Zweikindmama: Beim Geschwisterkind ist alles anders!

Ich muss zugeben, dass ich bei der Geburt meines zweiten Kindes davon ausgegangen bin, vieles aus der wundervollen Zeit mit der Erstgeborenen nochmals erleben zu dürfen, genau so. Aber Pustekuchen! 

„Für mein Kind: Wenn ich die Macht hätte, die Zeit nochmals zurückzudrehen, würde ich nicht wie manche andere meine Jugend oder Kindheit zurückholen. Ich würde an den Tag zurückkehren, an den ich dich erstmals im Arm hielt. Um von da ab jede Sekunde nochmals neu erleben zu dürfen.“

Schönste Zeit des Lebens: Seit Ihr da seid …

Dieser Spruch, der mal durch Facebook geisterte, hat mich sehr berührt. Weil es stimmt: Meine Schulzeit etwa war ganz okay, trotz Noten, Liebeskummer und allzu wilder Partys – oder auch deswegen. Auch als junge Erwachsene habe ich nichts anbrennen lassen und bin viel gereist, hatte Spaß im Studium und bei meinen ersten Jobs. Aber die Zeit seit der Geburt meiner Tochter war so besonders, magisch und glückbringend wie nichts zuvor. Diese Urgewalt bei der Geburt. Diese unendliche Liebe zu diesem zarten Geschöpf. Die Kennenlernzeit, in der wir uns gemeinsam mit dem Papa wochenlang verkrochen haben, auf beste Weise. All das nochmals genau so erleben zu wollen – das war, ich gebe es zu, auch irgendwo ein Grund dafür, dass wir uns für ein weiteres Kind entschieden haben. Für unseren Sohn, der vor einem Monat schon seinen dritten Geburtstag gefeiert hat. Wie die ersten Jahre mit ihm waren? Ganz anders als mit seiner Schwester. Natürlich!

Die Zeiten ändern sich

Beispiel: Die Kennenlernzeit, in der wir uns mit unserer Tochter so wunderbar vergraben konnten und einfach in den Tag hineingelebt haben. Diese stille, intime Zeit hat mit dem Sohn ungefähr sieben Sekunden gedauert. Dann war klar: Das funktioniert nur beim ersten Kind. Beim zweiten ist ja auch ein erstes da, das ziemlich viel Wert darauf legt, dass „alle beide“ auf ihre Kosten kommen.
Beispiel: Musikgarten. Wie sehr habe ich es immer genossen, mit der Tochter diesen Kurs zu besuchen, bei dem sie spielerisch ihre ersten Erfahrungen mit dem Musikmachen sammeln sollte. Wo sie erste, einfache Lieder mitsingen und einfache Instrumente testen durfte. Wo sie bei Kniereitern wie „Ri-, Ra-, Rutsch“ immer rief: „Nochmal! Nochmal!“ – so dass die Kursleiterin keine Wahl hatte, als uns Müttern zu Kniereitern in Dauerschleife aufzufordern. Keine Frage, dass ich mit dem Sohn wieder in diesem Kurs bin. Und er? Wenn alle Mütter samt Kindern auf dem Schoß im Kreis sitzen, um „Ri-, Ra-, Rutsch“ zu singen, kriecht er durch den Saal und brüllt: „Rooooaaaaar!“ Wie ein Löwe. Oder er wiehert. Auf meinen Schoß kommt er garantiert nicht. Er wiehert und röhrt die ganze Kursstunde hindurch. Die Kursleiterin tröstet mich damit, dass sie sagt, Tierstimmen nachzuahmen sei eine hervorragende Übung für die Stimmbildung. Zum Abschluss der Stunde legt sie eine CD mit Tiergeräuschen ein, wir hören darauf ein Wiehern. Der Sohn ist glücklich und stimmt mit ein. Und ich freue mich, dass er mal nicht aus der Reihe tanzt.

Kinder sind unvergleichlich

Geschwister

Der Spruch, jedes Kind sei anders, ist ausgeleiert – und doch so wahr. Bei der Tochter trauere ich als Journalistin und Buchautorin ein bisschen darum, dass sie sich nicht so gerne mit Büchern beschäftigt und lieber bastelt, bastelt und bastelt. Beim Sohn hätte ich gar nicht mehr erwartet, dass er sich gerne vorlesen lässt – doch er holt ein Buch nach dem anderen aus dem Regal und fordert ständig: „Lesen!“
Oh je, ich will meine Kinder gar nicht vergleichen. Sie sind unvergleichlich! Zwei eigene Persönlichkeiten, jedes besonders, auf seine Weise. Und die Zeit, die ich bisher mit beiden hatte, ob gemeinsam oder auch mit jedem einzeln, war einfach perfekt, magisch, wundervoll.

Schön, dass es Euch gibt und schön, dass Ihr Euren eigenen Weg geht! <3

7 Kommentare bei „Zweikindmama: Beim Geschwisterkind ist alles anders!“

  1. Danke für diesen kleinen Einblick in das Leben als zweifache Mama.

    Ich bin schon sehr gespannt, wann wir uns in dieses Abenteuer stürzen werden.

  2. Danke für diesen wunderbaren Erinnerer. Memo an mich: Genießen, genießen und nochmals genießen!

  3. Bei zwei Kindern ist wirklich alles anders. Wir finden es unheimlich faszinierend wie verschieden unsere beiden Kinder sind und das wird jeden Tag noch spannender.

  4. Hallo Nadine,
    ich gebe dir vollkommen Recht. Ich hab 3 Mädels und alle 3 sind komplett anders und das ist auch gut so. Ich rate Erstmüttern auch immer die Schwangerschaft und die Zeit nach der Geburt richtig zu genießen, die Zeit und die Ruhe, denn bei einer weiteren Schwangerschaft ist es einfach nicht mehr so möglich.
    Leben mit Kindern ist einfach einzigartig, herausfordernd, unvorhersehbar und eine absolute Bereicherung.
    Liebe Grüße
    Steffi

  5. […] Ihr mehr Geschichten aus unserem Familienleben lesen? Hier meine Empfehlung: – Beim Geschwisterkind ist alles anders. – 10 Dinge, die sich verändert haben, seit mein Sohn ein Kindergartenkind […]

  6. […] hätte ich nicht gerechnet. Als mein Sohn größer wurde, merkte ich schon, dass er andere Bedürfnisse und Interessen hat als seine Schwester: Statt Barbies sammelt er Gummi-Dinos, statt fürs Basteln interessiert er sich fürs Kämpfen – […]

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