Restaurantbesuch mit Kindern. Oder: Müssen wir draußen bleiben?

Gute Freunde von uns gehen regelmäßig mit ihrer inzwischen sechsjährigen Tochter auch in feine Restaurants. Bei ihnen klappt es gut: Die Tochter sitzt brav mit am Tisch, isst Tomatensuppe und feine Nudeln – es funktioniert gut. Bei uns gibt es keine Garantie für gutes Benehmen bei den Kindern, ob sie zwischen Pinocchio-Tellern und Bierdeckel-Basteleien einigermaßen ruhig bleiben, ist Glückssache. Müssen wir also draußen bleiben aus dem Restaurant?
Neulich waren wir in einem Restaurant in unserer Heimatstadt mit großzügigen Räumlichkeiten essen – die ganze Familie, gemeinsam mit zwei kinderlosen Freunden. Wir hatten vorab für vier Erwachsene und zwei Kinder einen Tisch reserviert – dem Wirt war also klar, dass es keine reine Erwachsenenrunde werden würde. Wir hatten erstmal einen netten Abend: Das Essen war wirklich gut, wir haben uns super mit den Freunden unterhalten – und die Kinder, nun ja; unserer Meinung nach haben sie sich gut geschlagen. Sie haben ab und an gealbert, sich gegenseitig mit Malstiften bekämpft – und dabei auch mal lauter gelacht. Dann haben sie aber recht ruhig weitergemacht. Der Kleine ist auch einmal quer durchs Lokal gelaufen, aber als wir ihn wieder eingefangen hatten, blieb er sitzen. Ich bleibe dabei: Beide Kinder waren nicht nervig laut. Jedenfalls auch nicht lauter als die Männer am Nebentisch, die ebenfalls gerne laut gelacht haben.

War das ein Rauswurf?

Uns allerdings ist das Lachen ziemlich schnell nach dem Essen vergangen. Als die Bedienung die Teller abgeräumt hat, sagte sie: „Könnten Sie bitte dafür sorgen, dass Ihre Kinder leise sind?“
Äh … Wie bitte? Und warum jetzt? Weil wir jetzt gerade fertig konsumiert haben und daher nicht mehr länger Spaß haben müssen im Restaurant? Und wie leise sollen sie genau sein? Leiser als wir Erwachsenen, oder reicht es, wenn man sie zumindest noch verstehen können, wenn sie etwas zu sagen haben? War das jetzt ein Rauswurf?

Ist der Gast nur König, wenn er erwachsen ist?

Unsere Freunde waren ebenso wie wir ziemlich schockiert über diesen Satz der Bedienung. Ist man als Gast nicht König? Und gilt das nicht auch für Kinder, die – meiner Meinung nach – keine anderen Menschen gestört haben dürften? Allenfalls durch ihre Anwesenheit, oder mal ein kinderfröhliches Quietschen?
Zu Hause habe ich auf meinem privaten Facebook-Account die Begebenheit beschrieben – ich war einfach stinksauer und wollte auch andere Familien aus unserer Stadt davor warnen, das Restaurant aufzusuchen. Kinder sind ja offenbar nicht so gern gesehen. Auf mein Posting haben die Menschen allerdings höchst unterschiedlich reagiert. Es gab das Lager der Eltern, die uns zugestimmt hatten und nun auch nicht mehr in das Lokal gehen würden. Das überwiegend kinderlose Lager hatte indes vollstes Verständnis für die Reaktion der Bedienung: „Was ist dabei, Euch zu bitten, ruhiger zu sein? Wenn Kinder laut sind, stören sie ja wirklich.“

Es gibt zwei Seiten

Oha, ich hatte nur mit Beifall für mein Posting gerechnet. Wobei ich zugeben muss: Vielleicht hätte ich früher, als Kinderlose, genauso reagiert. Ich weiß noch, wie ich mir öfter mal gewünscht hätte, dass die Kinder am Nebentisch nicht so arg krakeelen oder in der vollen U-Bahn einer ein quengelndes Kind etwas leiser stellt. Heute ist das anders, ich fühle mich sogar recht wohl, wenn im Wirtshaus auch andere Kinder sind, die vielleicht sogar lauter sind als unsere. In der Regel handelt es sich dann um eine familienfreundliche Lokalität. Ich freue mich auch, wenn es nicht das eigene Kind ist, das man vielleicht zu etwas mehr Rücksicht anhalten sollte. Entspannend!
Was ich mich nun wirklich frage: Sollten Familien und Kinderlose künftig getrennt voneinander essen gehen? Nun ja. Ich glaube eigentlich, dass nicht. Es wäre ja okay, wenn Restaurants, die ein fröhliches Kinderquietschen nicht tolerieren wollen, keine Reservierungen von Familien annehmen. Aber wenn ein Wirt auch mit Kindertellern und Fanta Geld verdienen will, sollte er es aushalten, wenn die kleinen Gäste auch mal lauter sind als die großen. Oder: anders laut sind.
Damit es dabei tatsächlich nicht zugeht wie im Indoor-Spielplatz, bemühen wir Eltern uns, dass wir den Kindern einen guten Rahmen für ein ruhigeres Verhalten bescheren und nehmen immer ein paar Malbücher und Puzzles mit. Und um es richtig schön zu haben, packen wir alle zusammen eine große Tüte Toleranz aus. Bitte, danke.

