Warum unsere Tochter nach der Show der „Ehrlich Brothers“ ihre Haare nicht mehr waschen möchte

Jetzt mal ehrlich, Kwatschers: Matschhosenpapa und Matschhosentochter haben vom Christkind Karten für die Ehrlich Brothers-Show „FASZINATION“ in Bamberg bekommen. Wie es war, erzählt der Papa in einem Gastbeitrag:

Bis vor kurzem hätte ich die Ehrlich Brothers für ein in der Finanzkrise implodiertes Bankhaus gehalten. Aber seitdem ich mich als Recherche für meinen Kriminalroman „Bamberger Zauber“ intensiv mit der Szene der Magier und Illusionisten beschäftigte und mir auch selbst ein paar kindergeburtstags- und lesungstaugliche Zaubertricks aneignete, erfuhr ich, dass die Brüder Christian und Andreas Reinelt aus dem westfälischen Bünde zu den ganz großen Zauberern gehören. Sie verzichten auf Frack und Zylinder und anderen magischen Firlefanz, sondern sehen aus wie hippe von der Haarsprayindustrie gesponserte DSDS-Kandidaten. Ihre Shows sahen wir zunächst auf RTL und auf Netflix – bevor Antonia (6) die tägliche Ehrlich-Dosis einforderte. Heute kann sie die Dialoge auswendig mitsprechen und baut die Pointen in ihre Alltagssprache ein: „Ich verrate dir, wie der Trick geht: er geht gut.“ Oder: „Mein Bruder hat seit einer Woche den Führerschein. (Pause) Nicht mehr. Die Polizei hat ihn … (magische Bewegung) … verschwinden lassen.“

Besser als Barbie und Playmobil: die Ehrlich Brothers

Mit jedem Anschauen der Show wuchs ihr Wunsch, die „Ehrlich-Kwatschers“ (so werden sie hier konsequent genannt) einmal „in echt“ zu sehen. Dass sich dieser Wunsch tatsächlich schon bald erfüllen ließ, hatte nichts mit Magie zu tun, sondern damit, dass die Brüder fast täglich irgendwo in Deutschland (manchmal zweimal am Tag) auftreten und am vergangenen Freitag auch in Bamberg gastierten. Dass tatsächlich eine Kwatschers-Karte für Antonia und Papa unter dem Weihnachtsbaum lag, stellte für Antonia alle Playmobil- und Barbiegeschenke in den Schatten. Vier Wochen lang nervte sie alle Freundinnen und das Kindergartenpersonal, dass sie bald zu den Ehrlichs gehen würde. (Anmerkung von Antonia beim Korrekturlesen: „Ich habe sie nicht genervt. Sie finden das interessant.“) Das Christkind hatte keine Kosten gescheut und sogenannte Premium-Seat-Tickets organisiert, mit denen auch für eine Sechsjährige in der dritten Reihe beste Sicht auf die Bühne garantiert werden sollte. Was wir erst beim Blick auf die ausgedruckten Tickets erfuhren: Inhaber von Premium-Seats mussten schon spätestens zwei Stunden vor Beginn der Show erscheinen, einige Überraschungen wurden versprochen. Wir waren gespannt.

Ehrlich Brothers: Extra-Infos auf den teuren Plätzen

Erster Vorteil des frühen Erscheinens: Parkplätze vor der Brose-Arena gab’s noch genügend. Schlange stehen am Eingang mussten wir trotzdem. Dann bekamen wir ein „Premium-Seat-Paket“ überreicht. Inhalt: Ein Programmheft mit Poster, ein Ehrlich-Brothers-Kartenspiel und eine Dose „Zaubertrank“ (Limo). Als wir die Premium-Seats dann eingenommen hatten, erzählte uns eine freundliche Crew-Mitarbeiterin, mit welchem straffen Zeitplan die Mannschaft tagtäglich von Ort zu Ort pilgert, nach Abbau der Show mit Nightlinern unterwegs ist, um zwischen 3 und 5 Uhr am nächsten Auftrittsort anzukommen. Ein Kind durfte auf einen Knopf drücken und einen Feuerwerks-Effekt auslösen. Wer dachte, man würde den Brüdern vorab exklusiv begegnen, musste sich mit mehreren Videofilmchen auf der Leinwand begnügen, auf denen sie in ihrer Werkstatt aus dem Nähkästchen plaudern oder einen simplen Kartentrick erläutern – und natürlich viel Reklame für ihre Shows und Merchandisingprodukte machen. Es gab noch einen Link (www.ehrlich-brothers.com/premium-seat) , wo man die Videos sowie einen weiteren Trick ansehen kann. (Das geheime Passwort wird hier nicht verraten, aber es steht fett über dem Eingabefeld.) Damit war die Premium-Show allerdings nach 20 Minuten schon beendet, was anderthalb Stunden Wartezeit bis zu Beginn der Show nach sich zog. Die Zeit überbrückten wir mit Malbuch und Stiften (zum Glück mitgenommen) und lustigen Selfies mit der Ehrlich-Brothers-App, die es kostenlos im App-Store gibt. Ein Security-Mitarbeiter empfahl uns noch, für das Kind Ohrenstöpsel zu besorgen, weil die Pyroeffekte durchaus laut seien. (Letztlich erschrak Antonia aber mehr wegen der Hitze, die die Flammen auf der Bühne verursachten.)

