Geht Ihr noch getrennt aufs Klo oder seid Ihr schon Eltern? Über den Verfall der Sitten, sobald ein Baby im Haus ist

Mein Mann und ich gehören nicht zu dem Typus Paar, der gemeinsam auf die Toilette geht. Wir waren in den ersten Jahren unserer Beziehung auch Solisten beim Zähneputzen, Duschen, Eincremen, Kämmen (- also, wobei nur ich mich kämmen muss. Der Göttergatte hat, äh, nur eher wenig Haare). Selbst beim Föhnen schauten wir uns nicht zu, wobei das bei ihm nur eine Sekunde dauert ( – sogar jenseits der Badezimmertüre höre ich, dass er den Fön nur ein- und gleich wieder abstellt.).

Dass der Liebste sich nass und nicht trocken rasiert, habe ich erst nach ungefähr zwei Jahren Beziehung herausgefunden, als ich versehentlich ins Bad gestürmt war. Weil er ordentlich erschrocken war über meinen unangemeldeten Bad-Besuch, hatte er sich sogar übel am Hals geschnitten.

Wer Aa macht, darf nicht Bäh sagen

Bestimmt ist es gut, dass wir nicht zusammen Aa machen. Die sexuelle Anziehungskraft von Paaren soll ja leiden, wenn sie selbst im Badezimmer zweisam sind. Wir bleiben also hoffentlich sexy für den anderen bei unserer gelebten Kultur der geschlossenen Badezimmertür. Allerdings, so wie mein Mann diese praktiziert, ist sie sogar gesundheitsgefährdend: Er zeigt nämlich nicht nur nicht, wie er aufs Klo geht, er spricht auch nicht darüber. Als er sich vor einiger Zeit einen durchschlagenden Magendarm-Virus eingefangen hatte, spielten wir erst ein lustiges Ratequiz, bis ich herausgefunden hatte, was ihm fehlte. Erst dann konnte ich ihn mit magenschonender Kost versorgen.

Am Telefon hatte er mir nämlich nur mit krächzender Stimme gesagt: ”Ich bin krank!” – und dachte tatsächlich, ich frage nicht weiter nach.

”Hast du Fieber?”, wollte ich allerdings wissen.

”Nein.”

”Husten?”

”Nein.”

”Magenbeschwerden?”

”Äh … ”

Und so weiter. Ich brauchte lange, bis ich erraten hatte, worunter er – wie ein echter Mann – litt. Ich war mir erst sicher mit der Diagnose, als er sagte: ”Über manche Sachen spricht man nicht!”, und: ”Ich muss jetzt mal … aufhören!”

Let’s talk about Stuhlgang

In der Tat, über Körperausscheidungen zu reden ist seine Sache nicht.

Das dachte ich jedenfalls, bis wir ein Baby bekommen haben. Bloß, mit einem eigenen Kind ändert sich offenbar nicht nur das gesamte Leben, sondern auch der gesamte Mensch. Das wurde mir bewusst, als wir mit unserer Tochter, als sie neugeboren war, bei einer Routineuntersuchung bei ihrer Kinderärztin waren.

”Alles in Ordnung”, sagte die Ärztin. ”Gratulation zu diesem fröhlichen Kind! Haben Sie noch Fragen?”

”Also”, sagte mein Mann. ”Ist es normal, dass, äh, der Stuhlgang aussieht wie körniger Senf?”

Ich glaubte, mich verhört zu haben. Hat er das wirklich gefragt?

Er hat, denn die Ärztin antwortete: ”Ja, das ist bei gestillten Kindern völlig normal!”

Und das war nicht alles. Der Göttergatte fragte weiter: ”Und müssen wir uns Sorgen machen, wenn das Baby weiße Flocken im Stuhl hat?”

”Nein, das sind unverdaute Eiweißbausteine aus der Muttermilch. Das ist harmlos und normal.”

Mein Mann – tabulos! Was sollte als nächstes kommen? Duschen, während ich nebenan in der Badewanne sitze? Ein doppeltes Waschbecken zum zeitgleichen Zähneputzen? Ein ”Schatz, kannst du mir mal beim Rasieren helfen?”?

