Gemälde aus dem Babybauch

Julia und Ramón Perez Cruz aus Augsburg, beide 26 Jahre jung und Eltern einer 5-jährigen Tochter, haben sich mit der Malerei selbstständig gemacht: Ramón malt Porträts, Julia vermarktet und verkauft sie. Porträtmalerei, das ist doch nichts Neues, das gibt es doch schon seit der Antike, möchte man jetzt sagen? Das stimmt. Ramón aber schafft Bilder, wie sie damals nicht möglich gewesen wären: Er porträtiert Säuglinge, wenn sie noch im Bauch der Mütter sind. Ultraschallaufnahmen machen es möglich. Ich habe mit Julia und Ramón gesprochen.

Mama und die Matschhose: Ramón, wie bist du auf die Idee gekommen, ungeborene Babys zu malen?

Ramóns Bild
Ramóns Bild
Ultraschall
Ultraschall

Ramón: Bei meiner Malerei habe ich mich nun schon die letzten Jahre auf die Anfertigung von Porträts spezialisiert. Angefangen hat es mit Porträts im klassischen Sinne: von Pärchen, Kindern, Familien… Als eine gute Freundin von uns ihr erstes Kind bekam und stolz ihre Ultraschallbilder zeigte, war die Idee zu dieser ganz anderen und sehr persönlichen Geschenkidee geboren. Nach einigen Versuchen gelang es mir, die Maltechnik so zu verändern, dass ich die verschwommenen Strukturen des Ultraschallbildes detailgenau auf Leinwand übertragen konnte. Das Geschenk kam bei unserer Freundin sehr gut an. Sie war gerührt und das Bild fand sofort einen Ehrenplatz. So entstand die Idee, auch anderen Müttern zu ermöglichen, das erste, ganz besondere Foto ihres Kindes für immer festzuhalten.

Hast du die Babys, die du als Ungeborene gemalt hast, nach der Geburt nochmals gesehen? Hättest du sie wiedererkannt?

Ultraschallbild
Ultraschallbild
Ramóns Portrait
Ramóns Portrait

Ramón: Für mich ist es etwas Besonderes, für Menschen Bilder anzufertigen, da dabei immer auch ein persönlicher Kontakt entsteht. Sie schicken mir ihre Fotos, erzählen mir die Geschichte dazu und lassen mich so an ihrem Leben teilhaben. Oftmals bestehen die Kontakte auch nach Abschluss des Auftrags fort. Man schreibt sich immer mal wieder Mails oder über Facebook, und wenn das Baby auf der Welt ist, bekomme ich manchmal das Foto des Babys zugeschickt, das ich wenige Wochen zuvor als Ultraschallporträt gemalt habe. Direkte Ähnlichkeit zu erkennen, ist aufgrund der doch sehr verschwommenen Ultraschallbilder schwierig. Meine nächste Idee ist aber, Ultraschallbilder und geborene Kinder zusammen auf eine Leinwand zu malen, sozusagen als Vorher-Nachher-Bild. Und wer weiß: Vielleicht sieht man in der direkten Gegenüberstellung ja eine Ähnlichkeit zwischen dem Baby im Bauch und dem geborenen Kind?

Wann bestellen die Kunden in der Regel bei dir – vor der Geburt oder erst danach?

Ultraschall
Ultraschall
Ramóns Bild
Ramóns Bild

Ramón: Das ist ziemlich ausgeglichen. Einige meiner Kunden wollen so ein Bild zur Geburt verschenken und bestellen es dann natürlich schon vorher. Ich werde aber auch oft angeschrieben, wenn das Kind schon auf der Welt ist. In dem Fall kann man das Porträt personalisieren, also den Namen des Kindes mit drauf schreiben, oder das Geburtsdatum. Viele Mamas wünschen sich das und warten dann auch gerne noch ab, bis das Kind geboren ist.

Du malst auch Bilder von Babys, die ihre Geburt nicht überlebt haben, gerne als Engel. Wie kam es dazu?

Ramón: Es ist schon etwas anderes, ein Bild eines verstorbenen Babys anzufertigen, da es natürlich auch immer mit großen Emotionen verbunden ist. Für die Mutter ist es oft das einzige Foto, das sie noch von ihrem Kind hat, und es ist ja etwas sehr Privates, was sie dann mit uns teilt. Solche Geschichten gehen einem schon sehr nahe, gerade wenn man selbst Kinder hat und weiß, welche Ängste und Gefühle damit verbunden sind. Eine Kundin, dessen Baby ich als Engel auf einer Wolke liegend gemalt habe, suchte bereits seit acht Jahren nach jemandem, der ihr diese Erinnerung anfertigen kann, und sagte mir, sie könnte nun zum ersten Mal gleichzeitig weinen und lachen, wenn sie an ihr Baby denkt. Solche Momente sind unglaublich emotional und ich freue mich sehr, wenn ich solche wertvollen Erinnerungen für Familien anfertigen darf. Auf die Idee kam ich, weil ich finde, dass es eine schöne Vorstellung ist, dass die Sternenkinder als Engel im Himmel auf uns aufpassen.

Julia, Ramón und ihre Tochter.
Julia, Ramón und ihre Tochter.

Julia, Du bist für das Marketing zuständig. Wie gelingt es dir, an Kunden zu kommen?

Julia: Das Problem bei der Umsetzung einer Idee ist ja generell, Zugang zu den Leuten zu bekommen und diese Idee vorzustellen. Vielleicht gibt es Menschen, die Interesse an einem Ultraschallporträt haben, aber gar nicht wissen, dass es diese Möglichkeit gibt. Als wir vor etwas mehr als zwei Jahren mit der Porträtmalerei begonnen haben, standen wir vor diesem großen Rätsel und es ist tatsächlich sehr schwierig, auf sich aufmerksam zu machen. Mit der Zeit haben sich das Vertrauen und viele persönliche Weiterempfehlungen als das beste Marketing erwiesen. Sehr schön ist auch, dass einige Kunden, mit denen wir bereits vor einem oder zwei Jahren Kontakt hatten, immer wieder auf uns zukommen und noch einmal ein Bild anfertigen lassen möchten.

Vielen Dank für das Gespräch euch beiden!

Mehr Infos zu den Porträts aus dem Babybauch gibt es hier.

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