„Reisen ist die beste Investition im Leben“ – Interview mit Familien-Reisebloggerin Gabriela

Gabriela Urban vom Mama-Reiseblog Mami bloggt ist ein Phänomen für mich. Gerade kommt sie zurück von einer Reise, die ich mit dem Finger auf der Landkarte verfolgt habe, Beispiel: Kolumbien – und schon berichtet sie von den nächsten Reiseplänen etwa nach Polen, Lissabon oder Nicaragua, wo sie auch kurze Zeit später aufschlägt. Ein Tempo, bei dem mir ganz schwindlig wird, im besten Sinne, obwohl ich mich selbst als reiselustig bezeichnen würde: Aber Gabriela ist tatsächlich fast immer irgendwo unterwegs. Mit dabei ist in der Regel ihr zweijähriger Sohn, und manchmal ihr Mann. Ich habe mich endlich getraut, Gabriela alle Fragen zu stellen, die mich als ihre treue Blogleserin brennend interessieren.

Gabriela, dein Leben ist eine einzige Weltreise; du bist ständig unterwegs. Woher kommt diese ungezügelte Reiselust?

Gabriela: Die war eigentlich schon seit dem Jugendalter da, und hat mich irgendwie nie so richtig losgelassen. Ich bin schon sehr viel rumgereist, doch bevor ich Mama wurde, hatte ich gedacht, dass mit einem Kind die Reiseabenteuer für lange, lange Zeit vorbei wären. Denn damals war es für mich unvorstellbar, dass man auch mit Kind als Backpacker reisen kann. Ich hatte mich schon als Pauschaltourist auf Mallorca oder an der Algarve gesehen (- mein persönlicher Alptraum!). Doch da hatte ich die Rechnung ohne meinen kleinen Weltenbummler gemacht. Der hat mir gezeigt, dass das Reisen auch mit Kind möglich ist.

Wir hatten uns da so langsam rangetastet. Als er acht Monate alt war, sind wir zusammen mit Papa nach Indonesien gereist – und das hat super gut geklappt, so dass ich mich zwei Monate später alleine mit ihm nach Malaysia und Singapur getraut habe. Danach kamen einige Länder in Europa dran. Als dann wieder Winter war, ging es für uns zwei wieder in die Ferne, nach Asien und Südamerika.

Meistens reist du mit deinem Sohn alleine. Ist der Papa da nicht traurig?
Gabriela:
Hör bloß auf! Natürlich ist er traurig. Und jedes Mal ist das eine mega Diskussion zwischen uns beiden. Aber mein Mann kennt meine unbändige Reiselust, weiß, dass ich immer wieder auf Reisen muss, damit ich wirklich glücklich bin – und im Grunde würde er es auch gerne machen, wenn es beruflich und zeitlich passen würde. Deswegen ist es immer eher eine Frage des passenden Zeitpunktes und mit welcher Argumentation ich ihm von den nächsten Reisevorhaben erzähle. Und via Skype und WhatsApp kann er ja praktisch täglich an unseren Reisen teilhaben.

Du bist viele, viele Wochen im Jahr unterwegs. Wie finanzierst du das?
Gabriela: 
Während unserer Reisen arbeite ich weiter. Zwar etwas minimiert, aber so 15 bis 20 Stunden wöchentlich müssen schon sein, damit wenigstens ein bisschen Geld in die Kasse fließt. Doch obwohl wir immer relativ sparsam reisen (- alte Backpacker-Mentalität halt), muss ich einen Großteil unserer Reisekosten vom Ersparten bezahlen. Doch das mache ich gerne, denn Reisen ist für mich die beste Investition im Leben. Dafür haben wir zuhause zum Beispiel kein zweites Auto, und ich bringe dementsprechend meinen Sohn auch bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad zur Kita.

Außerdem versuche ich unsere Reisen zu monetarisieren, indem ich verschiedene Kooperationen mache, Artikel in Magazinen veröffentliche oder für Reiseagenturen schreibe – und wer weiß, vielleicht schreibe ich irgendwann auch ein Buch …

Du hast ja einen wunderbaren Blog mit Mami-bloggt.de – arbeitest du auch während deiner Reisen daran?
Gabriela:
Auf jeden Fall! Aber ebenfalls etwas minimierter. Über meine Social Media Kanäle bin ich auch auf meinen Reisen ziemlich aktiv, schließlich wollen ein Großteil meiner Leser an unseren Reisen teilhaben. Artikel veröffentliche ich jedoch weniger, denn mir ist es dann wichtiger, gutes Material und Fotos für einen ausführlichen Blog-Posts zu sammeln – und das benötigt viel Zeit. Dementsprechend gibt es in der Regel erst nach unseren Reisen Artikel auf meinem Blog zu den jeweiligen Destinationen.