Die Keywords: Schleim, Rotz, Popel und grüngelb

Am selben Abend erfuhr ich, was als nächstes kam. Mein dirty husband telefonierte mit seinem Freund Anton, der ebenfalls frisch gebackener Vater war. Ich bekam mit, dass sie darüber sprachen, wie sie Babys Schnupfennäschen am besten freikriegen sollten – und es fielen Worte wie ”Schleim”, ”Popel”, ”Rotz” und ”grüngelb”!

Ich staunte, doch das war längst nicht alles: ”Stell dir vor”, hörte ich dirty husband sagen, „es ist völlig normal, dass ins Baby blütenweiße Muttermilch rein-, und unten Kacka jeder Couleur rauskommt!”

Ich dachte nur: ”Heilige Scheiße!”, lauschte weiter, und kriegte mich gar nicht mehr ein, denn: Mein Ehemann referierte über die verschiedenen Konsistenzen von Kinderkacke. Wahnsinn. Ich wusste natürlich, dass Babys Verdauung das wichtigste Thema der Welt für frisch gebackene Mütter ist – aber für meinen Ehemann?

”Worüber habt ihr gesprochen?”, fragte ich scheinheilig, als er aufgelegt hatte.

”Ach, Männergespräche, nichts Besonderes”, sagte er. ”Aber stell dir vor, Anton will Felgen an den Kinderwagen machen! Und er fragt, ab welchem Alter Kleinkinder zum Fußball mitdürfen.”

Aha.

”Sonst nichts Neues?”, fragte ich.

”Doch, doch: Stell dir vor, er ekelt sich davor, Klein-Elias zu wickeln! Seinen eigenen Sohn!”

”Oh, warum?”

”Ja, verstehe ich auch nicht. Dabei riecht Kacka von vollgestillten Babys doch nach frischen Croissants! So lange sie nur Muttermilch kriegen, stinkt da ja nichts …”

Der Mann haut auf die Kacke

Mein Mann haute auf die Kacke – ich war platt. Doch er hörte gar nicht mehr auf damit: ”Elias hatte neulich übrigens bundeswehrgrüne Kacka in der Windel. Die hatten einen riesigen Schreck gekriegt! Bundeswehrgrün! War aber auch normal, hat der Kinderarzt gesagt.”

Als ich nichts erwiderte, redete mein Mann einfach weiter. Es wäre gemein, jetzt zu sagen: Er sprach wie Durchfall. Ich meinte ja auch: wie ein Wasserfall …

”Susanne ist ganz machtlos, weil sie nicht weiß, wie sie die gelbgrünbraunen Kackaflecken aus den Babybodys rauskriegen soll”, redete er jedenfalls. ”Bei uns klappt das ja gut, das Geheimnis lautet doch nur: Waschen bei 60 Grad, gell?”

Ich konnte gar nicht mehr richtig zuhören. Wir wollten eigentlich gleich essen. Ich ging kurz ins Bad, Händewaschen. Das war mir gerade ein großes Bedürfnis.

”Und weißt du was?” fragte der Mann noch.

”Später”, sagte ich.

Er redete wie befreit, entfesselt! Das war doch schön, eigentlich.

Ich machte dennoch die Badezimmertür zu und drehe auch den Schlüssel herum. Sicher war sicher.

Mehr Kolumnen darüber, wie es ist, ein frisch gebackenes Elternpaar zu sein, könnt Ihr in meinem Buch „Babyverrückt“ lesen. Es kostet 8,99 Euro und ist zum Beispiel bei Amazon zu haben.

2 Kommentare bei „Geht Ihr noch getrennt aufs Klo oder seid Ihr schon Eltern? Über den Verfall der Sitten, sobald ein Baby im Haus ist“

  1. 😂 So toll geschrieben und so wahr… Wie die Dinge sich wandeln im Elternsein😁

    1. Liebe Nina, vielen lieben Dank für das Feedback, darüber freue ich mich sehr! <3 Nadine

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