Tipps: Wie Kinder das Fahrradfahren lernen

Fahrradfahren verlernt man nicht, heißt es so schön – aber erstmal muss man es natürlich drauf haben, um schließlich auf ewig mit dem Drahtesel verbunden zu sein. Denn es gilt noch so ein Spruch: Aller Anfang ist schwer; draufsteigen und losfahren klappt in der Regel nicht. In diesem Beitrag habe ich aufgeschrieben, wie meine 5-jährige Tochter sich auf dem Fahrrad hält – und ein paar Tipps von Experten gesammelt. Schließlich sollen unsere Kinder sicher auf der Straße unterwegs sein – und das Radeln nie mehr verlernen!

Vorneweg: Experten sind sich einig, dass es kein bestimmtes Alter gibt, ab dem Kinder idealerweise aufs Fahrrad steigen. Meine Tochter war relativ früh mit dem Fahrrad unterwegs, bereits mit vier Jahren. Glücklich war ich darüber nicht immer, denn ich konnte damals noch nicht sicher sein, dass sie meine Anweisungen befolgt. Jetzt – sie ist jetzt fünfeinhalb – klappen „Abstand halten, rechts fahren, schau nach vorne“ ganz gut. Anfangs waren wir jedoch nur auf Wegen jenseits der Hauptverkehrsstraßen unterwegs; gut zum Üben eignen sich auch die leeren Parkplätze der Supermärkte, sonntags. Sie sind ebenerdig und gut asphaltiert.

Kinder bis acht radeln IMMER auf dem Gehweg

Wir trauen uns inzwischen, auch in die Stadt zu fahren. Meine Tochter fährt die Strecke – natürlich! – auf dem Gehweg. Das müssen Kinder auch, bis sie acht Jahre alt sind. Kinder bis zehn dürfen wählen, ob sie auf dem Gehweg, dem Fahrradweg oder gegebenenfalls auch auf der Straße fahren. Ab zehn müssen sie den Fahrradweg beziehungsweise die Fahrbahn nutzen.

Wichtig ist jedenfalls, dass Kinder nicht gedrängt werden, aufs Fahrrad zu steigen. Aus freien Stücken lernen sie es in der Regel spätestens im Grundschulalter. Sie sollten motiviert dazu sein, denn es erfordert Geduld; und wenn sie mal stürzen, gehen sie damit besser um, wenn die Initiative zum Radeln von ihnen selbst kam.

Die beste Übung fürs Fahrradfahren

Bis es so weit ist und das erste Fahrrad angeschafft wird, machen die meisten Kinder ohnehin unbewusst die besten Vorübungen: Laufrad- und Rollerfahren gilt der aktuellen Meinung zufolge als die beste Vorbereitung fürs Fahrrad, denn dabei werden Gleichgewicht, Reaktionsvermögen und Körperbeherrschung trainiert. Nicht empfohlen werden indes Stützräder: Die Kindern lernen dabei nämlich nicht, selbst auszubalancieren, was aber fürs Fahrradfahren entscheidend ist.

Besser ist, wenn die Eltern nebenher laufen und bei Bedarf stützend eingreifen. Idealerweise halten Eltern ihr Kind an den Schultern, denn wenn sie am Sattel oder Lenker zugreifen, braucht sich der Mini-Radfahrer nicht zu bemühen, selbst im Gleichgewicht zu bleiben.

Sobald er alleine fahren kann, bleiben die Eltern besser nicht mehr hinter oder neben dem Fahrrad – sie sollten sich nun vor ihm bewegen, gegebenenfalls rückwärts gehend. Der Nachwuchs muss nämlich lernen, grundsätzlich nach vorne zu schauen. Obwohl ich diesen Expertentipp beherzigt habe, befürchte ich dennoch, dass ich noch während der kommenden fünf Jahre immer „nach vorne schauen“ rufen muss; meine Tochter lässt sich leider allzu leicht von allem ablenken, was neben und hinter ihr ist.

Fahrradfahren: Hinfallen gehört dazu

Hinfallen? Gehört leider auch dazu. Anfangs dürfte den Experten des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) zufolge nicht viel passieren: Die Geschwindigkeit ist langsam, die Fallhöhe ist gering, der Helm ist (unbedingt!) auf dem Kopf. Fallen zu lernen müsse sogar ebenso gelernt werden wie das Fahren selbst.

