Tanz auf dem Vulkan Timanfaya: Die Hotspots von Lanzarote

„Ist das Lanzarote?“, fragt mein 3-jähriger Sohn, als wir aus dem Bus steigen, der uns vom Flughafengebäude in Nürnberg zum Flugzeug chauffiert hatte. Doch – leider nein. Fast fünf Flugstunden liegen noch vor uns, bis wir Christbäume gegen mit Lichterketten umwickelte Palmen und vom Schnee gepuderte Landschaft in die vulkanische Formationen des Timanfaya Nationalparks tauschen können. Bis der Wind um uns herum nicht mehr unsere Nasenspitzen klamm pustet, sondern uns beim Windsurfen über den Atlantik treibt. Bis wir die Pflichten des Haushalts vergessen, um uns im herrlichen Club La Santa nach Strich und Faden verwöhnen zu lassen.
Gleich nach der Ankunft auf der Vulkaninsel merken wir: Es ist eine hervorragende Idee, unter der wärmenden Sonne der Kanaren den Winter zu verkürzen.

Wie es im Sporthotel Club La Santa ist, habe ich schon in einem anderen Beitrag beschrieben. Ein großes Plus des Viersternehauses hatte ich aber ausgelassen: Es ist auch ein hervorragender Ausgangspunkt, um die Insel zu erkunden. Fast täglich bietet das Hotel organisierte Ausflüge zu verschiedenen Hotspots der Insel an; und manche davon sind auch buchstäblich Hot-Spots. Dazu gleich mehr. Wir machen uns jedoch lieber auf eigene Faust auf den Weg. Weil wir uns im Urlaub gerne unabhängig von anderen Menschen bewegen, leihen wir für günstige 38 Euro (inklusive Kindersitzen) ein Auto.

Buchstäblich ein Hotspot: der vulkanische Nationalpark Timanfaya

Ein guter Plan: Fahren ist auf der Vulkaninsel einfach, wir finden uns gut zurecht und kommen nach rund 20 Kilometern bei unserem ersten Ziel an: dem Nationalpark Timanfaya, der mitten auf dem mit 167 Quadratkilometern Fläche weltgrößtem Lavafeld liegt. Von 1730 bis 1736 wüteten zahlreiche Vulkane auf der Insel, versetzten die Menschen in Angst und Schrecken und ließen sie nach Gran Canaria fliehen. Vom Infozentrum des Parks aus fahren regelmäßig Busse durch die bizarre Lava-Landschaft, selbst darf hier niemand fahren.

Die Fahrt ist faszinierend, wir fahren über dunkle Lavameere und passieren Vulkane, der höchste von ihnen ist mehr als 500 Meter hoch. Die Bewohner der Insel nennen sie „Feuerberge“. Die Farben der Landschaft, die wir eher auf fernen Planeten vermuten würden, reichen von Rot über Braun hin zu Schwarz. Wir sind schwer beeindruckt und bilden uns ein, die Naturgewalt, die hier tobte, nachzufühlen.

Magma kocht auch heute noch dicht unter der Erde. Direkt unter der Erdoberfläche ist es noch rund 150 Grad heiß, sechs Meter weiter unten messen Experten 400 Grad. Ein Angestellter des Nationalparks setzt die Hitze spektakulär in Szene: Er platziert trockene Zweige in einer Erdspalte – kurz darauf gehen sie in Feuer auf. Dann schüttet der Herr Wasser in eine in den Boden eingelassene Röhre, aus der es sogleich zu dampfen beginnt und aus der das Wasser schließlich in Form einer meterhohen Dampffontäne wie ein Geysir herausspritzt.

Timanfaya: Hähnchen vom Vulkangrill

Shop und Restaurant El Diablo befinden sich in unmittelbarer Nähe dieser „Shows“, in einem gläsernen Rundbau, der auf einer natürlichen Anhöhe mitten im Lavameer thront. Auch hier zeigt die Natur, was sie drauf hat: In einem kleinen Raum neben dem Restaurant ist ein sogenannter Vulkangrill in Form eines Brunnens. Heiße Luft aus dem Inneren der Erde strömt daraus hoch. Die Hitze ist so stark, dass Hähnchenschenkel darauf gegrillt werden. Grillkohle braucht hier niemand, um das Abendessen durchgekocht zu kriegen. Der Wirt des Restaurants sagt, die Gartemperatur sei perfekt.

Wir staunen und genießen es, uns nah am Grill aufzuwärmen. Im Shop kaufen wir eine Kette aus Lava. Ich hoffe, durch dieses wunderschöne Souvenir erinnern wir uns noch lange daran, wie fasziniert wir sind.

Wir fahren weiter durch die Landschaft und sehen den Krater des Vulkans, der damals, 1730, als erster von allen gespuckt hat. Ohne Kinder wären wir gerne näher hingewandert, mit Kindern aber fahren wir zu unserem nächsten Ziel: dem Wohnhaus des leider verstorbenen Architekten César Manrique in Tahiche, das jetzt zur Fundación César Manrique wurde – mitten in der Lavawüste. Dass Mensch und Natur im Einklang leben können – das war die Überzeugung des Künstlers, und aus dieser heraus schaffte er tolle Bauwerke auf der Insel.

César Manrique: Ein Haus in der Lava

Das Wohnhaus ist teilweise unterirdisch in Lavablasen errichtet. Als Kontrast zum schwarzen Vulkangestein hat er im Haus viel reinweißen Kalk verwendet.

Durch die Fenster blicken wir einmal mehr auf bizarre Steinformationen. Ein Blickfang ist der hellblaue Pool. Sehr faszinierend, wobei ich selber ungern in diesem schwarzweißen Haus leben würde.

Interessant: Timm Thaler wurde auf Lanzarote gedreht

Als letztes fahren wir an diesem Tag hoch in den Norden, zum ebenfalls von Manrique geschaffenen  Mirador del Rio, einem spektakulären Aussichtspunkt in 475 Metern Höhe. Durch zwei große Glasfenster, die von außen wie Späher-Augen aussehen, haben wir einen atemberaubenden Blick auf die Insel La Graciosa und dahinterliegende Inseln.

Mirador del Rio war zur Zeit seiner Entstehung Mitte der siebziger Jahre eines der futuristischsten Bauwerke der Welt, in der Weihnachtsserie „Timm Thaler“ residierte der steinreiche Baron ebendort. Es ist erhebend, dort zu stehen, das komplett in die Natur integrierte Gebäude zu bestaunen und die Aussicht von dort.

Club La Santa: Fahrradfahren durch bizarre Landschaft

Drei Tage später leihen wir uns für einen weiteren Ausflug Fahrräder und Schutzhelme vom Club La Santa aus (das ist übrigens inklusive und kostet keinen Cent extra!). Das war ebenfalls cool: Es ist ein sehr freiheitliches Gefühl, einfach loszudüsen und durch diese bizarre Landschaft voller Krater und Lava zu flitzen, schwarze Strände und kleine Buchten auf eigene Faust zu erkunden. Wunderbar.

Wir hätten in unserer Woche auf Lanzarote gern noch mehr gesehen: weitere Werke von Manrique. Tolle Strände, weitere Lavaformationen. Wir hätten auch noch gern mehr Sport im Club La Santa gemacht. Sicher ist für uns aber, dass wir nicht das letzte Mal hier sind. Zu wohltuend ist das alles und zu faszinierend. Bis wir wiederkommen, genießen wir aber erst einmal die gepuderte Schneelandschaft daheim.

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