Tatort Spielplatz: Wahnsinn mit Muschelförmchen und Arnica-Globuli

Frühlingsgefühle, weil jetzt „endlich wieder“ die Zeit der Spielplatz-Verabredungen ist? Mitnichten! Ich erlebe regelmäßig puren Stress zwischen dem Suchen und Finden von Kindern, Muschelförmchen und Arnica-Globuli.

„Heute Spielplatz?“ Eine WhatsApp meiner Freundin Brigitte (Name geändert), wie derzeit fast jeden Tag, denn: Wir stecken mittendrin in der Spielplatz-Verabredungssaison. Das ist das Schlimme am Frühling. Für mich bedeuten solche Verabredungen nämlich puren Stress. Meine Kinder sind die, die immer so weit wie möglich vom Picknickplatz weglaufen. Und natürlich erkunden sie die Gegend am liebsten in voneinander komplett entgegengesetzten Himmelsrichtungen. Weil unser Spielplatz ein pädagogisch wertvoller ist und auf abenteuerliche Weise die Geschichte des Sams erzählt – Sams-Erfinder Paul Maar ist nämlich ein Bamberger – gibt es viel zu klettern, einen Wasserspielplatz etc. Sprich: Will ich meine Kinder sehen, muss ich ihnen hinterherjagen.

Unkompliziert? Treffen auf dem Spielplatz

Brigitte argumentiert indes, Spielplatz-Verabredungen seien so schön unkompliziert. Der Spielplatz sei ja in Laufnähe, wir seien alle draußen, alles gut. Und als Plus sind die Kinder abends schön müde. Aber: von wegen. Obwohl wir uns quasi vor der Haustür treffen, packen wir alle wie für eine Reise nach Südafrika. Und müde? Das bin vor allem immer ich.
Kleiner Auszug des Gepäcks gefällig? Zuckerfreie Reiswaffeln und kleingeschnittene Äpfel, die überwiegend im Sand landen werden und schließlich aussehen wie schlecht panierte Chicken Nuggets; Globuli gegen Mückenstiche und Klopapier, falls jemand hinter die Büsche muss; Windeln, Feuchttücher, Wechselklamotten; Picknickdecke, Wasser, Sonnencreme. Wobei, zugegeben: Die Picknickdecke könnte ich mir sparen. Ich jage ja, siehe oben, die ganze Zeit meinen Kindern nach. Und beneide derweil Brigitte, die stoisch beim Picknicken sitzt. Sie hat sich inzwischen andere Gesprächspartner gesucht, die lediglich damit kämpfen, dass ihre Kinder ihnen den Platz auf der Decke streitig machen.

Spielende Kinder, surfende Mamas

Noch mehr beneide ich allerdings die Mütter, die ohne Verabredung hier sind und in aller Ruhe ihr Smartphone checken können, während ihre Kinder im Sand buddeln. Meine einzige Befriedigung in diesen Stunden ist festzustellen, dass auch andere Mütter Stress haben. Vor allem die, die sich richtig viel Mühe mit der Outdoor-Tauglichkeit ihrer Kinder gemacht haben. Ihre Prinzessinnen und Prinzen tragen auch bei schönstem Sonnenschein Matschhosen und Trekking-Kleidung, die einer Himalaja-Expedition würdig wäre. Trotzdem haben die Mamas Angst, dass sich der Nachwuchs verletzen, oder, noch schlimmer: dreckig machen könnte. Damit dieses Worst-Case-Szenario nicht eintritt, wischen sie eilig mit Hilfe einer halben Packung Feuchttücher die Rutsche ab, bevor der Sprössling an der Reihe ist. Gegen Dreck hilft nämlich nicht einmal die Spielplatz-Droge Nummer eins: Arnica-Globuli.

Sand, so weit das Auge reicht

Kurz bevor wir gehen, hat auch Brigitte Stress: „Wo hast du das gelbe Muschelförmchen?“, herrscht sie Finn, den Tränen nahe, an. Obwohl sie suchen wie verrückt, kriegen sie ihr Set an Sandspielzeug nicht mehr zusammen.
„Da wird Papa böse sein“, sagt sie, als er gesteht, dass er Förmcheneinbuddeln gespielt hat.
Als wir nach Hause kommen, kippt meine Tochter eine Fuhre Sand aus ihren Schuhen in den Flur und der Sohn verteilt ihn sogleich freudig kieksend bis in die Küche.
„Oh Gott“, sage ich – und mein Handy piept. Eine Nachricht von Isabell aus dem Rückbildungskurs.
„Morgen Spielplatz?“, fragt sie.

Mit diesem Beitrag nehme ich an der Spielplatz-Blogparade von Dreaming today teil.

10 thoughts on “Tatort Spielplatz: Wahnsinn mit Muschelförmchen und Arnica-Globuli”

  1. Herzlich gelacht! 😉 Ich bin auch immer sehr neidisch, auf die Eltern, die einfach nur rumsitzen können. Ich merke aber, die Zeiten, wo ich meinem Kind nicht hinterher laufen muss werden weniger…

    Ich habe zurzeit übrigens eine Blogparade zum Thema Spieplätze laufen. Vielleicht möchtest du ja noch mit deinem Beitrag teilnehmen. Melde dich einfach und ich schreibe dich zu den anderen teilnehmenden Blogs dazu. 🙂
    http://www.dreamingtoday.com/blogparade-spielplatze/

    Liebe Grüße,
    Lara

    1. Das stimmt, Lara: Es wird besser. Bei aller Jammerei – das merke ich, und ich freu mich darüber :-). Ich mache natürlich sehr gern bei Deiner Blogparade mit. Juhu! Liebe Grüße, Nadine

      1. Schön, dass du dabei bist! 🙂
        Ich muss auch gestehen, ich freue mich immer über eingezäunte Spielplätze, das erschwert das Weglaufen… 😉

  2. Liebe Nadine,
    das klingt bei dir wirklich nach Stress.
    Wir haben das Glück eigentlich zwei Kinder mit Sitzfleisch zu haben und für uns sind Spielplatzbesuche wirklich immer entspannend und unkompliziert.
    Wechselklamotten haben wir noch nie eingepackt, da eben der Spielplatz direkt um die Ecke ist und der Weg nach Hause nicht weit.
    Grüße Marie

  3. Ach herrlich…:)
    Um ehrlich zu sein, versuche ich einfach mal da zu sitzen.
    Weil ich mich gerade in allem zwinge nicht zu helikoptern.
    Aber…achja…es funktioniert einfach nicht..🤔😆
    Und dann beneide ich jene, die ständig nur sitzen, aber über den Platz zu brüllen
    wie beim Bund is manchmal auch nicht ganz so cool 😉

    Liebe Grüße

    Yvi

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