Weniger häufig passiert es mit Sicherheit, wenn die Größe des ersten Fahrrads passt. Ungut wäre, das Fahrrad des älteren Bruders zu erben, obwohl es für die ersten Übungsversuche tatsächlich zu groß ist. Frust und Stürze sind programmiert, wenn es Probleme beim Auf- und Absteigen oder sogar beim Treten gibt. Wenn die Kinder sitzen, sollten dennoch die Beine fest auf dem Boden stehen können. Unverzichtbar ist freilich auch ein Helm. Es ist gut, wenn Kinder ihn von Anfang an gewöhnt sind. Ich selber bin ohne Helm aufgewachsen und es fällt mir immer noch schwer, ihn zu tragen. Zum Glück ist es für meine Tochter das normalste der Welt, ihn aufzusetzen. Ein Glück, denn er kann im Notfall vor schlimmen Verletzungen schützen und sogar ihr Leben retten. Wichtig ist, und da muss ich mich an der eigenen Nase packen: dass wir Eltern gute Vorbilder sind. Wir haben unseren Helm von ABUS übrigens bei Babywalz gekauft, er lässt sich gut an den Kopf meiner Tochter anpassen, ist robust verarbeitet und hat sogar ein integriertes Rücklicht.

Noch so ein Spruch

Und nun? Nun ist Üben angesagt, denn, wieder so ein Spruch: Übung macht den Meister. Damit meine Tochter viel fährt, begleitet sie mich auf dem Rad beim Joggen durch den Park, wir sind nachmittags auf dem Fahrrad zu ihren Freunden unterwegs und radeln auch mal querfeldein. Das macht Spaß – und meine Tochter zur routinierten Fahrerin.

Falls Ihr wissen wollt, welches Fahrrad wir für unsere Tochter ausgesucht haben -> hier entlang.

Habt Ihr noch Tipps auf Lager, die ich hier vergessen habe? Können Eure Kinder schon Fahrradfahren?

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3 thoughts on “Tipps: Wie Kinder das Fahrradfahren lernen”

  1. Ja, das Fahrradfahren … beim Großen hat das ein Weilchen gedauert, bis er sich dazu animieren ließ. Er war nie der große Laufradfahrer, mit Rollern konnte er auch nichts anfangen. Hatte nämlich eben wegen den von dir genannten Gründen beides angeschafft.
    Jedenfalls haben wir ihn dann irgendwann im Frühjahr auf’s Radl gesetzt. Und es klappte gar nicht. Er konnte nicht treten (das hatte er tatsächlich nie geübt – Dreirad oder Traktor wären wahrscheinlich doch nicht so schlecht gewesen), und dann noch gleichzeitig auf den Weg konzentrieren, lenken, bremsen, Gleichgewicht halten … Im Endeffekt haben wir dann tatsächlich erst einmal wieder Stützräder ran gebaut. Dann konnte er das Treten üben, lenken und bremsen. Als er eine gewissen Geschwindigkeit schaffte, haben wir die Stützräder abgebaut und dann hat es 3 Tage gedauert und er ist gefahren. Für uns war das so jetzt der bessere Weg.
    Wahrscheinlich ist das auch einfach von Kind zu Kind unterschiedlich.
    Jetzt ist noch die Kleine dran. Und das werden wir auch jetzt demnächst angehen. Auch sie hat die Stützräder nochmal ran bekommen.
    LG, Tina

    1. Ach ja, zum Halten: Ich hatte die Tipps auch gelesen, dass man die Kinder an den Schultern halten sollte, oder rückwärts vor ihnen herlaufen soll. Bei uns hat’s dann doch mit dem Sattel/Gepäckträger besser geklappt. Sobald er nämlich bemerkt hatte, dass ich ihn loslasse, hat er Panik bekommen und wurde wieder unsicher. So konnte ich ihn irgendwann loslassen und er hatte es gar nicht bemerkt. Und bis er motzen konnte, wurde ihm klar, dass er ja schon ein ganzes Stück alleine gefahren war.
      Und rückwärts vor ihm herlaufen hätte ich mit der Geschwindigkeit nicht geschafft. 😉

  2. Hallo, mir ist auf dem Bild aufgefallen: der Sattel des Fahrrads ist viel zu hoch eingestellt. Besonders am Anfang müssen die Kids locker mit den Füßen den Boden erreichen können, später dann auf jeden Fall nicht nur mit den Zehenspitzen das Pedal. Ein zu hoch eingestellter Sattel ist genauso hemmend wie ein zu großes Fahrrad. Viele Grüße

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