Sie werden so schnell groß – und ich muss auch wieder mein eigenes Ding machen …

Es wurde erstmals offensichtlich, als meine Tochter mit süßen dreieinhalb Jahren wollte, dass ich gleich wieder gehe, als ich sie zum Nachbarskind zum Spielen gebracht habe – und bloß nicht zum Kaffee bei der anderen Mutter bleibe. Ich fürchte nun, dass es vermutlich nie wieder aufhört: Meine Tochter wird groß und selbstständig und brennt darauf, ihr eigenes Ding zu machen. Genau wie der kleine Bruder: Er war jetzt – mit fünf – zum ersten Mal ganz ohne uns zu einer Übernachtungs-Pyjamaparty eingeladen, bei seinem besten Kindergartenfreund. „Ich gehe allein“, jubelt er, während seine Schwester ein bisschen schmollt, dass sie nicht dabei ist, und ich auch, wenn ich ehrlich bin. Dabei ist es natürlich gut – und eins meiner wichtigsten Erziehungsziele: dass die Kinder selbstständig sind. Aber uuuups, geht das schnell!

Alleine im Kino

Neulich war die Tochter sogar ohne uns im Kino: Sie war zu einem Geburtstag eingeladen, der dort gefeiert wurde. Zu einem Film mit echten Schauspielern und ohne Zeichentrick („Hilfe, unser Lehrer ist ein Frosch!“). Außerdem springt sie, die Erstklässlerin, seit diesem Sommer vom Drei-Meter-Brett des Schwimmbads – irgendwie einfach so. Wenn ich ihr Geld gebe, kann sie ins Geschäft gehen und Kuchen kaufen. Und dass sie die Gummibärchen, die sie beim Bezahlen bekommt, annimmt, obwohl sie keine mag, dann aber sagt: „Ich hab sie für meinen Bruder mitgebracht“ – das finde ich ganz schön erwachsen.

Geliebter Babysitter

Uns Eltern gestehen die Kinder übrigens auch zu, dass wir ohne sie ausgehen. Wenn es nach ihnen ginge, dürften wir das sogar öfter tun – sie sind nämlich große Fans der Babysitterin. Weil es jedes Mal Tränen gibt, wenn sie wieder geht, und klar ist, dass wir Eltern erst wieder in ein paar Wochen ausgehen werden, wünscht sich meine Tochter jetzt zum Geburtstag Babysitterstunden. Ups, das sitzt – aber eigentlich ein ziemlich cooles Geschenk, oder? Früher gab es immer eher einen Babysitter an meinem Geburtstag, damit Harry mich in ein schickes Restaurant mit engen Tischen und edlen Menüs ausführen konnte.
Und dann sind sie wieder klein, unsere Kinder, und schlüpfen nachts zu uns ins Bett, weil sie ein Knacksen gehört haben. Oder wir müssen helfen, die Schnürsenkel zu binden, weil der Sohn zwar darauf bestanden hat, coole Sneaker mit Schnürsenkeln zu haben – aber doch nicht so gut Knoten und Schleifen binden kann, wie er dachte.

Kinderlose Zeit

Dennoch: Es ist an der Zeit, dass auch ich wieder selbstständiger werde. Dass ich endlich wieder mein eigenes Ding verfolge. Allein auf Partys gehe, mit Harry zum Essen, mit Kollegen zu Fortbildungen. Die Kinder? Die freuen sich, wenn dann die Babysitterin kommt. Und ich? Ich auch. Jedenfalls arbeite ich daran.

Ein Kommentar bei „Sie werden so schnell groß – und ich muss auch wieder mein eigenes Ding machen …“

  1. The last step ist dann: Sie mietet sich eine kleine Wohnung und zieht aus. Selbstverständlich kramt sie vorher all das zusammen, was sie aus der elterlichen Wohnung gerne mitnehmen möchte. 🙂

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