Als unsere Familie nach Südafrika gereist ist, habe ich mir von meiner Schwiegermutter anhören dürfen, die Kinder würden genauso viel Spaß im Schwarzwald haben. Was hättest du ihr entgegnet?
Gabriela:
Bestimmt! Aber in Kambodscha, Kolumbien, Indonesien & Co. haben sie auch Spaß – und außerdem machen sie dort ihre ganz eigenen Erfahrungen, die sie ein Leben lang begleiten werden. Außerdem ist es im Schwarzwald im Winter schlichtweg zu kalt und der Strand ist auch zu weit entfernt.

Dein Sohn ist jetzt zwei. Bist du traurig, dass er sich an viele Reiseerlebnisse später nicht erinnern können wird?
Gabriela:
Auf jeden Fall! Deswegen versuche ich auf allen Reisen viele Fotos zu machen, damit ich ihm später von unseren Abenteuern erzählen kann. Und auch wenn es Fakt ist, dass er sich an all die Erlebnisse nicht erinnern kann, bin ich fest davon überzeugt, dass sie ihn trotzdem prägen werden und er sie tief in seinem Herzen tragen wird (- ich hoffe, dass klingt jetzt nicht zu kitschig …).

Wie sorgst du dafür, dass ihm die langen Flüge und die Busfahrten über Land nicht langweilig werden?
Gabriela:
Ganz ehrlich, manchmal habe ich das Gefühl, dass mein Sohn die langen Flüge und Busfahrten viel besser wegsteckt als ich. Der entscheidende Punkt ist, dass er aktuell noch gar kein Gefühl für Zeit hat – und ihm vorab nicht bewusst ist, wie lange beispielsweise ein Flug von Madrid nach Bogotá tatsächlich dauert. Bevor wir also in einen Flieger steigen, habe ich immer die Flugzeit im Kopf, er nicht. Für ihn ist es viel aufregender, dass so viele Flugbegleiterinnen ihm Aufmerksamkeit schenken, dann ist das Entertainment-Programm ja auch nicht unspannend – und oft sind auch noch andere Kinder an Bord, mit denen man sich über mehrere Reihen hinweg unterhalten kann.

Bevor wir nach Kolumbien gereist sind, habe ich mir vorab viele Gedanken gemacht, wegen der langen Busfahrten. Denn eine 8-stündige Fahrt dort ist ganz normal, wenn man von A nach B kommen möchte. Aber auch da hat mein Sohn die Busfahrten ziemlich gut mitgemacht. Ein bisschen aus dem Fenster schauen, schlafen, essen, spielen, auf Mama rumturnen, sich mit den Sitznachbarn unterhalten – und schon war die Busfahrt auch vorbei. Außerdem bleibt auf solchen Fahrten auch viel Zeit zum Kuscheln.

Wie steckt er den Jetlag und die Klimaveränderungen weg?
Gabriela:
Ähnlich wie bei den langen Fahrten, in der Regel besser als ich. In den ersten zwei Tagen nehmen wir uns sowieso etwas Zeit zum Akklimatisieren und gehen alles mit der notwendigen Ruhe an. Spätestens danach ist der Jetlag überwunden. Wenn es für uns in tropische Gefilde geht, dann haben wir beide kaum Probleme mit den klimatischen Veränderungen, sondern freuen uns eher, dass wir jetzt endlich unsere Runden im Pool drehen können.

Welches Land hast du auf deinen Reisen als am kinderfreundlichsten erlebt?
Gabriela:
Die meisten Länder, in denen wir bis jetzt waren, habe ich als sehr kinderfreundlich empfunden. Doch ich glaube, dass Bulgarien in puncto Kinderfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft da noch eine Schippe drauflegt. Das fing schon am Flughafen in Hamburg an. Die ganzen Passagiere waren alle so freundlich und eilten von Weitem zu mir her, um mir zu helfen. In Bulgarien ging es dann so weiter. Für die Bulgaren ist es selbstverständlich, dass eine Mutter mit ihrem Kind an der Supermarktkasse vorgelassen wird, Kinder werden nicht als Störfaktor gesehen, sondern als freudige Bereicherung, und überall machten wir sehr nette Begegnungen. Diese extreme Freundlichkeit gegenüber Kindern und Familien hat mich schon sehr beeindruckt.

