Elternkriege über Schulöffnungen und Tests: Worüber wir streiten – und wo wir an einem Strang ziehen sollten

Wir Eltern, da bin ich sicher, wollen schulmäßig nur das Eine für unsere Kinder: Dass sie in einer sicheren Umgebung ihre Freunde treffen und lernen können. Bloß, wie die „sichere Umgebung“ aussieht, darüber sind wir uns derzeit uneins. So uneins, dass wir uns aufs Schärfste in den sozialen Netzwerken beschimpfen, obwohl wir alle im selben Boot sitzen.

  • Eltern, die Schulöffnungen fordern, werden beschimpft, weil sie die Gefahr für Leib und Leben ihrer Kinder ignorieren.
  • Eltern, die für Schulschließungen plädieren, sind wohl Glucken, die keinen Beruf haben, ihre Kinder einsperren und ihnen sämtliche Sozialkontakte verwehren.

Seit es um die Testpflicht geht, ist der Ton nicht mehr in Wattestäbchen gepackt

Und seit die Testpflicht im Spiel wird, wird es noch grausiger mit dem Ton vor allem in den sozialen Netzwerken.

  • Unzumutbar sei es, dass die Kinder ein Wattestäbchen in die Nase kriegen. Unsäglich, sollte der Test auch noch positiv sein und das Kind dann isoliert werden. Was das mit den Kindern mache. Nein, so lange getestet wird, bleibe das entsprechende Kind daheim (- was ja eine gute Lösung für alle sein kann).
  • Unsäglich finden es die anderen Eltern, wenn ungetestete Kinder in diesen Zeiten in die Schule sollen. Denn gibt es einen besseren Schutz als ein Negativergebnis für jeden, der in der Klasse sitzt? (Ich fürchte, nein.)

Hier muss natürlich jede Familie entschieden, was sie für richtig hält, und zum Glück haben wir diese Entscheidungsfreiheit. Dass man ohne Test in die Schule geht, finde ich in diesen Tagen auch verkehrt, denn die Gefahr, die durch die Corona-Mutante ausgeht, ist zu hoch. Wer sich also gegen eine Testung für sein Kind ausspricht, muss mit den Folgen und der Daheim-Betreuung leben – meiner Meinung nach. Denn die getesteten Kinder wiederum haben auch ein Recht auf eine möglichst sichere Lernumgebung. Eine Alternative zur Testung, um diese Sicherheit an der Schule zu schaffen, gibt es wohl gerade eher nicht, wenn man Präsenzunterricht haben will.

 

Wir können – meiner Meinung nach – nur um bessere Konditionen kämpfen

Was ich verheerend finde: dass wir Eltern nicht mehr an einem Strang ziehen. Dass wir etwa fordern, dass schnellstmöglich bundesweit Spucktests für die kleineren Kinder eingeführt werden – denn „keine Tests“ sind offensichtlich keine Alternative! Dass wir fordern, dass kommuniziert wird, wie ein Kind aufgefangen wird, dessen Test positiv ausfällt. Dass es dafür glaubwürdige Krisenpläne gibt. Dass Eltern, die ihr Kind dann immer noch nicht in der Schule testen lassen wollen, regelmäßige Termine in offiziellen Teststellen bekommen. Wer sich dem total verweigert, muss die Konsequenzen tragen, denn es geht nicht, dass dadurch alle anderen büßen, die sich den Regeln, die die Pandemie erfordern, fügen. Dass das Prinzip Eigenverantwortung funktioniert – Eltern testen ihre Kinder allein daheim -, daran glaube ich leider nicht. Dafür gibt es zu viele Menschen, die die Coronaregeln komplett ignorieren, und viele davon sind auch Eltern.

Um bessere Konditionen – den Fortschritt bei der Versorgung mit Spucketests etwa – für unsere Kinder zu bekommen, ist es nötig, dass wir besser zusammen stehen, liebe Eltern. Dass wir uns hier und jetzt auf den Weg dorthin zerfleischen, ist wenig sachdienlich, und ein pauschales NEIN zu allen Maßnahmen, mit der Pandemie zu leben, hilft leider auch niemandem weiter.

4 Kommentare bei „Elternkriege über Schulöffnungen und Tests: Worüber wir streiten – und wo wir an einem Strang ziehen sollten“

  1. Liebe Nadine,

    danke für diesen konstruktiven Artikel zu diesem hoch-kontroversen Thema. Ich finde den Konflikt und das Streiten erstmal gut. Das zeigt, dass Veränderungsbedarf und Energie da ist. Blöd nur, wenn die Energie in Diskussionen in sozialen Medien und WA-Gruppen verpufft.

    Ich frage mich die ganze Zeit ob es nicht ein sowohl als auch geben kann. Sicherer Präsenzbetrieb und gleichzeitig Partizipation von zu Hause. In Unternehmen funktioniert das doch auch. Dort gibt es gemischte Teams mit Menschen in einem Büro und Menschen an einem anderen Ort (anderes Büro, Home-Office). Das geht sogar über Zeitzonen verteilt. Warum stecken wir die viele Energie nicht in das Testen solcher Hypothesen!?

    Gruss,
    Tobias

    1. Lieber Tobias, an unserer Schule sind tatsächlich immer fünf Kinder daheim, die dem Unterricht per Video folgen, damit der Rest in gutem Abstand vor Ort beschult werden kann. Das läuft meines Wissens nach sehr gut. Ich finde es auch extrem schade, dass nicht mehr an guten Konzepten gearbeitet wurde. Nicht an Draußen-Unterricht gedacht wird, an die leerstehenden Konferenzräume in den Hotels etc.etc. Dass sich dahingehend noch etwas bewegt, bezweifle ich, das Heil wird offenbar nur im Impfen und Testen gesehen. Liebe Grüße! Nadine

  2. Hallo, in München sind die Schulen diese Woche geöffnet, bei gleichem Coronaindex wie in Bamberg… ( Stand am Freitag 95)
    Das zeigt In der Politik herrscht nur noch Chaos!
    Viele Grüsse
    Bettina

    1. Hallo Bettina, das ist das Fatale. Dass jetzt nicht nur Flickenteppich zwischen den Ländern besteht, sondern dass auch jede Kommune entscheidet, wie die Bürgermeister lustig sind. Hallelujah… Liebe Grüße und viel Kraft, Nadine

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