Unser Schulweg: Warum ich als Elterntaxi unterwegs bin und wie ich versuche, dennoch ein guter Verkehrsteilnehmer zu sein

Werbung – Ich hatte so viel davon gehört, jetzt kann ich selbst ein Lied davon singen: Vom  Verkehrschaos morgens um kurz vor acht vor Deutschlands Schulen, von den verunsicherten ABC-Schützen und ihren neongelben Mützen, von viel zu waghalsigen Viertklässlern auf wackligen Rollern und von ihren Lehrerinnen auf bunt lackierten Fahrrädern sowie von Elterntaxis, die versuchen, rückwärts gegen den Strom auszuparken. Ich bin Teil des Ganzen, weil ich – jetzt oute ich mich – meine Tochter ebenfalls jeden Morgen in die Nähe der Schule fahre aus Gründen, die ich gleich verraten werde. Ich versuche dennoch, meiner Verantwortung meinen Kindern, den anderen Kindern und den anderen Verkehrsteilnehmern gegenüber gerecht zu werden und das Chaos nicht zu vergrößern. Ob das klappt?

Dass ich ein Mamataxi bin, liegt daran, dass meine 6-jährige Tochter über einen Kilometer Schulweg auf sich nehmen müsste, eine dicht befahrene Straße entlang, an der auch immer wieder etwas passiert. Mir ist das nicht geheuer. Dazu kommt, dass der Kindergarten ihres Bruders gleich gegenüber der Schule liegt und ich den Bruder sowieso auch dorthin bringen würde, denn für ihn ist die morgendliche Strecke definitiv zu weit. Sprich: Ich bringe morgens zwei Kinder in einem Aufwasch weg und habe die Sorge mit der dicht befahrenen Straße weniger (- trage aber zur dichten Befahrung bei).

Was mir klar ist: Dass ich mich zur Stoßzeit nochmal mehr konzentrieren muss beim Fahren als früher, als ich beide Kinder gemütlich gegen 8.45 Uhr zum Kindergarten gebracht hatte. Um diese Uhrzeit sind sämtliche Schulkinder nämlich längst in ihren Klassenzimmern verräumt, und es sind nur mehr vereinzelt Kindergartenkinder an den Händen ihrer Eltern unterwegs. Um kurz vor acht huschen 6-jährige Kinder alleine auf der Straße herum; größenmäßig ragen sie kaum über den Kofferraum hinaus. Blitzschnell könnten sie übersehen werden. Was ich ebenfalls bedenken muss: Durch ihre kurze Schrittlänge benötigen sie mehr Zeit, um eine Straße zu überqueren oder um hinterm Auto vorbeizugehen, als Erwachsene. Sie reagieren zudem 2,5 bis 3 mal langsamer als Erwachsene, wie der ADAC berichtet. Ich muss also zehn Mal mehr schauen, bevor ich in der Nähe der Schule rangiere. Um gar nicht erst in diese andere gefährdende Situation zu kommen, versuche ich, der Schule nicht allzu nahe zu kommen: Bis ins Klassenzimmer brauche ich die Tochter nämlich nicht hineinzufahren.

Ein paar Ecken entfernt zu parken, entspannt die Situation

Das heißt für mich: Ich parke ein Stück von der Schule entfernt – da, wo noch wenig vom Schul-Park-Irrsinn zu spüren ist, wir entspannt einen sicheren Parkplatz bekommen und eher keine anderen Kinder hinter dem Auto herumwuseln. Es ist wesentlich entspannter für uns alle, die Parklücke ein paar Ecken weiter anzusteuern als die näher dran – und die 200 Meter bis zu Schule und Kindergarten zu gehen, das schadet uns tatsächlich nicht.

Ich habe gelesen, dass in manch anderen Städten Elternhaltestellen in gesunder Entfernung zur Schule eingerichtet werden, die dazu beitragen, dass Eltern das machen, was wir hier praktizieren: Parken jenseits des Schul-Chaos. Wichtig ist mir dabei, dass wir nicht in letzter Minute ankommen, sondern immer etwas zeitlichen Puffer einplanen: Dann gerate ich nicht in Stress, wenn in der anvisierten Parkbucht nichts frei ist, sondern kann gemütlich noch ein paar Meter weiter fahren.

Elterntaxi: Hände weg vom Handy

Was noch selbstverständlich ist: Ich schaue nicht aufs Smartphone, wenn ich im Auto sitze. Das ist eh klar, ein Handy hat am Steuer nichts verloren – doch auf dem Schulweg nehme ich es nicht einmal mit, ich will nicht durch ein Piepsen beim Einparken abgelenkt sein. Wenn Ihr auf die Seite des Versicherers  CosmosDirekt klickt, lest Ihr noch mehr zum Thema „Handy am Steuer“: Hier wird etwa beschrieben, was unter das Handy-Verbot am Steuer fällt, etwa auch die Nutzung des Handys als Musikabspielgerät oder als Diktiergerät – jedenfalls, wenn der Autofahrer hierfür auch mal seine Hände braucht. Auch das Wegdrücken eines Anrufs ist untersagt – dafür bräuchte der Autofahrer nämlich ebenfalls seine Finger. Als Tipp empfiehlt CosmosDirekt, das Handy in einer Halterung zu befestigen, dann darf das Display unter gewissen Voraussetzungen betätigt werden – aber lest selbst.

Wenn ich auf meinem Weg zur Parkbucht an anderen Kindern vorbeifahre, fahre ich nach Möglichkeit im Schritttempo. Ein schlingernder Roller auf dem Gehweg, ein Rempler durch einen Freund – wenn ein Kind auf die Straße stolpert, will ich reagieren können.

Ich weiß, ich muss trotz meines Nebenjobs als Mamataxi dafür sorgen, dass meine Tochter lernt, sich im Straßenverkehr zurechtzufinden, und werde mit ihr verschiedene Situationen üben. Ich denke, ich werde sie alleine losschicken, wenn ich ihr zutraue, den Weg mit dem Roller zurückzulegen. Wann das ist, ob in ein paar Monaten oder in ein, zwei Jahren – das weiß ich noch nicht, das liegt auch daran, wie sie sich im Verkehr bewegt. Ihr Schulweg könnte gut mit dem Fahrrad zurückgelegt werden, allerdings rät der ADAC bei ABC-Schützen davon ab: Zur Schule zu radeln, das eigne sich erst für Schüler, die die schulische Fahrradprüfung erfolgreich abgeschlossen haben, in der Regel in der 3. oder 4. Klasse. Bis es so weit ist, werde ich meine Tochter tatsächlich oft mit dem Auto kutschieren, in aller Vorsicht.

Übrigens: Es ist ein Gerücht, das auch an unserer Schule verbreitet ist, dass der Schulweg nicht unfallversichert ist, wenn Erstklässler mit dem Fahrrad unterwegs sind. Richtig ist: Solange der direkte Weg genommen wird, ist der Schulweg grundsätzlich gesetzlich versichert, egal wie er zurückgelegt wird: zu Fuß, auf dem Rad, mit dem Roller, sogar auf dem Skateboard oder im Handstand – und natürlich auch im Elterntaxi.

Ein Kommentar bei „Unser Schulweg: Warum ich als Elterntaxi unterwegs bin und wie ich versuche, dennoch ein guter Verkehrsteilnehmer zu sein“

  1. Hallo Nadine,
    hier ist auch ein Elterntaxi. Ich muss auch zur Schule fahren, weil es zu weit und zu gefährlich wäre, sie gehen zu lassen. Sie steigt aber auch nicht direkt vor der Schule aus, sondern läuft ein kleines Stück.
    LG Nicole

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