7 thoughts on “Restaurantbesuch mit Kindern. Oder: Müssen wir draußen bleiben?”

  1. Hey Nadine!

    Das ist ja ziemlich frech, finde ich! Glücklicherweise ist das eher ein Einzelfall, oder? Wir hatten bisher immer Glück. Allerdings bin ich meist nicht sehr entspannt, weil ich immer Sorge habe, dass es zu laut wird. Denn die mitgebrachten Spielsachen sind ja meist viel weniger interessant, als das Restaurant sich. 😆

    Was ist das für eine Gesellschaft, in der Kinder nicht mit ins Restaurant dürfen. Dabei nicht zu vergessen, meist sind die Störenfriede ja sogar recht früh wieder weg. Dann haben die anderen Gäste wieder ihre Ruhe…

    Liebe Grüße
    Dani

    1. Liebe Dani, ja, es war echt frech und seeeehr ungastlich. Aber du hast Recht, es ist ein Einzelfall, zum Glück. Wir werden aber auch nicht wieder ins Restaurant gehen, wenn wir ohne Kinder unterwegs sind – auch wenn das Essen wirklich gut war. Das war einfach unsympathisch. Liebe Grüße! Nadine

  2. Mich stört es nicht, wenn Kinder im Restaurant sind. Mich stört es aber, wenn Kinder im Restaurant auf Bänken und Stühlen krabbeln und toben. Das war bei Euch sicher nicht der Fall. Aber per se sind es schon viele Eltern, die ihre Kinder sehr frei laufen lassen. Das können sie ja zu Hause machen. Aber aus meiner Zeit als Kellnerin kenne ich Kinder, die in der Theke spielen, sich ständig in die Küche schleichen und unter den Tischen anderer Gäste liegen. Es gibt durchaus viele Fälle, da wünscht man sich, dass Eltern nicht nur Toleranz für sich und die Kinder einfordern, sondern auch daran denken, dass andere sich gestört fühlen könnten. Gegenseitige Toleranz. Davon könnten wir tatsächlich riesig mehr vertragen.

  3. Hallo Dani,
    Wir gehen auch ab und zu mit unseren drei Kindern in ein Restaurant, aber ich finde es sehr anstrengend, eben weil ich nicht unangenehm mit den Kindern auffallen möchte. Ich erwarte aber auch von meinen Kindern, dass sie einen Restaurantbesuch als etwas besonderes ansehen, dass man nur wiederholen kann, wenn sich dementsprechend benommen wird.
    Wir erziehen leider oft tatsächlich unsere Tyrannen selber, kauen ihnen alles vor, kämpfe ihre Kämpfe auf Spielplätzen um Rutschplatz oder Schaukel und wundern uns dann, wenn sie stäbdig dazwischen quaken und wir keine normale Unterhaltung führen können.
    Ich gehöre nicht zu denen, die sagen, dass früher alles besser war, aber so wie sich heute einige Kinder aufführen dürfen, nerven sie mich auch, wenn am Nebentisch Stifte durch die Gegend fliegen oder ich im Minutentakt den Stuhl in den Rücken gerammt bekomme.
    Ich finde, wir sollten uns um ein freundliches Miteinander bemühen, in welches die Kinder hineinwachsen und nicht die Situationen permanent auf sie angepasst werden. Das tut ihnen auch nicht gut jetzt und im späteren Leben.

    Herzliche Grüsse,
    Sandra

  4. Oh ja ist mir auch schon passiert mit unseren lauten Kindern. Seitdem gehe ich in die Location auch nicht mehr obwohl ich oft da war… klar es hat alles Grenzen, keiner muss einen King Kong dulden, aber ganz normal laute Kinder finde ich gehören zur Gesellschaft dazu. Liebe Grüße, Frida

  5. Liebe Nadine,
    oh weh, das leidige Thema mit Kindern essen zu gehen.
    Wir haben es schon erlebt das man mit offenen Armen aufgenommen wurde, aber auch schon das man die ganze Zeit schief beäugit wurde. Sofern wir es vermeiden können gehen wir eher immer ohne Kinder essen, wenn es auch schade ist.
    Liebe Grüße Marie

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