Endlich schwanger – oder: Alles nur ein Test

Na, habt Ihr auch schon einen Schwangerschaftstest bestanden? Viele von Euch vermutlich schon, sonst wäret Ihr kaum auf meiner Seite gelandet. Heute zeitreise ich mit Euch zurück an den Tag, an dem ich erfahren habe, dass ich mit meinem ersten Kind schwanger war.

Vorsichtig schließe ich meine Finger um den Schwangerschaftstest wie um ein rohes Ei, und halte noch einen Meter Sicherheitsabstand zu der Dame vor mir an der Drogerie-Kasse – so, als könnte ich durch diese Exklusiv-Behandlung verhindern, dass er verfrüht ein zweifelhaftes Ergebnis anzeigt. Plötzlich aber bekomme einen kräftigen Stoß von hinten in die Kniekehlen, ich sacke zusammen und vor Schreck quetsche ich die Packung mit dem Test zusammen.
Hey!” rufe ich und will fast mit meinem Heiligtum in der Hand herumfuchteln und mich lautstark beschweren: ”Sehen Sie nicht, dass ich schwanger bin?”
Ein Glück, dass ich es nicht tue.
Erstens weiß ich ja nicht, ob ich tatsächlich schwanger bin, sonst bräuchte es den Test ja nicht.
Zweitens, und jetzt erschrecke ich nochmals, ist es Nachbarin Isabell (Name geändert), die mich mit dem Kinderwagen ihres Jonathans in die Knie zwingt. Sie muss nicht unbedingt die Erste sein, die von einer möglichen Schwangerschaft erfährt.
”Ey, echt?” fragt sie, als hätte ich laut gedacht.
”Was, echt?” frage ich scheinheilig und versuche, den gequetschten Test in meiner Hand in Luft aufzulösen.
”Du bist schwanger?” fragt sie und deutet auf die verräterische Packung.

Nur ein Schwangerschaftstest

Ich: ”Das ist nur ein Test!”
Sie: ”Aber du bist vielleicht schwanger?”
Ich: ”Nein, nein, das ist nur zur Sicherheit.”
Sie: ”Naja, aber wenn es um die Sicherheit geht, solltest du eher eine Packung Gummis kaufen, oder?”
Und als ich nichts erwidere, bohrt sie weiter: ”Um die Sicherheit geht es doch vor dem Sex, und nicht hinterher, oder?”
Ich: ”Ach, und ich dachte immer, vom Testen wird man nicht schwanger. Aber stimmt, Gummis helfen wohl noch besser.”
Ich bin an der Reihe und bezahle. Mit einem ”Man sieht sich” verlasse ich die Drogerie, unsicher, ob ich Isabell tatsächlich vom prophylaktischen Charakter meines Einkaufs überzeugt habe, und spüre, wie sie breit und glücklich grinst, so, als sei sie – und nicht möglicherweise ich – in freudiger Erwartung.

Ist es Absicht, dass es eher demütigend ist, einen Schwangerschaftstest zu machen? Oder ist es nur eine Vorbereitung darauf, dass frau bei einem positiven Ergebnis in den kommenden Monaten zum übergewichtigen, inkontinenten Walross mutiert, das letztlich mit den einfachsten Dingen des Lebens überfordert ist, etwa wie die Treppe in den 1. Stock zu nehmen oder sich von links nach rechts zu drehen?
Jedenfalls: Welche Frau kann schon zehn Sekunden lang pinkeln, sofern sie normal trinkt und keine zwei Maß Bier vom Oktoberfest intus hat? So lange sollen wir Testerinnen nämlich das Testerstäbchen in den Urinstrahl halten. Und, mit Verlaub: Auf so ein dünnes Stäbchen zu zielen, darin sind pinkelnde Frauen ebenfalls nicht so richtig gut. Zielschießen ist wohl eher eine Disziplin für die Herren der Schöpfung, sofern sie vorher nicht zwei Maß Bier getrunken haben.
Ich lese weiter in der Gebrauchsanleitung. Ah, immerhin: In einen Becher zu pinkeln und das Stäbchen hinterher hineinzuhalten – das geht auch. Immerhin dürfte die Zielwahrscheinlichkeit in diesem Fall höher sein.
Gesagt, getan – und danach muss ich drei Minuten warten.
Wenn schon drei Minuten so gar nicht vergehen, wie lange fühlen sich dann erst neun Monate an?