Ehrlich, Kwatschers?

Fünf Minuten vor Beginn der Show war Antonia kurz davor, die Geduld zu verlieren: „Ich will jetzt nach Hause. Das fängt ja nie an.“ Zum Glück ging’s dann doch los, was ihre ungläubige Frage auslöste: „Sind das wirklich die echten Ehrlich-Kwatschers?“ Die Show war erwartungsgemäß großartig bzw. „Hammer!“ – wir kannten sie ja schon bis ins Detail. Wir wussten auch, dass nach der Pause alle Kinder, die in den letzten vier Wochen Geburtstag hatten, zu einem kurzen Flohzirkus mit dem Flo „Klitzeklino“ vor die Bühne kommen dürfen (und dass hierbei zum Glück das genaue Geburtstdatum nicht überprüft wird). Dass Antonia direkt neben Chris auf der Showtreppe saß, der ihr einen unsichtbaren Flo in die Haare setzte, wird sie wohl nie vergessen. (Hoffentlich vergisst sie aber den Vorsatz, sich deshalb nie wieder die Haare zu waschen.) Ein Foto von diesem historischen Moment gibt es leider nicht, denn die Veranstalter haben das Fotografieren unter Androhung drakonischer Strafen (Sofortiger Saalverweis) strengstens untersagt. Wir hatten großen Spaß, obwohl wir das meiste schon kannten (einzige unbekannte Nummer war eine, in der der „Magier mit der Maske“ aufs Korn genommen wurde, der im Fernsehen die Tricks der großen Zauberer verrät). Und so freuten wir uns darauf, wie ein Monstertruck aus dem Nichts erschien, wie die Brüder auf einer Harley aus einem Riesen-iPad herausfuhren, wie sie eine Gruppe Schwiegermonstermütter aus dem Publikum verschwinden (und zum Leidwesen der Schwiegersöhne an anderer Stelle wieder auftauchen) ließen, wie sie einen Fünf-Euro-Schein von Zuschauer Dirk in einen Fünfziger verzauberten. Und zum Glück musste Antonia keine Angst haben, als in einer sagenhaften Horrornummer vor unseren Augen (ohne Vorhang oder anderen Sichtschutz) Andreas von einer Monstersäge in zwei Teile zersägt wurde und sich seine Beine selbstständig machten. Diese Weiterentwicklung einer Nummer aus dem ersten Programm ist vielleicht der spektakulärste Moment in der Show, aber für den Wiederholungsseher sind sogar die kleinen Illusionen noch beeindruckender, die ganz ohne Spezialeffekte auskommen und einen Einblick in die Seelen der Magier bieten. Auch wenn ein bisschen viel Pathos und Tränendrüse dabei sind, so bleiben doch wenige Augen trocken im Saal, wenn die Ehrlichs an ihren an Leukämie verstorbenen Vater erinnern, dem sie so viel zu verdanken haben und der ihren Durchbruch nicht mehr miterlebte.

Die Show der Ehrlich Brothers: Das schönste Erlebnis überhaupt

Wenn man die Show mehrmals gesehen hat, kann man gelegentlich eine Ahnung bekommen, wie eine Illusion funktionieren könnte oder man sieht sogar bei ungünstigem Licht einen unsichtbaren Faden. Vor allem aber stellt man fest, dass die spontanen und schlagfertigen Gags präzise geplant und wörtlich auswendig gelernt sind – und dass auch die vermeintlichen Zwischenrufe aus dem Publikum, auf die mit witzigen Antworten reagiert wird, gar nicht existieren. Für Improvisationen lässt diese perfekte und bis in die kleinste Bewegung choreografierte Show nun mal keinen Raum. 

Seit dem Ende der Show beteuert Antonia, dies sei das schönste Erlebnis ihres Lebens gewesen. Als Erinnerung packte sie die Hosentaschen voll mit den goldenen Papierschnipseln, die es zum Schluss in der ganzen Halle geregnet hat. Noch auf der Rückfahrt nahm sie mir das Versprechen ab, dass sie das nochmal erleben dürfe „solange ich noch Kind bin“. Das wird sich einrichten lassen. Denn der Termin für den nächsten Auftritt in Bamberg wurde gleich am Ende angekündigt: Ich bin sicher, am 17. Januar 2019 sind wir wieder da.

(Nachtrag: Am Tag nach der Show hatte ich mit Dirk – dem von der 50-Euro-Nummer – ein zufälliges Wiedersehen – er saß im Publikum meiner Krimilesung in Ebern, wo ich aus meinem Buch „Bamberger Zauber“ vorlas.) 

3 thoughts on “Warum unsere Tochter nach der Show der „Ehrlich Brothers“ ihre Haare nicht mehr waschen möchte”

  1. Ein toller Bericht. Ich muss gestehen, dass ich mit dieser Zauberei nicht besonders viel anfangen kann und ich nicht recht weiß, wie ich die Brüder einschätzen soll. 🙂 Dein Artikel macht auf jedenfall neugierig auf die Show! lg Nadine von Nannis Welt

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