Welches Land würdest du Fernreise-Einsteigern empfehlen?
Gabriela:
Bali. Ich finde, dass die indonesische Insel eine perfekte Destination ist, um dort zum Beispiel einen Teil der gemeinsamen Elternzeit zu verbringen. Bali ist vielseitig, bietet angenehmen Komfort, es gibt zahlreiche gute Krankenhäuser mit englischsprachigen Kinderärzten – und die Balinesen sind absolut kinderverrückt.

Außerdem bin ich ja ein ganz großer Kambodscha-Fan – vor allem, wenn man gemeinsam mit Kindern reist. Das Land ist großartig, doch für mich machten vor allem die Kambodschaner unsere Reise zu einem ganz, ganz unvergesslichen Erlebnis. Deswegen mein Tipp: Statt Thailand lieber Kambodscha.

Wohin willst du noch reisen?
Gabriela:
 Afrika ist auf meiner persönlichen Weltkarte noch ein absolut unentdeckter Kontinent. Meine eigenen Afrika-Erfahrungen begrenzen sich bis jetzt nur auf eine Reise nach Gambia. Irgendwie habe ich großen Respekt vor diesem Kontinent – vielleicht habe ich aber auch einfach nur Angst, dass ich mich zu sehr in Afrika verlieben könnte und nicht mehr weg möchte ;-).

Wie auch immer, in meinem Kopf schwirren sehr viele afrikanische Ziele rum, die ich in der nahen Zukunft unbedingt bereisen möchte. Gemeinsam mit meinem Sohn zum Beispiel Mozambique, São Tomé und Príncipe, Madagaskar und Tansania. Und wenn ich irgendwann alleine auf Reisen gehen sollte, dann möchte ich unbedingt nach Äthiopien und Malawi – ach ja, der Gorilla-Teck in Ruanda / Uganda ist auch schon ein langersehnter Traum von mir …

Schaffst du es wiederum, dich nach all den Sehenswürdigkeiten und exotischen Landschaften, die du auf der ganzen Welt gesehen hast, dich auch auf Ausflüge und Reisen in der Nähe zu begeistern?
Gabriela:
Selbstverständlich! Denn für mich ist es fast immer ein Abenteuer, neue Dinge zu entdecken. Ob es die raue Nordsee oder der tiefe Dschungel auf Borneo ist, spielt dabei eigentlich keine ausschlaggebende Rolle. In solchen Momenten vergleiche ich einfach nicht mit dem, was ich irgendwo schon mal auf der Welt gesehen habe, sondern versuche, in allem etwas Besonderes zu sehen.

Wenn ich in Deutschland unterwegs bin, versuche ich manchmal, unsere regionalen Sehenswürdigkeiten und Landschaften mit den Augen meiner taiwanesischen Freundin zu sehen. Als sie mich vor ein paar Jahren in meiner Heimat besucht hat, strahlten ihre Augen vor Begeisterung, als ich ihr Hamburg zeigte oder mit ihr bei uns am Deich an der Elbe spazieren war. Ich merkte ihr an, dass sie am liebsten für immer bleiben wollen würde. Für sie war alles so anders und so besonders. Und sie führte mir vor Augen, wie schön es auch bei uns vor der eigenen Haustür ist.

Was wirst du machen, wenn dein Sohn schulpflichtig wird und ihr vergleichsweise lang am selben Orten bleiben müsst?
Gabriela:
Hör bloß auf! Mir graut es vor dieser Zeit. Deswegen habe ich mir vorgenommen, vorher noch ganz viel mit ihm zu reisen. Doch ich denke auch, dass man es immer irgendwie schafft, Veränderungen anzunehmen – und das Beste daraus zu machen. Und für jede Herausforderung gibt es ja oft auch Lösungen. Wie bereits erwähnt, habe ich vor meiner Schwangerschaft gedacht, dass Backpacking mit einem Kleinkind auf keinen Fall machbar ist. So denke ich, dass wir vielleicht auch in der Schulzeit Lösungen finden werden. Und wer weiß, eventuell nutzen wird diese Zeit, um mal für 1 bis 2 Jahre in einem anderen Land zu leben und da zur Schule zu gehen … Dann aber auf jeden Fall mit Papa zusammen!

Gabriela, vielen Dank für dieses soooo spannende Gespräch! Ich will jetzt nur eins: Dir alles nachmachen, genau so! Und Ihr, liebe Leser: Falls Ihr ein bisschen mehr über Gabrielas Reisen erfahren wollt, klickt Euch gern durch ihr Reise-Portfolio.

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