Wie war das nochmals? Nur nichts überstürzen!

Im Grunde wundere ich mich, dass ich nicht schon längst ein paar Schwangerschaftstests angepinkelt habe. Ich bin ja sonst immer so maßlos. Wenn ich überlege, ein Brötchen zum Frühstück würde mal reichen, der Figur zuliebe, dann esse ich hinterher garantiert zweieinhalb. Wenn ich es schwierig finde, mich im Geschäft zwischen zwei Bikinis zu entscheiden, nehme ich im Zweifel beide, und zusätzlich noch einen Badeanzug, wegen der vielen Brötchen in meinem Bauch. Ich wundere mich also sehr, dass ich nach dem Absetzen der Pille das abendliche Pillenschluck-Ritual nicht durchs Schwangerschaftstestmachen ersetzt habe – weil er ja möglicherweise schon ein klein bisschen Alarm hätte schlagen können. Aber ebenso, wie wir den besten Zeitpunkt zur potenziellen Zeugung abgewartet haben, habe ich jetzt den besten Zeitpunkt für den Test abgewartet: ich habe mich geduldet, bis meine Periode ausgeblieben ist. Der Tag der Tage ist also möglicherweise der Tag der Nicht-Tage.
Ich muss immer noch eine Minute warten. Das ist doch Psychoterror!
Jetzt!
Ich schaue auf das Stäbchen. Und dann nochmals in die Anleitung. Wie war das nochmals? Nur nichts überstürzen!
Ein Streifen heißt: der Test funktioniert, aber ich bin nicht schwanger. Zwei Streifen heißen? Oh mein Gott! Schwarz auf Weiß steht in der Anleitung, was auf dem Stäbchen zwei violett-auf-weiße Streifen verkünden!
Mir ist übel. Noch nicht schwangerschaftsbedingt, glaube ich, ich habe nur gestern zwei Gläser Wein getrunken. Wie konnte ich nur?

Schwangerschaftstest: bestanden

”Und?” fragt Isabell, als ich ihr am kommenden Tag im Treppenhaus begegne.
”Was, und?”, frage ich zurück.
Sie: ”Na, bist du schwanger?”
Ich: ”Willst du mich beleidigen? Das ist meine Plauze. Und selber, so?”
Ich gehe weiter und grinse, wie nur Schwangere grinsen. Als sie in ihrer Wohnung verschwunden ist, sage ich im leeren Flur: ”Ich gehe saure Gurken kaufen. Soll ich dir was mitbringen?


Ich nehme mit diesem Beitrag an der Blogparade von Mamas Daily teil. Und weil das Thema eigentlich heißt: „Die besten und schönsten Schwangerschaftsmitteilungen“, sollt Ihr wissen: Ich musste meinem Schatz nichts vom Schwangerschaftstest erzählen. Er wusste schon Bescheid, als er aus dem Bad meinen Schrei gehört hatte… Mehr Schwangerschaftsmitteilungen werdet Ihr in Kürze bei „Mamas Daily“ lesen.

Und falls Ihr mehr über meine erste Schwangerschaft erfahren wollt, empfehle ich Euch mein Buch Babyverrückt. Ich habe darin die Geschichten, die das werdende Leben schrieb, aufgezeichnet.

Und Ihr, wie habt Ihr Eurem Liebsten die gute Nachricht verkündet?

2 thoughts on “Endlich schwanger – oder: Alles nur ein Test”

  1. Liebe Nadine ich habe herzlich gelacht. Ein wundervoller Beitrag. Da musste ich doch gleich an den Schwangerschaftstest denken den ich gemacht habe als ich das erstemal schwanger war. Mensch wie die Zeit vergeht. Lg Alex

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