziehen Helme über und folgen dem Führer durch den engen Gang ins Innere. Was wir jetzt so locker abspazieren, war harte Arbeit: Jeden Tag meißelten sich die Bergarbeiter mit Schlägel und Eisen nur zentimeterweise voran, es dauerte Jahrzehnte, bis der Weg ins Innere beschritten werden konnte, um dort schließlich an Erz zu gelangen. In 12-Stunden-Schichten mussten Jungs ab elf Jahren und Männer sechs Tage die Woche in den unwirtlichen Felsen hinein, um ihn weiter und weiter auszuhöhlen und Erz für die Herrscher zu besorgen. Eine ungesunde, harte Arbeit, in die wir auf 420 Metern Weg einen kleinen, aber eindrucksvollen Einblick gewinnen konnten. (Übrigens: Wir haben von unserer Unterkunft die sogenannte Pfalz Card bekommen, sie wird in rund 100 Hotels, Ferienwohnungen und Jugendherbergen kostenlos an alle Urlauber verteilt. Die Urlauber können dann alle Busse und Regionalbahnen in der gesamten Pfalz kostenlos nutzen – und sie als Eintrittskarte für rund 100 Freizeitangebote nutzen, etwa für den Erzstollen Nothweiler.)

Felsen, Foltern, Verteidigen: Burg Berwartstein

Genauso hart wie im Stollen ging es auf Burg Berwartstein zu: die Burg ist in einen Felsen geschlagen, sie besteht auch heute noch zu 80 Prozent aus dem Fels, der sie mal war. Alles andere wurde in unvorstellbar langer Zeit ausgebaut. Hier, im Inneren der Felsenburg, macht uns der Regen an diesem Tag auch nichts aus, sie ist wetterfest. Sogar eroberungssicher: Berwartstein wurde nie eingenommen. Das liegt auch am Eingang: Nur durch einen in Stein gehauenen, nur leicht schrägen Aufstiegskamin führte ein Weg hinein. Der konnte im Zweifel natürlich bestens verteidigt werden… Die schwierigste Herausforderung war der Bau des (wohl) 104 Meter tiefen Brunnens, der durch den Fels bis zum Grundwasser reicht und damit die Wasserversorgung sicherstellen konnte. Vermutlich haben Arbeiter 40 Jahre lang gebuddelt und gebohrt, bis der Brunnen fertig war. Damit das Leben damals noch anschaulicher wird, wurden ein paar Räume originalgetreu nachgebaut und eingerichtet: die Folterkammer, ein Schlafgemach, eine Küche. Wir sehen Ritterrüstungen und Waffen.

Fürstlich tafeln im Gasthof Zum Landgrafen

Abendessen läuft für uns fürstlich ab: Im Gasthof zum Landgrafen in Ludwigswinkel tafeln wir wie eine Adelsfamilie auf Urlaub und essen Steak, Zander und im Falle der Kinder: Spätzle.

Auf dem Holzweg zum Wipfel

Am nächsten Tag machen wir etwas, das ich schon immer mal ausprobieren wollte: Es geht zu einem Baumwipfelpfad. Doch während die Kinder und auch der Mann leichtfüßig den 270 Meter langen Weg immer höher hinaufschlängen bis zur Plattform auf 35 Metern Höhe und bei tollen Mitmach-Parcours balancieren und kraxeln und auf Wackelbrücken kichern, habe ich drei Erkenntnisse:

  1. Ich bin weniger Schwindelfrei als ich dachte.
  2. Auf Höhe der Baumwipfel in die Landschaft zu blicken, ist trotzdem beeindruckend schön.
  3. Runterrutschen – es gibt eine geniale Risenrutsche vom Wipfel zum Boden – ist für Leute mit Höhenangst spaßiger als runterzugehen.

Erholen von den schwindelerregenden Höhen kann ich mich im Biosphärenhaus. Hier lernen wir in spaßigen Mitmachstationen einiges über die Natur und die Lebewesen der Region – und essen schließlich im Bistro beste hausgemachte Kuchen.

Barfuß im Dahner Felsenland

Danach ein Höhepunkt für die Kinder: Wir gehen auf dem Barfußpfad in Ludwigswinkel. Der Weg führt nicht nur über Steine und Kiesel, nein, es geht hier etwa auch durch einen Sumpf und, damit die Füße wieder sauber werden, auch durch einen Bach. Die Kinder lieben es, und ich auch, weil es nicht meine Kinder sind, die ausrutschen und nass sind 😉.

Burg Trifels: Auf den Spuren von Richard Löwenherz

Wir erobern noch eine Burg, und während drei von uns viel Spaß dabei haben, hat einer so schlechte Laune wie vor ihm an selber Stelle wohl auch Richard Löwenherz, der hier gefangen gehalten wurde. Wir müssen nämlich 20 Minuten lang einen einigermaßen steilen Weg hinauf, nach einer kurvenreichen Anfahrt, bis wir bei der Felsenburg Trifels ankommen.

Der prominente englische König war nicht das einzige Bedeutsame, das hier festgesetzt wurde: Die deutschen Kaiser und Könige hatten im 12. und 13. Jahrhundert die Reichskleinodien auf der Burg aufbewahrt. Da ihr Besitz die Reichsherrschaft rechtmäßig machte, sagte man im Mittelalter: „Wer den Trifels hat, hat das Reich.“ Die Ursprünge der Burg reichen allerdings noch weiter zurück: Bei Ausgrabungen stießen Experten auf Überbleibsel einer hölzernen Burganlage aus dem 10. Jahrhundert. Uns beeindruckten nicht nur die Geschichten, sondern auch die Blicke tief hinab ins Tal, auf den Pfälzer Wald mit seiner irre schönen Landschaft.

Auch dafür haben sich die Höhenmeter gelohnt – und unser kleiner Prinz kriegt zur Wiedergutmachung anschließend ein Eis.

Hotel Felsentor, wir liegen dir zu Füßen!

Wir übernachten im Hotel Felsentor im Hauenstein, einem traditionellen Schuhmacher-Ort mit vielen entsprechenden Outlet-Stores, von dem aus wir alle unsere Ausflugsziele maximal innerhalb einer halben Stunde erreichen. Unser Familienzimmer ist grandios und auf 90 Quadratmetern über zwei Etagen verteilt! Natürlich aber wollen die Kinder im großen und bequemen Elternbett schlafen, während wir mit der Ausklapp-Couch vorlieb nehmen müssen…

Das beste am Zimmer hab ich aber noch nicht erwähnt, es ist der Blick vom Balkon auf den riesigen Garten des Hotels! Zum Haus gehört nämlich ein mit wunderbaren Pflanzen, einem Teich und vielen Sitzgelegenheiten und Schaukeln ausgestatteter Park, in dem auch Laufenten herumwuseln. Ein Paradies, von oben wie von mittendrin gesehen; die Kinder kriegen wir am Abreisetag jedenfalls nicht freiwillig raus. Egal, wir genehmigen uns beim Frühstück einfach noch einen Kaffee und teilen uns noch ein Brötchen mit besten Eiern von Hühnern aus der Gegend drauf. Wir dürfen sogar auf der Terrasse mit Blick auf Kinder und Enten essen, und das ist schlicht herrlich!

Ihr Lieben, wir hoffen, wir konnten Euch diese wundervolle und abwechslungsreiche Urlaubslandschaft schmackhaft machen – oder kanntet Ihr sie schon? Vielleicht kommt Ihr auch aus der Gegend? Ich bin gespannt auf Eure Berichte!

Die Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH hat uns bei dieser Recherchereise unterstützt, vielen Dank dafür!

Mehr Infos zur Gegend erhaltet Ihr hier: www.gastlandschaften.de; https://familienabenteuer.gastlandschaften.de

5 Kommentare bei „Liebe geht durch den Saumagen: Familienwochenende im Dahner Felsenland (Pfalz)“

  1. Sehr schöne Bilder und sicherlich ein schönes Wochenende. Das Wetter war ja zum Glück auch besser als angekündigt. Aber den Saumagen hätte ich nicht probiert. Mutig!
    LG Anke

    1. … ich hätte es auf dem Hinweg auch noch nicht für möglich gehalten :-). Aber ich würde es wieder tun! Liebe Grüße!

  2. Ich bin gerade über dein Blog gestolpert und muss sagen, dass ich mich in einigen Posts wieder erkenne (Vernachlässigung meiner Selbst) und dazu mag ich deine Art und Weise echt total sehr!

    Auch hier! Die Bilder *_* So schön! Scheint ein wirklich tolles Wochenende gewesen zu sein!

    So, jetzt werde ich weiter auf deinem Blog herumschmökern 🙂

    1. Das war es! Ich freu mich, dass Du da bist! Liebe Grüße!!

  3. […] Wenn ihr wissen möchtet wie ein original Pfälzischer Saumagen schmeckt, dann schaut auf dem Blog von Mama und die Matschhose vorbei. Auch sie war mit ihrer Familie in Rheinland-Pfalz auf Entdeckertour. […]

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